Die Freiheit des Betrachters

Liebe Freunde der schöneren Fotografie,

der Unterschied zwischen der unbeschränkten Möglichkeit der Betrachtung von Inhalten unter anderem auch Fotografien, hat sich mit der Durchsetzung des Internets revolutionär geändert. Die Bemühungen der Moderne, welche allen Menschen einen freien Zugang zu Informationen wurden nahezu vollends durchgesetzt. Heute sind wir in der Lage, dass komplette Wissen der Menschheit abfragen zu können, eine Zunahme an Informationen, Inhalten und Wissen, ist heute nicht mehr beschwerlich zu erreichen.

Das Internet revolutionierte den Begriff der Freiheit, wir wurden freier als jemals zuvor.

Ein jeder kann an die Informationen kommen, welche ihn interessieren, ein jeder ist in der Lage ein Fotograf zu werden und sich alle nötigen Informationen aus dem Internet besorgen und jeder ist auch in der Lage völlig unkontrolliert seine Informationen wieder in das Internet hinaus zu senden. Dieses Maximum an Freiheit, dieses Maximum an unkontrollierten Informationen, wird zum Beispiel, dafür genutzt, um vorhandene und sich ändernde Daten auszuwerten und in einen nachvollziehbaren Kontext zusetzen. Es entstehen Bewegungsprofile, Fitness-Apps, Überwachungsprogramme, welche unsere Mails mitlesen und Frühwarnsysteme, um Pandemien zu verhindern. Scheinbar entstehen gesellschaftliche Überwachungsprogramme, welche den Eindruck vermitteln, dass unsere neu gewonnene Freiheit wieder eingeschränkt wird. Oft fühlen wir uns durch ein weiteres Auswertungsprogramm gegängelt und noch mehr überwacht.

Dies hat auch spürbare Folgen für die Fotografie und seine Betrachter.

Einem Betrachter wird es zunehmend schwer gemacht, sich unbeobachtet und nicht protokollierte Inhalte aus dem Internet anzusehen, dieses Gefühl der Beobachtung zieht sich bis in das reale Leben und in den privaten Bereich hinein. Ein offener und aufmerksamer Blick in unsere Gesellschaft zeigt deutliche Anzeichen einer Gegenbewegung, zur „maximalen Freiheit“ durch Zunahme von Kontrolle, Aussonderung, Abschottung und Filterung.

Diese Schließbewegung wird durch den Betrachter selbst angetrieben. All die Analyseprogramme im Internet, folgen einzig und allein ihrem Programm. Der Betrachter soll mit Hilfe der gesammelten Informationen (über ihn) genau die Inhalte gezeigt bekommen, welche ihn lange und wirkungsvoll beschäftigen. Die sozialen Netzwerke wählen ihre Relevanz für einen Beitrag, nach der Wahrscheinlichkeit eines großen Interesses aus, die Analysesoftware unterscheidet hierbei nicht, ob Freude oder Wut empfunden wird. Sie reagiert allein auf den ausgelösten „Traffic“ eines Beitrages. Lange und viele Kommentare, erzeugen dabei viel traffic. Dies bedeutet, für die Analysesoftware, dass ein Beitrag „interessant“ oder „relevant“ , als andere ist.

Das bedeutet, ein „Like“ für einen Beitrag, ist auf Grund seiner Langwierigkeit, als eher uninteressant einzustufen, als eine flammende Rede gefüllt mit abwertender Kritik.

Dies geschieht im großen Stil und es entsteht leicht der Eindruck, dass unsere Welt den Bach runter geht. Befürchtungen werden geschürt, sie sollen den Eindruck erwecken, dass „das Abendland“ bedroht ist, dass der Anblick eines sich küssendes homosexuellen Paares unweigerlich zu Homosexualität führt, dass eine als unsittlich vernommene Fotografie, zum sofortigen Untergang der uns bekannten Welt führt oder gar eine Revolution. Es werden Ängste geschürt, dass eine Impfung den sofortigen Tod und „totale Überwachung“ zur Folge haben. Wer hat ein Interesse daran Tote zu überwachen?

Es wird gerne übertrieben!

Derzeit existieren keine Kriegsfotografien, welche Kriege stoppten oder auslösten, es existieren auch keine Fotografien, welche Hungersnöte beendeten oder Flüchtlingskatastrophen beendeten. Es waren und bleiben immer Menschen, welche dies taten. Eine Fotografie, wird jedoch gerne zum Vorwand genutzt, wie sie auch gerne bei Religionen und verschiedenen politischen Agenden eingesetzt werden.

