Anti dogmatische Street-Fotografie

Liebe Freunde der schöneren Fotografie,

hiermit schlage ich euch eine neue Denkweise für die Street-Fotografie vor.

Als ich vor langer Zeit angefangen habe, mich für die Street Fotografie zu interessieren, stieß ich schnell auf eine Vielzahl von „Regeln“.

Hier einige Beispiele:

  • Damit die Fotos ehrlich sind, darf man nicht um Erlaubnis bitten.
  • Ein Portrait auf der Straße ist keine Street-Fotografie.
  • Du sollst dein Bild nicht zuschneiden.
  • Du sollst kein Weitwinkelobjektiv benutzen. (nicht unter 35mm Brennweite)
  • Nur monochrome Bilder sind legitime Street-Fotos.
  • Du sollst die Szene nicht „stören“.
  • Nutze für die Street-Fotografie eine kleine, leichte, kompakte Kamera.
  • Sei ein Jünger von Henri Cartier Bresson.

Einige dieser Regeln stammen – in ähnlicher Form – sogar von HCB selbst.

Nun möchte ich dir etwas Wichtiges zu diesen „Regeln“ sagen:

Es sind nicht meine Regeln!

Diese Regeln und vermeitlichen Gesetze sind vor langer Zeit entstanden. Leider wurde versäumt, diese Regeln an unsere postmoderne Welt anzupassen.

Das große Problem dieser Regeln ist nämlich, dass es „Foto-Tyrannen“ und „Foto-Diktatoren“ erst ermöglicht.

Nicht wenige Fotografen rasten völlig aus, werden richtig böse und ungehalten. Sie verhalten sich tatsächlich wie ein Tyrann, wenn wir gegen ihre heiligen „Regeln“ verstößt.

Meine Definition eines Foto-Tyrannen ist:

Ein Foto-Tyrann erwartet von allen anderen Fotografen, dass alles so fotografiert wird, wie ein Foto-Tyrann es selbst fotografieren würde. Denn nur die Art und Weise, wie ein Foto-Tyrann fotografiert, ist die einzig richtige Art und Weise, wie überhaupt fotografieren werden kann, darf und soll.

Höre nicht auf diese Foto-Tyrannen!

Denn du bist ein freier Mensch. Du bist einzigartig!

Erfreue dich daran!

Diese Foto-Tyrannen, Protektionisten und „Kleriker“ der wahren, „echten“ Fotografie übersehen nämlich einen wichtigen Punkt:

Wir sind alle verschiedene, einzigartige, idiosynkratische Menschen, somit sind Fotografen dies auch.

Es existiert also nichts Dümmeres, Stumpferes und Sinnloseres, als willkürlichen „Regeln“ eines selbsternannten tyrannischen Foto-Diktatoren zu folgen.

Diese Arschlöcher existieren nicht nur in der Fotografie, wir begegnen ihnen in allen Lebensbereichen.

Eine alte Bekannte von mir ist an MS (Multipler Sklerose) erkrankt. Sie stellte für sich fest, dass ihr eine vegane Ernährung gut tut. Nun wird ihr von „richtigen“ Veganern vorgeworfen, dass sie aus den falschen Gründen eine „Veganerin“ sei. Denn richtige Veganer sind vegan, weil sie das Leben schützen wollen, aber eben nur das Leben des Tieres! Wenn man es aus gesundheitlichen Gründen macht, weil es einem dann besser geht, ist dies im höchsten Maße intolerabel und egoistisch.

Wie wir sehen, existieren diese Probleme nicht nur in der Fotografie und in der Kunst!

Wer nachdenkt, findet in seinem Leben genügend Beispiele im sozialen Umfeld, auf Arbeit, im Verkehr, auf der Straße, in der Politik

Aber ich schweife ab. Zurück zum Thema!

Wie können wir von Anderen verlangen und erwarten, dass sie so fotografieren, wie wir es uns wünschen bzw. wie wir es selber machen würden?

Ich bitte an dieser Stelle jeden Fotografen um mehr Fototoleranz!

Hier meine Idee:

Habe deine eigene starke Meinung, fotografiere dein Streets so, wie du es wünschst! Entwickle deine eigenen Regeln und folge diesen. Du kannst deine Regeln auch beugen, wenn du es wünschst. Aber mache niemals den Fehler und verlange von anderen Fotografen, dass sie so fotografieren, wie du es selber machst!

Du wirst feststellen, dass Fotografie dann sehr bereichernd wird. Sie wird dir Freude schenken und Lust machen, noch mehr Bilder und Kunst zu erschaffen. Du wirst eine Hartnäckigkeit entwickeln, die ihresgleichen sucht. Gleichzeitig erlaubst du allen anderen Fotografen, so zu fotografieren, wie sie selbst es wünschen, damit sie dieselbe Freude und Lebenslust empfinden können.

In Zukunft diktierst du dir deine eigene Fotografie und bist aufgeschlossen und tolerant gegenüber anderen Fotografen. Du musst gar nicht lange warten, dann tauchen auch die ersten Fotografen auf, welche dich inspirieren und befähigen. Sie werden deinen Horizont als Fotograf erweitern und dich wirklich weiterbringen.

Folge dir selbst!

Sei offen und interessiert an Fotografen, welche dich weiterbringen. Ignoriere die Foto-Tyrannen. Suche dir selbst Dinge, welche dich interessieren, lerne von den richtigen Meistern der Fotografie der Vergangenheit, aber werde niemals Sklave ihrer Regeln.

Sei stark und habe Spaß!

Gruß

Herr Rausch

Für den Kaffee

Auch „Fotografen-Diesel“ genannt

1,00 €

4 Gedanken zu “Anti dogmatische Street-Fotografie

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