Kapitel 1: Der Weg einer Idee

Der kreative Mensch, so wie wir ihn kennen, ist etwas modernes. Er ist das vorläufige Ergebnis einer langen Entwicklung. Sie begann mit dem erscheinen der Kunst und durchlief verschiedene Stadien. Diese Entwicklung ist eng verbunden mit der Entwicklung der Kunst. Das Wissen darüber ist ein wichtiger Teil um das Problem des kreativen Fotografens zu verstehen.

Am Anfang war…

… Kunst nichts eigenständiges. Sie entwickelte sich aus der Notwendigkeit der Organisation, der Durchführung und der Weitergabe von frühzeitlichen Ritualen und Kulten. Kunst war zu dieser Zeit etwas stark Zweck gebundenes. Kunstfunde wie die Elfenbeinfiguren vom Lonetal (Alter ca. 40.000 Jahre) oder die Venus von Willendorf (Alter ca. 27.000 Jahre) belegen dies sogar. Nur um mal zwei dieser uralten Kunstartefakte zu nennen. Allerdings war Kunst damals schon bereiter aufgestellt als nur Skulpturen oder Höhlenmalereien. Denn ebenso gehören fest gelegte Bewegungsabläufe, „Dekorationen“ der Ritualstellen und co. dazu. Kunst war für das Überleben der eigenen Kultur, Riten und „Regeln“ Ausschlag gebend. Natürlich war Kunst zu dieser Zeit das Lieblingsziel in kriegerischen Auseinandersetzungen. Eine Kultur geht nämlich erst dann unter wenn nicht nur ihre Menschen gestorben sind sondern auch ihre Kultur nicht mehr weiter getragen werden kann.

Eine lange Zeit war es also genau dies die Hauptaufgabe der Kunst. Festhalten, Verbreiten und Überleifern! Zur Zeit der Antike war dies auch noch ihre Hauptaufgaben. Bei den Griechen war jedoch der kreative Mensch aber schon etwas besonderes. Nur er konnte als Auserwählter inspiriert werden und diese Inspiration umsetzen. Jedoch nicht ohne eine Muse. Während der Künstler also die umsetzende Gewalt darstellt waren die Musen die „Ideengeber“ der damaligen Zeit. Dass ein Künstler in dieser Zeit über sowas wie Urheberrecht oder etwas ähnlichen sinnierte war ausgeschlossen. Er sah sich nicht als Urheber sondern als ausführende Kraft, die immer auf die Muse treffen musste. Was die Musen betrifft, nun ja, sie konnten alles sein. Die eigene Ehefrau, das leichte Mädchen am Hafen oder gar die eigene Geliebte oder der Kumpel mit dem Mann abends all zu oft und zu tief in den Becher schaute. Selbst Platon, einer der wichtigsten Philosophen der griechischen Antike, war der Meinung, dass nur wenige die notwendige Ekstase erreichen, die benötigt wird um einen ausreichend großen Resonanzraum zu schaffen, der Inspiration zulässt.

Das gleiche Grundprinzip finden wir auch bei den Römern und auch, dass beide Seite bei kriegerischen Auseinandersetzungen gerne mal Kunst und Kultur des Anderen zerstören oder ihre Bedeutung geändert haben, wenn es mit den eigenen Ansichten einigermaßen über einstimmte. Eine kleine Besonderheit zu dieser Zeit war, dass der Mensch immer ganz dargestellt wurde ohne etwa Geschlechtsteile zu verdecken oder unnötig zu zensieren. Natürlich war diese Darstellung immer vom Schönen und Reinen inspiriert. Ich persönlich kann mich nicht an eine Steinskulptur erinnern, die eine alte vom Leben gezeichnete Person darstellte ohne diese zu verschönern.

Der nächste, für mich, wichtigste Punkt ist eine eine Entwicklung bei der die Römer mehr oder weniger ihre Hand im Spiel hatte und die für die Kunst einen wichtigen Sprung mit brachte, genauso wie sie die Kunst aber auch einschränkte. Das Erstarken der weltlichen Religionen!

Mit freundlichsten Grüßen