Somit ist eine gesellschaftliche Revolution, durch eine Fotografie sehr unwahrscheinlich. Wir als Betrachter sind es, die sich durch ihr Nutzungsverhalten die leistungsstraken Filter des Internets selbst einstellen. Derzeit suggerieren uns diese Filter ein sehr düsteres Bild unserer Umwelt, dass sie tatsächliche Ängste begründen können, dies führt zur Verstärkung von „Meinungskorridoren“, ohne dass uns Auffällt, dass wir es selber sind, welche dieses Weltbild erschaffen. Wenn wir uns stattdessen wesentlich mehr Zeit, für die Lobpreisung, eine konstruktive Kritik oder schlicht einem ermutigenden Gespräch widmen und dem negativen nicht mehr Zeit und Raum lassen, als die 2 Sek. eines „Likes“, beeinflussen wir die Analysesoftware immer sehr stark. Allerdings stellt sie uns dann Inhalte bereit, welche uns tatsächlich gefallen und nicht mehr bekämpft möchten.

Wir haben verlernt positiv zu sein!

Überraschen wird uns die Erkenntnis, dass wir gar nicht fähig sind, eine sinnstiftende, erfreuliche, konstruktive und erbauende Konversation führen können. Es liegt an unserer Leistungs- und Bewertungsgesellschaft mit ihrem Fokus auf das Ungenügen und dem Dispositiven. Dies macht es uns unmöglich etwas, als ausreichend, erhaltenswert zu erkennen, zu beschreiben und zu erfassen.

Die Kommunikation des Betrachters legt mehr Wert und Fokus auf, Verhinderung, Abwertung und Herablassung.

Hier ist der Betrachter in seiner Fähigkeit des sich zu etwas Äußerns, sehr eingeschränkt und begrenzt. Dies schränkt die Freiheit des Betrachters und seine Möglichkeit der Betrachtung ein. Der Betrachter ist heute in seiner Kommunikation gar nicht mehr in der Lage, etwas mit fröhlichen und floralen Wörtern und Begriffen, so zu beschreiben, dass diese Beschreibung, als erhaltenswert empfunden wird. Es fehlt der nötige Wortschatz dafür.

Dinge, Sachen, Ereignisse, Begebenheiten können gar nicht, als ausreichend gut beschrieben werden.

Leichtfertig wird übersehen, dass wir Betrachter unsere Umwelt in Wörtern und Begriffen beschreiben, welche wir in keiner Weise als ausreichend gut erfassen können, da wir den dafür nötigen Wortschatz nicht haben. Dies hat spürbare folgen für die Betrachtung in Museen, Galerien, Zeitungen, Magazinen und allen anderen Formen der Veröffentlichung. Publizierungen werden vermieden, verschoben und abgesagt, auf Grund der möglichen Reaktionen der Betrachter, welche nicht in der Lage sind, einer bewährten, konstruktiven Diskussion beizutragen oder beizuwohnen, da ihnen die dafür jegliche möglichen Kommunikationsmittel fehlen.

Fotografien, werden nicht gezeigt

Da sich eine Person verletzt fühlen könnte und wir selbst Angst vor eine Affektwelle haben. Das Recht der Veröffentlichung einer Fotografie, wird auf diese Weise beschnitten. Da der Fotograf mit seiner Fotografie das Recht eines anderen verletzt haben könnte. Natürlich geschieht dies freiwillig und ohne richterliches Urteil. Als Publizist wirkt man auf diese Weise besonders vorausschauend, moralisch und seriös. Auf diese Weise werden Abbildungen für etwas verantwortlich gemacht, was die Fotografie selbst nicht auszulösen vermag.

Der Untergang des bekannten Universums.

