Kapitel 1: Der Weg einer Idee Teil 2

Kunst, Kreativität, Fürsten und das Christentum

Mit dem Erstarken der Weltreligionen änderte sich auch die Ausrichtung der Kunst. Nehmen wir die christliche Kirche als Beispiel. Nicht nur weil ich bereits im letzten Blog bei den Römer war sondern auch weil wir alle in einem christlich geprägten Land aufgewachsen sind und leben (falls nicht, tut es mir für die Verallgemeinerung zu tiefst leid. Es hält nur als Beispiel her). Wo zuvor noch die „ganzheitliche“ Darstellung von Menschen kein Problem war, war es für die christliche Kirche und ihre Ansichten undenkbar und so verschwanden „quasi“ sämtliche Penisse von ihren Plätzen (entweder wurden sie ersatzlos entfernt oder ein Feigenblatt zierte diese Stelle), weibliche Nippel und Vaginas verschwanden genauso. Das Christentum drückte der bereits entstanden Kunst ihren Stempel auf und was nicht angepasst werden konnte wurde zerstört oder unter Strafe gestellt. Soweit war dies aber nichts Neues sondern ein altbekanntes Spiel.

Neu war aber die Dimension in welcher es statt fand. Das Christentum wuchs zu einem „Globalplayer“, der seine Ideologie maßgeschneidert vertrieb. Malerei, Skulpturen, Musik etc. wurden immer größer, besserer und aufwendiger umso näher man der christlichen Kirche kam. Kunst sollte hier zur altbekannten Aufgabe der Verbreitung, Erhalt und Festigung der Regel auch noch klar stellen, dass die Kirche das Maß aller Dinge ist. Die christliche Religion war die Inspirationsquelle für die Kunst und die Kunst diente der Kirche.

So bedrückend dies aus heutiger Zeit für die Kunst auch war, genauso wichtige Entwicklungsimpulse erhielt die Kunst während dieser Zeit auch. Das bürgerliche Volk hatte ihre Profanbauten und die Kirche verlangte von ihren Architekten immer größere und mächtigere Sakralbauten. Die Malerei entfaltete sich weiter und die Darstellung von Licht und Schatten wurden zu dieser Zeit immer realistischer. Solange also alles im Bereich der christlichen Ansichten war, gab es keine Grenzen für den Künstler. Der Künstler an sich etablierte sich hier auch im neuen Gewand. Seine Inspiration und auch seine Fähigkeiten verdankte er ab jetzt Gottesgnadentum. Denn nur jemand, der in der Gnade Gottes (oder der Kirche) steht könnte die religiöse Inspiration wieder geben. Der Künstler war nur noch ein Medium durch das Gott etwas schafft. Daher war der größte Auftraggeber zu dieser Zeit die Kirche, denn sie hatte das Geld, die Möglichkeiten die benötigten Materialen zu stellen und war natürlich die Vertretung Gottes auf Erden. Daher verwundert es mich nicht, dass es gefühlt von jeder Bibelszene genauso viele Bilder gibt wie Sterne am Himmel. Denn es war nicht von Nachteil ein sehr gern beauftragter Künstler der Kirche gewesen zu sein, da dies einiges an Vorteile mit sich brachte. Die meisten großen Kunstwerke dieser Zeit stehen daher direkt oder indirekt mit der christlichen Kirche in Verbindung.

Mit der Zeit zerfiel das „eine“ Christentum in mehrere Konfessionen. Was hier und da auch bedeutete, dass die Kunst mehr oder noch weniger Freiheiten bekam. Aber trotzdem sah der Künstler sich immer noch in Gottesgnadentum. So fest verwurzelt war der Glauben an eine göttlich schöpferische Macht die durch auserwählte Menschen sich manifestierte. Aber mit dem Auftauchen weitere Konfessionen trat auch neues Konfliktpotenial auf. Was zur Folge hatte, dass die römisch katholische Kirche scharf gegen die anderen Konfessionen vor ging. Dies geschah aber durch die konfessionstreuen Fürsten und ihren Armeen. Hinzu kam noch, dass das damalige deutsche Gebiet einen Pulverfass mit abbrennender Zündschnur glich. Konflikte zwischen den einzelnen Fürstentümern, Erb- und Nachfolgestreitigkeiten innerhalb der Führungshäusern und damit verbundene politischen Interessen der einzelnen Staaten führten schließlich zum dreißigjährigen Krieg, der nicht spurlos an den Menschen vorbei ging, egal ob Fürst, Adel oder „normales“ Volk. Auch an der Kunst ging der dreißigjährige Krieg nicht spurlos vorbei. Da Kunst immer noch den Fürsten und seiner Konfession diente, war sie wieder Zielscheibe von Zerstörung, Verschleppung und Umdeutung. Genauso wie die Kunst selber standen aber auch die Künstler auf der gefährdeten Liste. Für Einige gab es im extremsten Fall nur zwei Möglichkeiten: Entweder bei Nacht und Nebel mit den Nötigsten fliehen oder Gefahr laufen, dass man beim Auftauchen der feindlichen Armee entweder aus konfessionellen Gründen oder weil man den falschen Fürsten diente genauso verschwand wie die eigene Kunst. Einige flohen aber auch frühzeitig in die größten erreichbaren Städte, was dazu führte, dass sich hier die Kunst sammelte, in der Hoffnung den Krieg zu überstehen.

Das Ende des dreißigjährigen Krieges brachte zwar unter anderem die Freiheit der Konfessionswahl für die einzelnen Staaten und die Stärkung der Fürsten gegen über dem Kaiser aber es war auch eine humanistische sowie wie wirtschaftliche Katastrophe. Ganze Landgebiete wurde zerstört und entvölkert. Was wiederum in Hungernöte und den Mangel an so ziemlich Allen endete. Für die Kunst änderte sich zum einen das was dargestellt wurde und auch konnte. Nicht nur, dass das etablierte System des Mäzenatentum durch die Kirche oder dem Fürsten großflächig weg viel, weil alles in den Wiederaufbau gesteckt wurde und man aus der verschwenderischen Haltung der Kirche gelernt hatte, sondern auch einige der bisher wichtigsten Ballungsgebiete der Kunst während des Krieges zerstört worden. Dies bedeutet aber nicht, dass die Kunst in dieser Zeit zum erliegen kam. Ganz im Gegenteil. So etablierten sich regional verschiede Kunstrichtungen, die eine Blütezeit erlebten. Grob gesehen könnte man sagen, dass die Malerei in den Niederlanden, die Architektur in Polen und in Deutschland die Literatur eine Blütezeit erlebte. Das Kunst während des Krieges nicht immer zerstört wurde sondern auch mal in ein anderen Staat verschleppt wurde brachte auch einige neue Inspirationen in die jeweiligen regionalen Kunstszenen.

Zu einer der Wichtigsten ,wenn nicht sogar zu der wichtigsten künstlerischen und kreativen Hochburg, entwickelte sich Frankreich in den Nachkriegsjahren unter der Herrschaft von Ludwig XIV. Am Ende des dreißigjährigen Krieges standen die Franzosen also als einer der Profiteure des Krieges dar.

4 Gedanken zu “Kapitel 1: Der Weg einer Idee Teil 2

    • Bogen? Das wird Ausmaßen haben des Triumphbogens….. Zu mindestens was den werdegang angeht.

      Der Spagat zwischen Kunstgeschichte und Entwicklung des kreativen Menschen ist nicht ganz einfach zu meistern

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