Leidenschaft und Originalität

Liebe Freunde der schöneren Fotografie,

in der Fotografie ging es noch nie darum, möglichst originell oder einzigartig zu sein.

Das worum es in der Fotografie geht ist:

  • Den Interessen zu folgen, welche einem selbst Freude bereiten.
  • Das zu tun oder zu lassen, was wir lieben.
  • Genau das zu tun, was uns motiviert, erweitert und inspiriert.

Zu viel Fokus auf Originalität ist schlecht! Warum?

Der Fokus möglichst originell und einzigartig zu sein führt unweigerlich zu Konventionen. Konventionen führen zur Disziplin. Disziplin tötet zuverlässig jegliche Leidenschaft. Am Ende verlierst du deine Leidenschaft, welche dich einzigartig machte.

Natürlich, ist es nicht schlecht, sich MAL mit einigen Regeln anderer Fotografen zu beschäftigen. Schließlich ist es auch nicht schlecht, das Kochrezept der Oma etwas zu variieren. Die erwähnten Regeln und Rezepte sind jedoch keine bleiernen Gesetze irgendeiner göttlichen Gewalt, dessen Existenz sehr fragwürdig ist. Entscheidend ist dein persönlicher Umgang, deine Annäherung an diese Regeln, Gebote und Rezepte.

Ich selbst verstehe fotografische Regeln höchstens als „Koch-Tip“, als mögliche Variation von vielen, aber sie sind keine gesetzliche Vorgabe. Wir Fotografen können die Ingredienzien, die Zubereitung und das fotografische Kochrezept variieren. Es setzt allerdings voraus, dass du genug Wissen über das Zubereiten von Fotografien hast. Es bleibt dir ganzallein und frei überlassen, ob du Fast-Food, etwas Scharfes, etwas Unbekanntes, etwas Interessantes oder etwas Langweiliges zubereitest. Du kannst auch bei der guten alten Hausmannskost bleiben.

Genau hier liegt einer der wesentlichen Punkte, welche uns Fotografen voneinander unterscheiden. Es ist unser individueller Umgang mit Rezepten, Regeln, Geboten und Disziplinen. Es ist die individuelle Herangehensweise an die Fotografie, welche uns voneinander unterscheidet. Der Eine möchte fotografieren, weil er nichts weiter als etwas fotografieren möchte und der Andere möchte mit seiner Fotografie die Fotografie zelebrieren. Du kannst ein Gericht zubereiten, weil das Essen, für dich nichts weiter als die Aufnahme von Nahrung bedeutet. Du kannst die Kochkunst auch zelebrieren, kulinarische Kostbarkeiten zaubern und über dich hinauswachsen, weil dir das Kochen selbst mehr als nur Nahrungsaufnahme bedeutet. Beim Kochen und beim Fotografieren gilt jedoch, dass die falsche Auswahl der Gäste, dir all deine Mühen vereiteln kann.

Nichts auf dieser Welt ist einfacher als einzigartig oder originell zu sein

Insgesamt gesehen existiert nichts Einfacheres als besonders einzigartig oder originell bezeichnet zu werden. Alles, was wir dafür tun müssen ist, etwas zu erschaffen. Du wirst schnell an Regeln und Disziplinen, Gebote und Verbote erinnert werden. Von einigen wirst du als besonders kreativer, einzigartiger Fotograf oder Koch gefeiert, während du zeitglich von anderen als besonders einzigartiger und verabscheuungswürdiger Fotograf und Koch kritisierst wirst. Der mit großem Abstand leichteste Weg sich als besonders einzigartig und originell zu präsentieren ist, die Formulierung einer möglichst harten, erbarmungslosen und vernichtenden Kritik. Das wars. Viele der sogenannten Kritiker vergisst, dass ein Kritiker absolut nichts mehr kann, als etwas so richtig „Scheiße“ zu finden. Aber was muss der Kritiker selbst beherrschen, damit er etwas als „Scheiße“ erkennt?

Einzigartige Arschlöcher

Genau im Moment der Formulierung der besonders harten und harschen Kritik mutiert der besondere Kritiker zu einem einzigartigen Arschloch, um seiner Originalität wegen. Ist dies jedoch der richtige Weg, um als Kritiker Freude, Leidenschaft und Inspiration zu verbreiten. Hierfür benötigt man als besonderer Kritiker jedoch selbst genug Expertise, Wissen und Erfahrung, welche nachweislich in keiner Weise vorliegt, denn der besondere Kritiker selbst, kann nicht hervorbringen, was seinen eigenen Standards auch nur annähernd entspricht.

Der toxische Mensch

Die Gründe für solch ein Verhalten finden wir im schwachen und unterentwickelten Selbstbewusstsein, in mangelnder Toleranz, unbewussten und unterschwelligen Ängsten und Befürchtungen und im ständigen Vergleich mit anderen. Viele sind wie getrieben von der großen Angst, dass eine andere Person ein etwas größeres Stück vom Kuchen am Tisch erhält als man selbst. Wir erkennen sie in diesem Augenblicke sehr schnell an ihren dramatisierenden und theatralischen Übertreibungen.

