Kapitel 1: Der Weg einer Idee Teil 3

Ludwig XIV, die Kunst und seine Hinterlassenschaften

Ludiwg XIV, auch bekannt als Sonnenkönig. Geboren 1638, im Alter von 4 Jahren offiziell zum König von Frankreich gekrönt, wenn auch unter der Vormundschaft seiner Mutter. Übernahme der vollständigen Regierungsgeschäfte ab 1661. Gestorben 1715. Wenn es nur das wäre würde ich ihm nicht eine so große Aufmerksamkeit schenken. Er ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten kunstgeschichtlichen Figuren, deren Einfluss wir bis heute spüren. Sei es in der Kunstlandschaft oder im Umfeld der Kunst. Aber wie immer geht es mir um die Kunst, daher vergebt mir, dass ich einiges außen vor lasse, wenn es nicht zum Thema passt.

Ludwig als Herrscher ist also mit der Kunst verbunden, stärker als vielleicht irgendwer vor ihm. Daher werde ich auf Ludwig als Herrscher eingehen genauso wie auf Ludwigs als Kunstförderer. Da alles auf einander aufbaut und ineinander verzahnt ist, entschuldigt mir die eine oder anderen Überschneidung von Kunst und Politik. Beim Schreiben ist mir umso klarer geworden, dass jede einzelne seiner Rollen nicht ohne die Andere funktioniert hätte und er ein Prototyp einer ganz gewissen Gattung von Mensch ist, mit denen wir als Fotograf auch heute noch konfrontiert werden.

Ludwig XIV, der Herrscher

Ludwig baute natürlich nicht über Nacht Frankreich zu einer der prägendsten absolutistisch geführten Länder der menschlichen Geschichte aus. Dies geschah über einen größeren Zeitraum und in mehreren Etappen. Kurz zusammen gefasst formte er die Verwaltung und Armee neu und setzte sich unter Strich dabei als oberste Instanz ein. Die Wirtschaft formte er zu einer ausfuhrorientierten Macht, die mehr als genug Geld in das Land brachte. Auch verfolgte und bekämpfte er die adelige Opposition. Der katholische Glaube wurde als Staatsreligion eingeführt, jedoch weitest gehend frei vom Einfluss des Papstes und den Vorschriften der katholischen weltlichen Kirsche. Die Vormachtstellung des französisch katholischen Glaubens sicherte er z. B. dadurch, dass er den Hugenotten bürgerliche und religiöse Rechte absprach und gewaltsam gegen diese vorging. Nach außen hin war seine Politik dadurch geprägt, dass er sich und Frankreich immer weiter von den Habsburgern löste und ihre Macht dort schwächte wo es möglich war. Das selbe gilt aber auch für den Einfluss der katholischen Weltkirche. Wo immer es zweckdienlich war wurden der Einfluss dieser gestört oder gezielt untergraben. Zur Not griff Ludwig auch auf Krieg und Zweckbündnisse zurück um seine und Frankreichs Vormachtstellung in Europa zu sicher und auszubauen.

Dies alles geschah immer mit Ludwig an der Spitze. Um seine Macht auf diesen Niveau zu halten und weiter auszubauen etablierte er den höfischen Absolutismus und auch das Gottesgnadentum fand hier seine volle Blütezeit. Die etablierte höfische Kultur stelle den König in den Mittelpunkt und diente dazu die Macht des Königs (genauso wie die Macht Frankreichs) im eigenen Land und weltweit als absolut dazustellen. Als Drehpunkt und Ankerpunkt für diese Macht und auch für die Kunst diente Versailles. Der Höhepunkt des europäischen Palastbaues wurde extra dafür entworfen um als Knotenpunkt von Macht und Politik zudienen, genauso wie der dafür benötigten Unterbringen des Hofstandes (dieser soll in Hochzeiten um die 1000 Gäste gezählt haben). Natürlich war Versailles auch ein Statement dafür, dass Ludwig XIV das Zentrum der Macht war und allein in Gottesgnadentum stand. Wer dem König dient, dient daher nicht nur Frankreich sondern auch Gott selbst. Eine Geste Ludwigs hatte mehr Gewicht als irgendwelche Adelstitel oder Geld. Er selbst soll dazu geschrieben haben „Im übrigen ist es eine der hervorragendsten Wirkungen unserer Macht, eine Sache, die an sich keinen Wert hat, einen unbezahlbaren Preis zuzuordnen!“. Ludwig führte sogar eine Anwesenheitspflicht am Hofe ein. Denn nur durch Anwesenheit am Hofe konnte der Adel neue Titel erhalten bzw. dafür sorgen, dass er seine alten Titel behielt. Das Fernbleiben wurde durch Sanktionen gegen den jeweiligen Adeligen bestraft, diese konnten einen Adeligen wortwörtlich auf die Straße setzten und komplett mittellos machen. Da nun der potentiell rebellische Adel am Hofe seinen Geschäften im eigenen Land nicht nachgehen konnte und sollte wurde der Dienstadel eingeführt. Dieser übernahm die Verwaltung der Ländereien vor Ort und war finanziell direkt vom König abhängig. Der Dienstadel war dem König höriger als dem jeweiligen zuständigen Adeligen. Die Position des Dienstadels wurde auch an Bürgerliche vergeben, dass der Adel meistens nicht gerade der Freund des Bürgertums war ist uns allen wohl klar.