Darüber hinaus wird die Wirkung des Fotos wird mit dem produzierenden Fotografen untrennbar verbunden. Das ausgelöste Gefühl, die Meinung über eine Fotografie, wird somit direkt auf den Fotografen übertragen und auf Grund eines möglichen Gedankenganges nicht veröffentlicht. Hier wird die Freiheit der Produktion, die Freiheit des Betrachtens und die Freiheit des Fotografen und ihre freiheitliche Entfaltung der Gedanken eingeschränkt. Dem Betrachter wird an dieser Stelle seiner eigenen freien Meinungsbildung beraubt und in eine vorgegebene Sichtweise gedrängt. Schließlich wird es einen Grund für eine nicht Veröffentlichung geben, ohne dass wir uns selbst ein Urteil dazu bilden dürfen und können. Da unsere Betrachtungen von Fotografien geprägt sind von gemachten Erfahrungen und Erwartungen, verbinden wir den Fotografen mit seinen Fotografien nach unseren gemachten Erfahrungen und Erwartungen. Die so entstandene Reputation, macht eine getrennte Betrachtung von Fotografen und seinem Werk fast unmöglich. Wenn der Betrachter zu dieser Trennung nicht in der Lage ist, schränkt er sich selbst in seiner Betrachtung ein, somit ist eine freie Betrachtung nicht möglich. Es wird gefordert, dass die Betrachtung zur Meinungsbildung frei sein sollte, diese Freiheit der Betrachtung, wird allerdings eingeschränkt, da eine >>freie Debatte<< nicht möglich ist, deshalb wird die mögliche Meinung des Betrachters und seine persönlichen Interessen, über die Freiheit der Fotografen gestellt, um eine freie Meinungsbildung zu ermöglichen.

Heute reichen Anschuldigungen, Gerüchte und alternative Fakten

Heute reichen einfache Anschuldigungen, um eine Fotografie und den Fotografen zu entfernen. Die juristische Unschuldsvermutung gilt in der Fotografie nicht, ein Gerichtsurteil wird auch nicht gefordert, da es persönlichen Interessen und Meinungen widersprechen könnte. Dies schränkt den Betrachter in seiner Urteilsbildung ein. Wie stark die Reputation eines Fotografen in seine Werke einwirkt, ist davon abhängig, wie individuell er seine Werke gestaltet. Ein Fotograf ist der Gefahr ausgesetzt, dass die möglichen Gedanken, welche seine Werke auslösen, in sein reales Leben projiziert werden und sich der Illusionen der Betrachter aussetzen muss.

Hierbei bilden sich zwei Bewertungskategorien heraus, eine richtet sich auf den künstlerischen, technischen Aspekt, die zweite Kategorie richtet sich auf den moralischen Aspekt. Die angewendeten Dispositive unserer Zeit, führen so zu erzieherischen Maßnahmen und sollen den Fotografen zu mehr Kreativität, besseren technischen Verständnis und moralisch vertretbaren Fotografien verhelfen. Ohne Probleme, ohne schlechtes Gewissen und ohne moralische Bedenken, greifen wir hierzu auch zum totalen Boykott eines Fotografen und entziehen ihm die Lebensgrundlage, um ihn zu moralischem Handeln zu verhelfen. Dies führt dazu, dass die Fotografie immer unpersönlicher, austauschbarer und oberflächlicher wird. Desto weniger die Individualität des Fotografen in seinen Werken in Erscheinung tritt, desto geringer ist die Gefahr, dass der Betrachter in den Werken etwas vernehmen könnte, dass diese einen Nachweis für unerwünschte Sichtweisen entdecken. So wird die Urheberschaft einer Fotografie belanglos und unerheblich. Auch eine Suche nach verhinderten Fotografen ist auf diese Weise nicht möglich, da der Betrachter keine Kenntnis von diesem individuellen Fotografen hat, er kann nichts über sie in Erfahrung bringen oder sich mit ihnen befassen, denn sie wurden wegen möglicher Gedankenverläufe entfernt. Dies schränkt den Betrachter ein in seiner Meinungsbildung und somit seinen Betrachtungen ein.

Die Aussage:

 >>Das Werk, die Fotografie oder die Kunst liegen im Auge des Betrachters<<

Wird auf diese Weise entkräftet, denn die Filterungen im Internet, die Vermeidung des Betrachtens durch geschürte Ängste von Dritten mit Hilfe von Religion, Moral und Ethik, die Berufung auf „die totale Rücksichtnahme“ auf jegliche mögliche Gedanken eines jeden Menschen, machen eine >>freie<< Betrachtung, eine freie Meinungsbildung, eine Zunahme von neuen Erkenntnissen und damit einen Zugang zu neuen Sichtweisen unmöglich. Wer tatsächlich meint, dass nur ein moralisch, politisch, religiös und ideologisch einwandfreier Fotograf, als vorbildlicher Fotograf seine Werke frei zeigen dürfen sollte, soll auch klare Definitionen von richtiger Moral, Religion, Politik und Ideologie erklären, benennen und vertreten. Natürlich wird dies tunlichst vermieden, denn wir alle wissen, dass wir uns in diesem Falle der Lächerlichkeit preisgeben würden. Dies wird moralisch „korrekt“ im verborgenem getan. Deshalb werden Werke von Fotografen aussortiert, angegriffen und entfernt. Diese soll eine Art Bußwirkung im Fotografen auslösen, damit er wieder auf den „rechten“ Weg kommt. Dies geschieht mit Absicht, ohne eine Aussicht auf Erfolg, denn das „Richtige“ wird bewusst nicht klar definiert.

