Das Aussterben der fotografischen Mittelklasse

Liebe Freunde der schöneren Fotografie,

in dem Buch „Für eine neue Philosophie der Fotografie“ von Vilem Flusser wird unter anderem behauptet, dass die Fotografie einen Durchschnitt unserer Gesellschaft dokumentiert.

Aufgrund der These von Vilem Flusser wage ich die Behauptung:

Die fotografische Mittelklasse wird aussterben!

Wir leben in einer Konsum-und Leistungsgesellschaft. Mit anderen Worten gehörst du zu den „Privilegierten“ unserer Gesellschaft, wenn du die grenzenlosen Konsum ohne weitere Probleme (für dich selbst) leben kannst. Dies führte unweigerlich dazu, dass wir alle sehr viel dafür tun, um uns in irgendeiner Art und Weise als möglichst „privilegiert“ darzustellen ohne es tatsächlich zu sein. Die hierbei aufkommende gelebte Ellenbogenkultur, der pure Egoismus getarnt als Individualismus und ein beharrliches darauf bestehen, dass es ein großes Zeichen von erhöhter Intelligenz ist den „Dunning-Krüger-Effekt“ bis ins letzte Details auszuleben bringen unsere Gesellschaft in einer wirklich zukunftsorientierte, sorglose und verantwortungsvolle Position für die künftigen Generationen.

Entweder bist du ein privilegierter „Gratis-Amateur-TFP-Shooting-Model-Fotograf“. Der auf Grund seiner Privilegiertheit, des besonderen günstigen Preises und auf Grund der besonderen Talentes (das keiner bezahlen will, kann und muss) und mit einer unfassbaren Beliebtheit gesegnet ist oder du bist ein „privilegierter“ High-End-Fotograf, der die Wünsche „reicher“, zahlungswilliger und privilegierter Kunden bedient.

Dazwischen wird nichts Überlebensfägiges existieren können. Da es durch die Berufung von spezieller Privilegiertheit zerrieben und zerstört wird.

Die „bürgerlichen“ Fotografen werden demnach genauso aussterben wie alle anderen „bürgerlichen“ Handwerker und Dienstleister.

Als „bürgerlich“ betrachte ich alle Handwerksberufe, welche sich heute im mittleren Preissegment bewegen und ihren Beruf aus professionellen Gründen ausüben.

Sie sterben aus folgenden Gründen aus:

  • Sie haben immer größere Probleme, Nachwuchs zu finden.
  • Ihr Einkommen ist nicht mehr attraktiv genug, um den jeweiligen Beruf auszuüben.
  • Viele technische Neuerungen machen es unnötig, einen Beruf zu erlernen, die Bedienung einer Maschine reicht vollkommen.

In der Fotografie sieht man diesen Trend an immer besser werdenden Smartphones und an dem Preisverfall von hochentwickelten DSLR-Kameras.

Dies bedeutet für die Zukunft:

Smartphones haben eine erstaunlich gute Bildqualität und viele Amateure können schon sehr viele sehr gute Fotografien machen. Kunden, welche sich für die High-End-Hochzeitsfotografie entscheiden, werden sich auf lange Sicht für Fotografen mit einer großen High-End-Ausrüstung entscheiden.

Die erfolgreichsten Fotografen werden aufgrund des spürbaren Preisverfalles nicht mehr von ihren Fotografien leben können. Sie werden ausweichen und Workshops anbieten. Es wird dazu kommen, dass wir sehr viele gut ausgebildete Fotografen haben, welche ihre Dienstleistungen anbieten werden. Dies wird zu weiterem Preisverfall in allen Bereichen führen.

Wir werden in Zukunft noch mehr  Fotografen, Fotodienstleistungen und Fotografien kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Dies wird über die sozialen Netzwerke und das Internet geschehen. Derweitere Preisverfall von Kameras wird dazu führen, dass die Fotografie letztlich völlig „frei“ sein wird.

Frei von Kosten. Frei von Mühe. Frei von Interesse. Frei von Wissen.

Am Ende auch frei von Qualität!

Bei solchen Aussichten auf die Zukunft wird einem Angst und Bange! Welchen Weg soll man in Zukunft einschlagen? Wie wird man trotz dieser Zukunft ein erfolgreicher Fotograf?

Es ist ganz einfach:

Vermeide die Mitte.

Hierfür gibt es zwei Optionen:

Entweder du bietest dich und deine Arbeit kostenlos an oder du verlangst viel Geld dafür. Vermeide das mittlere Preissegment.  Entweder du bist ein kostenloser Fotograf oder sehr teuer. 

Die Vorteile der kostenlosen Fotografie liegen auf der Hand, du lernst sehr schnell sehr viele Menschen kennen. Alle werden dir sagen, wie unheimlich talentiert du bist und dass man eigentlich Geld verdienen sollte mit solchen Fähigkeiten.

Auf diese Art und Weise wirst du schnell viele wichtige Erfahrungen machen, du stellst dich nicht dem Druck einer bezahlten Arbeit, welche ein Abliefern mit festgelegten Rahmenbedingungen nach sich zieht.

Dein Selbstvertrauen wird wachsen, dein Portfolio ebenso, genauso deine Fähigkeiten. Und du wirst auf den Gedanken kommen, etwas für deine Fotografien verlangen zu wollen.