Da nun der Adel dauerhaft im Versailles war, führte Ludwig ein umfassendes Hofzeremoniell ein, welches zum einen den Adel beschäftig und voll einspannt aber auch dem König selbst in de Mittelpunkt des höfischen Lebens stellte. Daher war der Adel damit beschäftigt dem König gefällig zu sein, dem Leben am Hofe und dessen Regeln nach zugehen. Kurz gesagt war das höfische Leben für den Adel eine Lebensaufgabe und auch sehr kostspielig. So war kaum Zeit für verschwörerische Treffen mit anderen Adeligen. Natürlich war die Chance auch sehr groß, dass man verraten wurde um die eigene Stellung am Hofe weiter zu sichern. Somit war der eigentliche Adel nicht mehr in der Lage sich um seine eigentlichen Aufgaben zu kümmern.

Ludwig XIV, der Kunstförderer

Ludwig legte aber nicht nur Wert darauf die Spitze aller Macht in Frankreich zu sein sondern auch diese zu präsentieren. Versailles war nur eine der vielen Sachen mit der er die finanzielle Macht demonstrierte, die er geschaffen hatte. Wie in der politischen Welt wollte er Frankreich auch in der Kunst zu einer Großmachtstellung in Europa verhelfen. Die Kunst sollte ihm und Frankreich dienen und er wollte sie kontrollieren wie seinen Adel am Hofe.

Daher versammelte er aus allen Richtungen der Kunst die Besten der damaligen Zeit. Stellte ihnen die notwendigen Materialen und Werkstätten. Solange die Kunst ihn an der Spitze Frankreichs darstelle, sich an seine auferlegten Regeln und Gebote hielt gab es keine Grenzen. Größer, besser, teurer und ausschweifender sollte die französische Kunst sein. Dafür führte er ein Mäzenatentum, welches vom Umfang alle bisherigen Formen in den Schatten stellte. Der Künstler war nun direkt vom König abhängig und somit nur einer Obrigkeit verpflichtet. Natürlich galten hier die gleichen Grundregeln wie beim Adel! Der König steht im Mittelpunkt und entscheidet ob das Geld weiter fließt oder der Künstler in Ungnade fällt. Somit hatte Ludwig die Künstler unter Kontrolle und konnte ihr Schaffen und die Kunst lenken. Damit die Kunst durch seine Regeln und Ansichten weiter geprägt werden und neue Generationen von Künstler nicht erst in Kontakt mit der „anderen“ Kunst kamen gründete Ludwig ab 1648 mehrere königliche Akademien. Er deckte somit jede für ihm wichtige Kunstrichtung ab. Hier wurde dann das ideologisierte Kunstverständnis weiter gegeben. Aber auch die Wissenschaften wurden mit einer eigenen Akademie bedacht.

So formte Ludwig Frankreich zum einflussreichsten Land der damaligen Kunst. Damit ging aber auch einher, dass Frankreich als Messlatte für andere Königreiche herhielt. Über all nahm man Frankreich als Leitmaß und versuchte ihm nach zu eifern. So kam es dann auch, dass man im kleinsten Jagdschloss sich am Versailles orientierte. Und wo es dann am Geld oder Material fehlte wurde man halt kreativ. Ein kleines Beispiel finden sich auch quasi vor meiner Haustür. Das Schloss in Ludwigslust und das in Schwerin. Macht euch ruhig mal selber schlau darüber. Ludwig hatte es geschafft Frankreich zu dem politischen und künstlerischen Zentrum des damaligen Europas zu machen. Welches durch seine Vormachtrolle die Entwicklung der Kunst prägte.