Die Fotofürsten

Dieses bewusste offenlassen von Definitionen, ermöglichte eine selbsternannte Herrscherklasse und Lebensbeamten der Fotografie, welche gerne die Definitionshoheit für die Mehrheit übernimmt. Diese Foto-Fürsten erkennen die Genialität eines Fotografen auf dem ersten Blick, sie erkennen sich sogar selbst im Fotografen wieder und solange der Fotograf, genau das tut was der Foto-Fürst von ihm verlangt, wird er als talentiert und seriös gefeiert und angesehen. Foto-Fürsten glauben nicht an ein Recht auf Individualität, auf ein Recht der freien Meinung, sie sind auch nicht gezwungen sich dem Recht anderer zu unterwerfen, schließlich ist es der Fürst allein, der Rechte für andere definiert und ausspricht. Deshalb sieht der Herrscher der Fotografie den Fotografen als kleinen dümmlichen Handwerker, ohne große intellektuelle Fähigkeiten, der sich an Strenge und enggesetzte Regeln und Gebote zu halten hat. Auf diese Weise verhindert ein Herrscher der Fotografie wirkungsvoll, eine Aufweichung, eine Hinterfragung oder eine Pluralisierung der Sichtweisen und Meinungen, über die Fotografie und die Welt.

Dem Betrachter ist es egal

Der Betrachter hat schließlich nur das Recht darauf immer wieder das Gleiche in minimalsten Variationen zu sehen. Die Frage ist nur: Wie lange möchten wir uns immer wieder das Gleiche ansehen? Da der Betrachter nachweißlich lieber sediert werden möchte und sich nicht weiter Gedanken, um seine eigene Freiheit machen möchte, würde es ihn doch in Schwierigkeiten bringen. Währt diese Wiederholung ewig an. Sie wird so zu einer modernen Version des vor über 2000 Jahren geschriebenen Höhlengleichnisses von Aristoteles. Der freie Fotograf, wird auf diese Weise eine Bedrohung, ein Verbrecher, eine Person, welche ausgestoßen werden muss. Sie zeigen alles was unvorstellbar ist, sie liegen außerhalb des Verständnisses von Freiheit, sie liegen außerhalb der erlaubten Sichtweise, außerhalb des Wissenshorizontes.

Freie Fotografen erweisen der Fotografie einen wichtigen Dienst

Es ist den freien Fotografen selbst nicht unmittelbar klar. Die Troglodyten werden sie, mit allen ihren zu Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen. Hier erkennen wir auch den Grund, warum die Avantgarden der Vergangenheit immer als obszön, radikal, abgründig und wertlos empfunden worden sind. Für die Herrscher der Fotografie und für ihre dumpfen und treuen Untertanen, ist freie Fotografie nichts anderes als gelebte Grausamkeit und Ungerechtigkeit. „Dies darf die Fotografie nicht und die Kunst schon gar nicht!“, ist ihre Forderung. Gerade die Konservativen unter den Fotografen, sind festdavon überzeugt, dass ihre Fotowerke zurück ins Leben strahlen und es beeinflussen. Sie ignorieren die Tatsache, dass eine Fotografie nur in der Lage ist, ein Bild der Vergangenheit zu zeigen, denn in dem Moment des Auslösens ist das Motiv bereits eine Geschichte der Vergangenheit. Wer sich die Bildmotive der konservativen Fotografen anschaut und analysiert, welches Bild er sich vom Menschen macht, welches Bild er sich über die Stellung der Frau macht, welches Bild er sich überhaupt von der Welt macht, wird sich erschrecken und vor ekel zurückschrecken. Der Betrachter übersieht oft, dass die Fotografie in der Lage ist, die Seelenwelt des Betrachters an das Tageslicht zu fördern. Die Betrachtung einer Fotografie, zwingt den Betrachter sich in Position zu dem Gesehenen zu begeben. Hierbei werden, durch die gemachten ästhetischen Erfahrungen, verborgene Ängste, Neurosen, Sehnsüchte und Toleranzgrenzen berührt, diese werden anschließend durch Bemerkungen und Äußerungen getätigt. Dies ist nicht ausschließlich die Aufgabe der Fotografie, sondern jeglicher anderer Kunstgattungen auch.

