Jeder Mensch ist ein Fotograf

Liebe Freunde der schöneren Fotografie,

dennoch wird dafür gesorgt, dass kein Mensch, genug Fotograf ist, um ein Fotograf zu sein.

Es liegt an der Tatsache, dass wir Fotograf auch immer Antagonisten gegenüber anderen Fotografen sind. Dies ist der Preis, den wir an unsere Leistungsgesellschaft bezahlen. Wir befinden uns in einem ständigen Kampf und Wettbewerb mit anderen Fotografen, um Selbstdefinition, Stil und Kreativität, Status, Macht und Einfluss.

Selbst die Klienten der Fotografen sind als Antagonisten zu bezeichnen. Möchten sie doch gerne fürstlich behandelt werden. Sie sind es dessen wünsche wir Fotografen erfüllen sollen. Nicht zu selten sind es die Klienten, welche dem degoutenten Fotografen erst eine Lebensberechtigung geben und der Fotograf endlich etwas Sinnstiftendes fotografieren kann. Nicht umsonst sagen wir:

Der Kunde ist König!

Aber benimmt sich der Kunde bzw. der Klient auch wie ein König? Ist der königliche Kunde auch im Besitz einer königlichen Ettikette? Entlohnt der König seine Aufträge fürstlich?

Oftmals handelt es sich, um den verarmten Adel. Wir finden einige Hinweise im Solipsismus, um nachfolgende Phänomene besser zu erklären.

Könige und Fürsten, welche nicht sofort und unangefochten als solche erkannt und behandelt werden reagieren zum Teil gereizt und mit übertriebener Härte, indem sie versuchen Dekrete und Herablassungen von sich zu geben. Ihre Gier und ihr Geiz sind unerschöpflich, ihre Weigerung nicht auf Augenhöhe zu kommunizieren gründet in ihrer grenzenlosen Selbstüberschätzung, da sie tatsächlich denken, dass allein ihre gelangweilte Aufmerksamkeit das Leben eines Fotografen erhellt und bereichert. In Wahrheit suchten sie nur einen Hofnarren, der ihnen die Zeit vertreibt. Sämtliche Versuche, dass gelangweilte Desinteresse zu brechen und durch Diskussion einen Konsens zu erringen, wird durch den Einsatz des Dispositiven, des „Ungenügen“ wirkungsvoll verhindert. Wichtige Grundbegriffe sind diesem Fürsten völlig fremd: Würde, Anstand, Rechtschaffenheit, Gleichberechtigung, Kunst, Kultur, Regeln, Gesetze, Arbeit und Humanismus sind ihnen unbekannte Begriffe. Sie haben keine Geltung für den Fürsten oder den König. Schliesslich erlässt der Herrscher all dies, um seine eigene Macht zu sichern und um sich an den mühevollen Qualen seiner Untertanen zu erfreuen. Ein Fürst möchte einfach nur unterhalten werden und sich nicht mit unwichtigen Dingen aufhalten.

Tanz, lieber Fotograf! Tanz!

Die Wirtschaft erfreut sich an diesem Zustand. Für sie ist es auf diese Weise sehr leicht möglich frei nach belieben Fotografen ganz nach Kundenwunsch zu produzieren und nach ihrer Nutzung einfach und schnell abzuservieren, um danach einen anderen Narren tanzen zu lassen. Hierfür wird nicht mal das Programm geändert. Schließlich hat sich unsere voll industrialisierte Gesellschaft auf einfache Normen geeinigt, wie ein erfolgreicher Fotograf zu sein hat. Es genügt ein bestimmtes Rezept, ein bestimmtes Marketingkonzept, ein Account bei Facebook und Instagram und nach kurzer Zeit ist man freier und erfolgreicher Fotograf. Es geht relativ schnell, dass man einer allgemein anerkannten Norm entspricht und tatsächlich als Fotograf anerkannt wird.

Du benötigst nur einen Instagramm Account und machst zu 100% daselbe, wie alle anderen!
Verkaufst es dann jedoch als neue kreative Entwicklung.

So seh ich in allen, Die ewige Zier Und wie mir’s gefallen Gefall ich auch mir.

Das Individuelle wird unterdrückt!

Das Individuelle, das Besondere, das Abweichende, wird dahingegen bekämpft, verboten und unterdrückt. Hinweise hierzu finden wir z.B. hier. Denn das Individuelle ist nicht kopierbar und entzieht sich wirkungsvoll der Kommodifizierung. Der individuelle Fotograf wird vehement und wiederholt darauf hingewiesen, dass er sich den Normen anzupassen hat, es folgen Ressentiments, Diffamierung und der Ausschluss auf Konformität basierenden Gruppen. Hier finden wir auch einen nicht unwichtigen Grund, dass sich viele Fotografen, für Fotografen halten, sie haben genug Vollidioten um sich herum, die in ihrem Unwissen, über die Fotografie, völlig gleichgeschaltet sind und nur zu gerne sagen: „Du bist ein toller Fotograf!“.

Dabei fehlt ihnen jeglicher Sachverstand und sind gar nicht in der Lage, solche Aussagen zu machen, der Fotograf selbst ist nicht mit wesentlich mehr Sachverstand ausgestattet und freut sich über diese Täuschung und spielt weiter seine Rolle als Fotograf. Ganz ehrlich, dass zubereiten einer „5-Minuten-Terine“ macht uns auch nicht zum Koch.

Weshalb sollten dann fertige Rezepte für die Fotografie reichen? Wer betrügt in diesem Schauspiel wen?

Liebe Grüße Herr Rausch

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