Die Fotografie als Ausdruckmittel

Über die Kunst, des sich ausdrücken Könnens

Wer sich mit Zen, dem Buddhismus, der abendländischen Philosophie (im Besonderen mit der Stoa) und mit der Erkenntnistheorie auseinandersetzt, darüber hinaus sich ein wenig mit anderen Religionen und Philosophien beschäftigt, wird nicht abstreiten können, dass es allen in etwa darum geht, sein eigenes „Ego“ auf ein gewisses Maß zurückzufahren und zu kontrollieren. Jedoch geht es geht es in keiner Weise darum, sein eigenes „Ego“ stumpfsinnig abzutöten.

Ziel all der verschiedenen Lehren und Übungen aus den vielen verschiedenen Richtungen ist es:

Nicht der Sklave seines eigenen Ego zu sein. Sondern sein Ego sinnvoll zu kontrollieren, zu bilden und zu erweitern.

In einem kurzen Satz bedeutet es:

Forme und nutze dein Ego zu positiven Dingen im Leben.

Was ist das Ego?

Bevor wir weitermachen, sollten wir klären, was „Ego“ überhaupt ist.

Ich bin der Meinung, dass „das Ego“ der sichtbare Beweis für einen Lebensentwurf eines Menschen ist. Dieses Ego besteht aus Erinnerungen, Lebensweisen, Sichtweisen, Weltanschauungen, Meinungen, Vorlieben, Lebenserfahrungen und einer ganz individuellen Lebensphilosophie, welche aus allen vollzogenen Handlungen, Aussagen und Reaktionen der Vergangenheit besteht.

Die Schlussfolgerung daraus ist:

Der Ausdruck seiner Selbst wird im allerhöchsten Maße egoistisch angetrieben und motiviert.

Das Paradox der modernen Gesellschaft

Wir stoßen in unseren modernen Gesellschaften mit dieser Form des „Selbstausdrucks“ schnell an Toleranzgrenzen. Schließlich ist es in dieser modernen und freien Gesellschaft nicht gerne gesehen, wenn wir uns egoistisch oder egozentrisch Verhalten. Andererseits wird von uns verlangt sich möglichst stark und schnell selbst zu verwirklichen, im privaten und im beruflichen Bereich.

Es wird nicht schief geschaut, wenn wir unseren individuellen Wünschen folgen, unsere Berufung zum Beruf machen und uns für Nachhaltigkeit im Biolandbau interessieren.

Fast alles wird akzeptiert!

Solange wir es ausschließlich für andere machen und unsere egoistischen Ziele (z.B. von der Berufung leben-können) ganz weit nach hinten schieben. Der Nutznießer des sich zurückzuhalten sind Mitmenschen, welche aus reiner nächsten Liebe zu uns und nicht aus Gründen des Egoismus von dir, deiner Berufung, deiner Leidenschaft und deinem Einkommen letztlich leben.

Vielen Menschen fallen diese unterschiedlich gesendeten Signale gar nicht auf.

Ich fasse zusammen:

  • Es ist schlecht und böse, wenn du egoistisch oder egozentrisch bist.
  • Es ist gut und im höchsten Maße sozial, wenn du andere Menschen ausnutzen kannst und ihnen mit „Sei kein Egoist-Argumenten“ kommst.

Mir drängt sich an dieser Stelle eine Frage auf:

Warum drücken wir uns überhaupt aus?

Meine Theorie dazu ist:

  • Wir müssen uns Ausdrücken, weil wir eine Meinung und/oder eine Ansicht auf dieser Welt haben.
  • Wir helfen anderen Menschen, indem sie wir ihre Meinungen und/oder Ansichten zur „Popularität“ verhelfen und ihre Meinungen und/Ansichten verbreiten, um etwas positives zu erreichen.
  • Wir stärken unser eigenes Selbstvertrauen, indem wir mutig genug sind, eine eigene Meinung/Ansicht öffentlich zu vertreten.
  • Gleichzeitig stärken wir dadurch auch andere Menschen in ihrem Selbstvertrauen, diesem Beispiel entweder zu folgen oder es abzulehnen.

Der praktische Einsatz in der Fotografie

„Zensiere dich nicht!“

Wenn du ein interessantes Motiv siehst, dann fotografiere es, veröffentliche es und teile es.

Zensiere dich nicht, weil du dir sorgen machst:

„Was werden anderen darüber denken?“

Viel zu oft lässt uns dieser Gedanke ein Sklave unserer eigenen Angst werden und hindert uns daran uns zu uns selbst zu führen und zu entfalten.

Aus dem selbst gemachten Erfahrungen, kann ich durch Beobachtungen und logischem Denken mit gutem gewissen Sagen:

Der aller größte Teil der Menschen, welche deine Fotografien sehen werden, würde wesentlich lieber sterben, als auch nur eine einzige Sekunde selbstständig zu denken.