Die Fotografie ist mehr als eine reine Vermittlung von Formenwelten.

Die Fotografie entwickelte in ihrer kurzen Existenz eine überwältigende Kraft der Freiheit, durch die ständige Zunahme von möglichen Sichtweisen auf etwas. Doch diese Kraft, welche ins freie führt, wird langsam wieder eingeschränkt. Automatische Filter im Internet, neue Tabus in der Gesellschaft und neue politische Ziele und die damit einhergehende Deutungshoheit ändern sich gerade. Verstöße gegen neue Tabus, neue moralische Ansichten und gegen die Filter des Internets, aktivieren marodierende Mobs, welche sich außerhalb des Rechts wähnen und selbst recht sprechen möchten. Wer an dieser Stelle Drohungen, Gewalt, Denunziation und Kompromittierungen, als Grundlage für die individuell empfundene Freiheit macht, missbraucht sein Verständnis von Freiheit und sollte sich der geltenden Gerichtsbarkeit beugen. Gerne wird verschwiegen, dass Gerichte in Deutschland, über Recht und Unrecht entscheiden. Sollen es in Zukunft bösartige Betrachter sein?

Der Effekt der Einengung der Fotografie

Dieser Effekt des Verschließens, der Eingrenzung von Freiheit und Zunahme von eingeschränkten Sichtweisen, wird noch verstärkt, wenn Museen, Galerien, Zeitungen und Magazine aus Angst vor den marodierenden, ungebildeten und uninteressierten Betrachtern, welche mit dem Begriff „Freiheit“ nichts anfangen können und so ihre eingeschränkten Sichtweisen durchsetzen. Die Orte der eigentlichen Kultivierung von Kunstfreiheit, kultivieren auf die Weise einen neuen Begriff der eigedämmten und eingehegten „Freiheit“ der Sichtweise. Es entstand eine Angst, dass mögliche gedankliche Verläufe von fotografischen Bildwerken, selbst wirksam werden und den Betrachter mit unerwünschten Gedanken zu infizieren. Einer Fotografie, wird an dieser Stelle eine vergleichbare Wirksamkeit, wie die der Medusa unterstellt. Der Anblick dieser mystischen Gestalt, sollte Menschen in Salzsäulen verwandeln. Es reicht nicht dieser Gestalt den Kopf abzuschlagen, er musste in einer Tasche versteckt werden, damit sich die unheimliche Fähigkeit, nicht weiter entfaltet. Die Fotografie soll heute auf diese Weise für unerklärliche Gedankengänge, irrationale Gefühle und Befürchtungen, für etwas einstehen, dass eine Einschränkung der Sichtweisen rechtfertigt. Zeitgleich verhindert eine solche Einschränkung, eine nötige Distanz und selbst Hinterfragung, welche wir uns durch Kunst und Fotografie eigentlich wünschen.

Es entsteht ein Paradox

Das entstehende Paradox „Das Verbergen eines Werkes, macht es erst interessant“, ist hinlänglich bekannt. Denn der interessierte Betrachter wird alle Möglichkeiten ausschöpfen, um das verbotene Werk zu sehen, um sich selber ein Bild zu machen. Auf diese Art wurde der interessierte Betrachter zum Tabubrecher und macht sich schuldig. Sein Wille des freien Blickes, der freien eigenen Meinungsbildung wird versperrt. Wenn dem Betrachter heute ausschließlich moralische oder „gute“ Fotografie gezeigt werden darf, dann muss die Moral und das „gute“ in der Fotografie zukünftig hinlänglich bewiesen werden. Sonst wird die neue Art der Fotografie unglaubwürdig und bevormundend. Der Betrachter allerdings, soll sich bevormunden lassen und Dritte über seine freie Meinung entscheiden lassen. Schließlich kann der Betrachter nicht machen, was er will.

Denn der Betrachter ist nicht frei, er soll nur sehen, was andere wünschen!

Liebe Grüße Herr Rausch

Eine kleine Kaffe Spende

1,00 €