Wenn das einzigartige Arschloch tatsächlich eine so tolle und große Nummer wäre und nicht nur von der eigenen besonderen Kompetenz sprechen würde, wenn das einzigartige Arschloch sich nicht ständig auf unbewiesene aber angeborene „Talente“ berufen würde, dann müsste das einzigartige Arschloch tatsächlich in der Lage sein, selbst etwas beizutragen und dabei inspirierend, erweiternd und ermunternd wirken. Dann, nur dann, wird niemand etwas dagegen haben, wenn auch er etwas vom „Kuchen des Erfolges“ abbekommt.

Das Verfolgen der Leidenschaft

Nur wenn du deiner Leidenschaft der Fotografie folgst und nichts weiter als für dich allein Freude, Spaß, Unterhaltung und Zuversicht erwartest, nur dann ist dir das Stück vom „Kuchen des Erfolges“ herzlich egal. Du bist weder erpressbar noch manipulierbar und kontrollierbar. Dem leidenschaftlichen Fotografen ist es relativ Schnupps, ob er einzigartig, originell oder erfolgreich ist. Denn er beschäftigt sich mit einer Sache, welche ihn mehr als erfüllt. Genau das ist es, was einzigartige Arschlöcher nicht wünschen, dulden und verstehen können.

Herr Rausch Fotografie

Interessierst du dich überhaupt für die Fotografie?

Brennst du für die Fotografie? Liebst du die Fotografie?

Vor vielen Monaten wurde in den Zeitungen und in der Öffentlichkeit diskutiert, ob es sinnvoll sei den Meisterzwang für Fotografen wieder einzuführen. Selbstverständlich wurde ich gefragt, wie ich dazu stehe und was ich dann machen würde. Ich grinste nur.

Mir ging durch den Kopf, ich fotografiere seit 1994. Wenn ich die Fotografie nicht gehabt hätte, hätte mich 2013 eine schwere Depression von der Oberfläche dieses Planeten gefegt. Ich studierte die Fotografie und beendete damit meine Depression. Ich sah und sehe bis heute kein Problem oder gar eine unüberwindbare Herausforderung darin, dann noch eine Meisterprüfung als Fotograf mit erfolgreichem Abschluss zu erlangen. Denn in Vorbereitungszeit für diese Meisterprüfung beschäftige ich mich mit der Fotografie und vielen weiteren Dingen, welche der Fotografie zuträglich sind, um nach erfolgreicher Prüfung weiter fotografieren zu dürfen. Ich sehe für keine Herausforderung, keine Probleme darin mein Wissen, meine Expertise und mein Können zu erweitern.

Es ist nur natürlich, dass die Leidenschaft für die Fotografie unterschiedliche Ausprägungen und Motivationen besitzt. Dies ist völlig in Ordnung und auch gut so.

Mir persönlich ist es völlig egal, ob andere Fotografen eine andere, größere oder bessere Leidenschaft für die Fotografie besitzen, wie ich selbst.

Allerdings lasse ich mir von Fotografen mit geringer Leidenschaft, geringer Expertise, geringem Interesse und brüchigem Selbstbewusstsein keinerlei Vorschriften machen, damit sie sich selbst in ihrer Agonie und Apathie etwas wohlerfühlen.

Von mir aus kann der Meisterzwang gerne kommen.

Persönliche Faktoren der Fotografie

Fotografie und Leidenschaft

Bedeutet für mich:

  • Macht es dir Spaß oder nicht?
  • Erlerne ich etwas Neues?
  • Was kann ich erforschen, entdecken oder untersuchen?
  • Was bin ich bereit zu riskieren oder zu versuchen, damit ich weiterhin fotografieren kann?

Die Leidenschaft ist für mich persönlich deshalb so interessant, da sie komplett selbst bestimmt ist. Es ist die Leidenschaft, welche für meine Motivation sorgt. Ich mache weiter, weil es mir guttut, weil es mich entspannt, weil es mich erweitert, entwickelt, mich interessiert und unglaublich bereichert.

Ich fotografiere nicht, um irgendwelchen unbekannten virtuellen Freunden zu gefallen. Ich fotografiere einzig und allein, um mir selbst zugefallen, dies ist schwierig genug. Die Fotografie wird (für mich persönlich) mehr und mehr zum Beweis meiner Leidenschaft zur Fotografie. Dabei ist mir bewusst, dass ich mir nicht nur „Freunde“ mache. Nicht wenige in meinem sozialen Umfeld würden es lieber sehen, dass ich aufhöre, verschwinde oder schweige, über meine Freude an der Fotografie, meiner Freude am Leben und meiner persönlichen Freiheit.

Antagonisten der Freiheit, der Liebe und des Lebens

Sie nehmen sich selbst, ihre Regeln, Gebote, Dekrete und Verbote viel zu ernst und wichtig, sodass sie zu echten Arschlöchern mutieren und eine Belastung für sich und ihre Umwelt werden. Diese Menschen ertragen es nicht mal leidenschaftlich spielende Kinder zu sehen oder zu hören und rufen sofort zu Ordnung und Disziplin. Mit ihrer Art erdrücken sie alles Lebendige und Leidenschaftliche. Glücklicherweise fotografiere ich nicht für diese Zielgruppe.

Wer will das schon?

Gruß Herr Rausch