Der mit Abstand größte Teil ist stumpfsinnig erlerntes und reflexartiges Abspulen von fest angelegten Verhaltensmustern. Selbsterfassendes Denken sieht völlig anders aus und folgt auch anderen Mustern.

Die traurige Wahrheit ist:

Wir sind alle schräge Vögel

Wenn wir uns selbst vorm Spiegel ansehen, dann realisieren wir, dass wir unperfekt, ein wenig komisch und seltsam sind. Gerne verdrängen wir, dass es genau diese vielen kleinen Unzulänglichkeiten sind, welche uns zu einem einzigartigen und wertvollen Menschen gedeihen lassen. Jeder von uns hat eine eigene divergierende Meinung, wir machen uns unsere ganz privaten Gedanken und begeistern uns für verrückte Ideen. Aber am liebsten hätten wir es, wenn wir in einer grauen Masse der Gleichförmigkeit verschwinden, damit wir nicht weiter auffallen und einfach so akzeptiert werden, wie wir sind. Dies funktioniert aber nur, wenn wir unsere Gesellschaft bis ins letzte Detail konformieren.

Glücklicherweise stellst du gerade fest, dass du keiner dieser dummen Bergtrolle bist, der von seinem Horizont her, mehr als nur „Katapult ziehen“ für Mordors Truppen im Sinn hat.

NEIN! Du hast mehr drauf!

  • Du hast keine Angst davor, was andere von dir denken könnten.
    Du hast verstanden, dass viele gar nicht in der Lage sind, größere Aufgaben zu erledigen, als „den Katapult“ stumpfsinnig zu ziehen.
  • Du nimmst dich selber nicht so ernst und hinterfragst dein eigenes Wissen.
    Auf diese Weise bist du ein geselliger und aus haltbarer Mensch, dem es Spaß macht neue Dinge zu erlernen und zu erfahren.

Ich selber nutze eine Technik der Stoa, um eventuelle Kritiken vorherzusagen.

Ich versuche die zu erwartende Kritik vorherzusagen und verteidige mich aus diesem Grund nicht mehr. Ich arbeite mittlerweile sogar mit einem kleinen Zettel und setzte meine Hacken und freue mich, wenn ich in meiner Vorhersage richtig liege. Die bestmögliche Art sich zu verteidigen ist sich gar nicht verteidigen zu müssen. Wenn man dann noch Hinweise liefern kann, was noch mehr Kritik ans Tageslicht fördert. Dann hat der Kritiker einen wundervollen Tag und fühlt sich bestätigt in seiner Funktion. Ich selber habe mich geübt im Berechnen von Kritiken.

Meine derzeitige favorisierte Antwort auf wirklich harte Kritik ist:

„Ja, der Herr Rausch ist schon ein völlig verrückter Typ und natürlich hat er keine Ahnung von dem, was er da macht!“

Diese Antwort ermöglicht es mir, mich im vollem Umfang beschreiben zu können, ohne auch nur eine einzige Kante für die Kritik übrig zulassen.

Viele meiner Fotografen-Kollegen lassen sich lieber durch den Perfektionismus lähmen.

Es ist einer der schlimmsten Krankheiten unserer Gesellschaft „der Perfektionismus“. Nicht wenige Menschen leiden an Depressionen, weil sie getrieben werden von dem Gedanken gerade IHR Leben vom heiligen Perfektionismus durchdrungen sein müsste.

Meine Beobachtungen zeigen:
Diese Menschen sind ganz große Versager. Denn sie halten sich-selbst-auf, aus Angst etwas zu produzieren, dass nicht perfekt ist.

Ich möchte den Perfektionismus nicht verteufeln, schließlich ist diese Eigenschaft bei einer Herztransplantation sehr nützlich, für den Arzt und den Patienten.

Aber geht es in der Fotografie um Herztransplantationen oder Neurochirurgie?

Sind wir hoch spezialisierte Ärzte und halten das Herz des Patienten direkt in unserer Hand und der kleinste Fehler könnte den Tod für unseren Patienten bedeuten oder sind wir einfach nur Fotografen?

Das Dilemma der Kreativen

Wir Kreative stehen deshalb vor einem merkwürdigen Dilemma. Einerseits sollen wir als Kreative unser Verständnis der Welt in einem „Kunst“- Werk ausdrücken, aber bitte nur ohne das egoistische und egozentrische Ziel von der Kreativität leben zu wollen. Wir Kreativen sollen veröffentlichen und produzieren, damit die Gesellschaft an den Werken einen Nutzen hat und diesen Nutzen konsumieren kann. In den vielen Fällen ist der einzige Nutzen in der Gesellschaft einfach nur die Schaffung einer Möglichkeit zum Verfassen einer Kritik, damit eine anonyme Person ein besseren Selbstwert bekommt.

