Die Wirkung unserer Bilder

Egal welche Qualität unsere Bilder haben oder was sie zeigen, eins haben sie alle gemeinsam: Sie wirken auf jeden Betrachter anders. Die Spannweite der Reaktionen umfasst alles von total Ablehnung bis hin zur wilden Euphorie. Die Wirkung des Bilders hängt Ausnahmsweise mal nicht ganz von uns als Fotografen ab sondern wird durch die Persönlichkeit des Betrachters gesteuert!

Wir als Fotograf (oder als Künstler) können uns nur der gewünschten Wirkung annähern oder versuchen diese im Bild aufzubauen. Aber steuern lässt sich die Reaktion des Betrachters nicht!

Es gibt kein allgemein gültiges Rezept!

Würde es sowas geben, dann wäre sowas wie der eigene Blick oder gar ein Onlineblog darüber sinnfrei und für den Mainstream mehr als schädlich (noch mehr wie er es sowieso schon ist). Die Kunst/Fotografie wie wir sie kennen würde es nicht geben und wäre durch eine genormte Anleitung ersetzt, die die Wirkung des Bildes vordefiniert und auch vorschreibt was welche Wirkung hervorzurufen hat. 1984, Fahrenheit 451 und Equilibrium lassen grüßen. Aber zum Glück ist es nicht so und wir als Fotograf dürfen versuchen uns einer optimalen Bildwirkung zu nähern – mehr aber auch nicht. Auch sollten wir uns damit abfinden, dass am Ende der Betrachter und dessen persönliche Erwartungshaltung an die Kunst/Fotografie über die Wirkung des Werkes entscheidet.

Mit Streetfotografie werden wir bei einer konservativen, perfektionistischen Persönlichkeit kaum Punkten. Ebenso wenig wie mit einem perfekt ausgeleuchteten Eifelturm bei Nacht bei einem Natur- und Tierfreund. Also freunden wir uns gleich lieber damit an, dass nicht jeder unsere Bilder und uns als Fotografen gut finden wird. Denn umso mehr von uns in unsere Fotos gelangt, umso grenzen wir die Betrachter auf Personen ein, die mindestens die selben Charakterzüge, Interessen und so weiter haben. Wir müssen nicht von Jedem gemocht werden, diese Einstellung erspart uns eine Menge Frust.

Ist unser Bild „fertig“ heißt es zurück lehnen, entspannen und Kaffee trinken. Was jetzt kommt, können wir kaum beeinflussen!

Ein schöner sonniger Tag?! Da muss man gute Laune haben!

Aber kurzer Stop: Es gibt eine Ausnahme! Die Werbefotografie! Hier ist anders wie bei der „normalen“ Fotografie direkt das Ziel eine gewünschte Reaktion auszulösen. Dazu bedient man sich hier aber auch mehreren größeren Themenbereichen wie der Psychologie, Bildästehik und Zielgruppenanalysen. Das Ziel ist hier klar definiert und vorgeben: Das Wecken eines Bedürfnisses. Aber für uns soll es erstmal ausreichen, dass wir uns einer perfekten Bildwirkung nur annähern. Und da dies bereits seit Anbeginn der Kunst versucht wird gibt es die eine oder andere „bewährte“ Hilfe.

Der goldene Schnitt und die Fibonacci-Spirale sind an die Natur angelehnt und sollen den Betrachter das „Wahrnehmen“ eines Werkes erleichtern. Natürlich sind beide etwas theoretisches, was man kennen sollte um gezielt da gegen zu verstoßen. Aber in der heuten Zeit ist ja Theorie etwas, was man der Kamera überlässt.

Zum Schluss hab ich noch eine interessante Frage für euch: Rennt ihr jeden Betrachter hinterher und verbiegt und verstellt euch für ihn? Oder wollt ihr wirklich nicht von jedem gemocht werden?

Mit freundlichsten Grüßen

5 Gedanken zu “Die Wirkung unserer Bilder

  1. da ich vor mehr als 50 jahren mit einer 6×6 analogkamera angefangen habe noch unbefangen zu fotografieren, immer ganz nah dran, bedenkenlos, ob es ungefragt willkommen sei ( denn vorher fragen bringt allenfalls ein freundliches lächeln ), mit fotos, die parallel zum studium grafik-design entstanden, während 2 semestern praxis in der duka-entwicklung, einige dieser fotos wurden sogar damals in der photokina „jugend fotografiert“ ausgestellt, erwähne es nur, weil diese bereits meine einstellung zur fotografie dokumentieren. denn auch später hat die übliche fotomagazin ästhetik mich nie interessiert.

    sondern authentische wahrnehmung des augenblicks. obwohl ich damals nur wenige photos berühmter fotografen kannte, wurden die wenigen die ich von H.C.Bresson sah, zum vorbild. erst jahrzehnte später las ich ein buch über seine biografie. da hatte ich schon lange aufgehört, analog zu fotografieren, die analogkameras ruhten jahrelang ungenutzt da.

    nach dem examen machte ich viele erfahrungen mit profistudios, wo ich als artdirektor zu produkten die fotoregie übernahm. alle waren perfekt in der nutzung professioneller studios, doch nur so lange es die werbefotografie betraf. wenn manche der werbefotografen mir ihre „freien“ arbeiten zeigten, mit kunstanspruch, fast immer akt( nackt)fotografie in posen, welche von halbwegs freier körpersprache weiter entfernt waren, als auf frivolen postkarten der alten zeit. jene profifotografen neigten auffallend eindimensional dazu, nackte auf felsen oder bäumen posierend zu dirigieren.
    wenn ich heutzutage speziell aktfotografie mir überhaupt noch ansehen mag, gilt ein anderes phänomen, der selbstverliebtheit in superkameras und kostspielige objektive führt dazu, daß die fotos mit programmen bearbeitet wurden, bis die models eher wie dolls aus plastik anmuten. schwamm drüber.

    habe selbst erst wieder 1980 angefangen analog zu fotografiere, mit konzeptfotografie und ersten selbstinszenierungen. digital ab 2000 mit einer ersten simplen nikon-coolpix 900 ( 3.5 megapixel ). und ab 2005 diese selbstinszenierungen fortgesetzt, mit der einrichtung eines improvisierten fotostudios und nach und nach mit besseren digitalen kameras habe ich mich speziell mit blitztechnik beschäftigt.

    danke dir für diesen und weitere interessante beiträge zum thema fotografie, im zeitalter der massen knipserei von selfies und großen selbstdarstellungsportalen wie instagram, facebook & co.

    zum abschluß noch eine fragwürdiges argument, das im hinblick auf die wahrnehmung von bildern eher gar nichts bedeutet, denn jede/r sieht, versteht, interpretiert subjektiv nur was er meint zu SEHEN:
    “ ein bild sagt mehr als tausend worte “ / das gilt umso mehr für die wahrnehmung von kunst.

    gruß aus köln, dietmar

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  2. wenn ich behaupten würde, ich hätte nie versucht der Masse zu gefallen. Dann würde ich lügen. Heute seh ich es anders.. mach dein ding sang mal einer .. das mach ich. Wenn es dann noch ein paar Leute gefällt ist die welt für mich mehr als in Ordnung

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