Halte dich nicht an Ideen auf!

Wenn wir schon dabei sind unsere Ideen auf anderen Weise zu realisieren als uns die erste Idee schmackhaft macht, sollten wir uns auch gleich davon verabschieden die fertige Fotografie als direkte Aussage zu unserer Idee zu sehen.

Meine erste Idee war, dass ich Emotionen und Reaktionen von Menschen festhalten will und dies möglichst unverfälscht und echt. So bin ich in der Streetfotografie gelandet. Die perfekte Spielwiese mit genug Platz um diese Idee wachsen und sich formen zu lassen. Mit der Zeit wuchs diese Idee zu was wesentlich Größeren und das reine Ablichten von Menschen rückte in den Hintergrund.

Die Deutung des Gesehenen liegt beim Betrachter.

Aus der Idee wird ein Konzept. Das Foto zeigt nur einen Bruchteil von dem was passiert. Wir wissen nicht was davor und danach passierte. Wir wissen nicht genau was im Kopf dieser Person vorgeht. Wir können uns nur ein schemenhaftes unscharfes Bild von dem machen was da gerade vor sich geht. Wieso als dies nicht auch direkt auf die Fotografien übertragen? Weg vom vom gestochen scharfen Bild und vom detaillierten Darstellen? Weg von der ganzen Person! Überlassen wir die Deutung des Bildes dem Betrachter! Und so wurde aus meiner starren Idee ein Konzept welches wesentlich mehr erlaubt und zum experimentieren einlädt.

Die Erarbeitung eines eigenen und individuellen Konzepts ist nicht nur wichtig für die Freiheit und Entwicklung des Fotografen sondern auch für die Entwicklung des eigenen Blickes. Den Weg von der ersten Idee hin zum eigenen Konzept sollten wir immer wieder gehen und ihn auch immer weiter gehen. Je öfter und weiter wir diesen Weg gehen um so sicherer, individueller und persönlicher wird unsere Bildsprache.

Wie weit seit ihr bereit mit der ersten Idee zu gehen oder wie weit seit ihr schon gegangen?

Mit freundlichsten Grüßen