Eins hat sich aber zu dieser Zeit nicht geändert, der Künstler war immer noch auf ein Gnadentum angewiesen, musste sich nach Regeln der Obrigkeit richten. Die Kunst an sich entwickelte sich zwar weiter aber war mehr denn zuvor nur ein instrumentalisiertes Mittel zum Zweck. Die Künstler waren nun in der Lage ihre Bilder quasi sich selbst zu zuschreiben bzw. den Schaffungsprozess. Man wollte ja mit seinem Werk sich von der Konkurrenz ab heben und durch seine Leistung weitere Aufträge bekommen. Das Ziel einer solchen instrumentalisierten Kunst war damals vertretbar für die Künstler, denn Kunst war damals nicht anders möglich. Und mal unter uns: Heutige Auftragsarbeiten sind nichts anderes!

Ludwig XIV und sein Ende

Ludwig sein Lebensziel war es die Macht Frankreichs und auch seine eigene Macht zu festigen und auszubauen. Er formte die gesamte Kunstlandschaft unter seiner Führung zu einer Waffe, die gleichzeitig beängstigend, bedrohend aber auch inspirierend und wegweisend war. Die Schattenseiten waren allerdings die stätig steigende Kosten für das pompöse Leben am Hofe, für die ganze französische Kunstlandschaft an welcher der König beteilig war und natürlich die steigende Unmut des Volkes. Weil genau hier das eingespart wurde, was in den anderen Bereichen rein gebuttert wurde. Hin zu kamen noch der ein oder andere Krieg den Ludwig führte und den er ja nicht verlieren durfte. Schließlich war dies nicht in seiner Darstellung vorgesehen. Was bei den ohne hin schon gebeutelten Volk nicht gerade für ein Stimmungshoch sorgte.

Ludwig und Frankreich taktierten sich in seinen letzten Jahren durch politische und kriegerische Auseinandersetzungen und feierten jeden noch so kleinen Sieg als wäre er unbezahlbar. Ludwig selbst war Opfer seines Ausspruches „Im übrigen ist es eine der hervorragendsten Wirkungen unserer Macht, eine Sache, die an sich keinen Wert hat, einen unbezahlbaren Preis zuzuordnen!“ geworden, denn dies funktioniert nur solange es keinen großes Missstand im Land gibt. Hin zu kam, dass ab 1700 langsam die Aufklärung an Fahrt aufnimmt. Und die Grundlagen der Aufklärung waren genau das Gegenteil von dem worauf die Macht Ludwigs stand. Glücklicherweise muss ich sagen hat Ludwig die Blütezeit der Aufklärung nicht erlebt.

Zu seinem Tod war das Verhältnis zwischen Ludwig und dem „einfachen“ Volk alles andere als harmonisch. Als er 1715 starb setzte selbst seine Beerdigung ihm ein Denkmal. Sein konservierter Leichnam wurde in der Abtei von Saint-Denis bestattet. Sein Herz fand in der Kirche Saint-Paul-Saint-Louis des Jesuitenklosters Maison professe de Paris seine Ruhestätte. Seine Eingeweide fanden in Notre Dame ihre Ruhestätte. Im Gegensatz dazu kam es auf den Straßen zu Freudenfesten gekommen bei denen das Volk den Tod Ludwigs feierte und einer neuen unbeschwerten Zukunft entgegen fieberte. Jahre nach seinem Tod wurde dann seine Gräber entweiht und er landete in einem Massengrab zusammen mit den Überresten einiger anderen französischen Königen. Gut 100 Jahre nach seinem Tod wurde er zusammen mit den anderen Gebeinen nach Saint-Denis in ein Ossarium überführt. Eine Zuordnung der Gebeine zu den jeweiligen Königen war nicht mehr möglich.

Was aber von ihm bleibt sind die Leistungen und Grundlagen, die er in der Kunst hinterlassen hat. Und wenn man will kann man in ihm auch den Prototyp der heutigen Selbstdarsteller und Fototyrannen sehen. Selbstverliebt, selbst verherrlichend, sich selbst über den Rest der Menschen stellend und nur den eigenen Kunstansichten verpflichtet.

Mit freundlichsten Grüßen