Den Fehler, welchen ich machte, war, dass ich mich im mittleren Preissegment bewegte. Ich war nicht in der Lage, „Prozente“ zu geben, der Preis war zu knapp kalkuliert.

Wenn du dich an dieser Stelle dazu entscheiden solltest, mit deiner fotografischen Dienstleistung Geld zu verdienen, dann sei doppelt oder dreifach so teuer wie die Summe, die du dir selbst zahlen würdest.

Dies gelingt nicht vielen, denn sie haben Probleme mit ihrem Selbstwert und ihrem Selbstvertrauen.

Wenn du gefragt wirst, was ein Print deiner Fotografien kosten soll, dann lege mindestens 25% auf deinen Preis oben drauf.

Dies tust du bei deiner Hochzeitsfotografie, bei deinem Portraitshooting, bei egal welcher fotografischen Dienstleistung.

Natürlich werden viele Kunden aufschreien und Druck ausüben. Du wirst sehr oft das Wort „Nein“ hören. Doch auf diese Weise trennst du dich von den Kunden, welche niemals bereit wären, irgendeinen Preis für dich und deine Arbeiten zu bezahlen. Denn du könntest bis zu 25% Preisnachlass geben. Viele deiner ersten Kunden werden nicht mal dieses Angebot annehmen wollen. Denn in Wahrheit wollen sie einfach NICHTS bezahlen. Es liegt an ihren „Privilegien“ und daran, dass du als unprivilegierter Fotograf dankbar und demütig sein solltest, um endlich „gratis“ arbeiten zu dürfen.

Wenn du diese erste kleine, sehr laute, dafür aber auch sehr kurze Phase überstanden hast, bekommst du endlich die Gelegenheit, dich auf die Kunden zu konzentrieren, welche dich und deine Arbeit wertschätzen. Sie sind auch bereit, deine Preise zu zahlen.

Und sogar mehr!

Ich habe mich selber viele Jahre als Elektroinstallateur und Fotograf  in mittelfristigen, unterirdischen Preissegmenten und Bezahlungen gequält. 

Mir ist es mittlerweile egal, welche Probleme jemand mit seiner Lampe, seiner Steckdose und seinem Elektrobetrieb hat. 

Mir ist es auch egal, wie wenig ein Paar für seine eigene Hochzeit für den Fotografen ausgeben möchte. 

Denn es ist immer auch eine Aussage darüber, wie viel sie sich selbst wert sind und was der Erhalt dieses Wertes ihnen selbst wert ist.

Ich möchte nicht über 5€ im Monat glücklich sein müssen, nur weil jemand anderes der Meinung ist, dass ich glücklich sein sollte, dass ich überhaupt etwas bekomme.

Es gibt schließlich jetzt schon tausende Fotografen, die ihre Dienste „gratis“ anbieten. Sollen diese Kunden doch bitte dort hingehen. 5€ im Monat bezahlen nämlich nicht meine monatlichen Ausgaben!

Rechne nicht in Cent-Beträgen!

Wenn du die preisliche Mitte vermeidest, wirst du nicht sterben! Ja, auch ich habe es jetzt schwerer, zahlende Kunden zu finden und ja, auch ich habe es nun schwerer, Anhänger zu finden!

Dafür sind meine Anhänger und Kunden aber bereit, die Preise zu bezahlen, die ich aufrufe. Eine Diskussion mit einem Kunden, der meint, dass meine Arbeit und ich es nicht wert seien, entsteht gar nicht mehr. Zudem halte ich mich an die Preise der Fotografen, welche schon im Geschäft sind. Sie nehmen mich seitdem auch nicht mehr als Preisdrücker und nervigen Konkurrenten wahr. 

Ich bin Mitbewerber, wir unterhalten uns auf Augenhöhe und helfen uns gegenseitig. 

Die „Gratis“-Fotografen drehen allerdings frei.

Ein weiterer Vorteil bei einer Hochpreispolitik ist, dass die Kunden wohlhabender sind. Natürlich haben sie nichts zu verschenken – ich möchte aber auch gar nichts geschenkt bekommen – aber warum soll ich mich mit Menschen auseinandersetzen, welche alles daran setzen, meinen Wert zu mindern, weil sie selber keinen haben?

Natürlich kann ich nicht in die Zukunft sehen und aus diesem Grund kann und möchte ich nicht die absolute gültige Wahrheit verkünden. Ich deute nur meine Zeichen und Erfahrungen.

Wenn du ein kommerzieller Fotograf werden möchtest, solltest du also einen Blick auf die Preise werfen! 

Dort wirst du viele Gratis-Fotografen finden oder einige „teure“ High-End-Fotografen und die kommen gut klar. Auch ohne dich als Kunden. Dazwischen existiert bereits heute kaum etwas.

Ich hoffe, dass dieser Artikel dir bei deiner Entscheidung hilft. Dabei, in Zukunft nicht zu sterben. Ich hoffe darauf, dass dich dieser Artikel gedeihen lässt!

Entweder du machst es in Zukunft gratis oder du nimmst viel Geld. Dazwischen wird es aber nicht funktionieren!

Gruß

Herr Rausch