Eine Beobachtung, welche ich in diesem Zusammenhang gemacht habe, ist:

Nicht wenige Menschen verlieren ihre Beherrschung, wenn sie bemerken, dass sie keinen Einfluss auf den kreativ Schaffenden ausüben können.

Es wird gerne übersehen, dass ich meiner Kreativität zum Ausdruck verhelfe, durch meine Fotografie, dann finanziere ich dies durch meine eigenen Mittel. Dies hat zur Folge, dass ich lieber selbst finanzierte Fotografie betreibe, als mich einen halben bis ganzen Tag für eine Hochzeit zu interessieren, von der ich wegen der üppigen und eher als Almosen verstandene Bezahlung nicht Leben kann.

Dies befördert mich in die günstige Situation, dass ich von „Aufträgen“ in keinster Weise abhängig bin und gar nicht auf unterbezahlte Arbeiten angewiesen bin. Das Mitspracherecht verwirkt sich somit, bis es einen für mich einen echten Anreiz gibt, einer anderen Person zumindest zuhören zu wollen oder deren Wünsche zu erfüllen.


Philosophisch betrachtet …… keiner von uns ist perfekt und frei von Fehlern.

Daher ist es für mich völlig in Ordnung Fotografien zu veröffentlichen, die nicht frei von Fehlern sind. Der Grund des Produzierens von Fotografie in unserer Gesellschaft ist das Erzeugen einer Kritik. Niemand würde eine Fotografie produzieren wollen, die nicht nach Verbesserungen und Kritiken fragt. Diese Einsicht macht es möglich sein eigenes Verhalten zu korrigieren. Es ermöglicht uns nämlich eine nähere Beschäftigung mit unserem Verständnis von Ästhetik und der Suche: „Was im Leben schön ist?“

Als Fotograf vertrittst du eine Position?

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass du eine ganz persönliche Sichtweise auf deine Umgebung hast, du wirst dein eigenes Verständnis von Politik entwickelt haben und auch in Fragen der Wirtschaft wirst du deine eigene Meinung gebildet haben. In der Fotografie geht es nicht darum sich zu verstecken, sondern es geht darum, dass du dich zeigst und deine Positionen veranschaulichst. Es geht darum, dass du Meinungen erzeugst, Kritiken erzeugen sich von ganz allein. Ich habe seiner Zeit die Fotoserie vom „Schweriner Po“ gemacht, da ich davon überzeugt bin, dass erstens die Frau der hübschere Teil der Menschheit ist und das es wirklich verabscheuungswürdige Fotografien (z. B. von Enthauptungen)  im Internet existieren. Und auch hier ist die Fotografie eines bekleideten weiblichen Hinterteils moralisch minderwertiger als „live“ Bombenangriffe auf Zivilisten in einer Stadt. Mir persönlich ging es um das Aufdecken dieser Doppelmoral.

Mir ging es um das Zeigen und Dokumentieren von wirklichen Meinungen darüber was Menschen denken, wenn sie solche Dinge wie ein eng bekleidetes weibliches Hinterteil auf der Straße sehen. Die Menschen reagierten und entluden ihre Sichtweisen seiner Zeit auf meiner Facebook-Seite. Es ging mir persönlich darum, meiner Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Mir ging es nicht darum eine Position oder eine Perspektive zu zeigen, welche in die Weltanschauung aller passt. Mir ging es darum meine Sichtweise von sehr schönen Damen zu zeigen, die wirklich ansehnliche Attribute auf der Straße zeigen und sich selbst dadurch „schön“ fühlen. Irgendwann während meines Studiums zur Fotografie hörte ich auf Fotografien zu produzieren, welche Gefallen erzeugen sollten. Mir ist es mittlerweile völlig egal, ob jemand meine Fotografien mag oder nicht, denn ich verspüre absolut keinen Unterschied zwischen diesen gegensätzlichen Positionen. Das eine erzeugt einen „Like“ während das andere eine vorhersehbare Kritik erzeugt. Keine der beiden Positionen bringt mich als Mensch, Philosoph und Fotograf wirklich weiter. Ich richtete diesen Blog ein, um besser trennen zu können zwischen den Menschen, welche mich wirklich mögen und mich unterstützen und den Menschen welche mich, aus welchem Grund auch immer hassen.

Allerdings ermöglicht es mir eine wirklich brutale Ehrlichkeit gegenüber mir selbst und allen anderen um mich herum.

Die Fotografie nicht in der Lage ist, diese Welt zu verändern. Sie ermöglicht auch nicht mehr Mitgefühl und Empathie. Sie zeigt nur die abscheuliche Wahrheit unserer Doppelmoral und dokumentiert die absolute Ausbeutung des Menschen um jeden Preis. Dies macht die Fotografie zu einer der mächtigen Waffen der Sozialkritik.

Gruß Herr Rausch

Für den Kaffee

Auch "Fotografen-Diesel" genannt

€1,00

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