Lohnt sich die Fotografie?

Ausgehend vom Gedanken das sich dein Leben in folgenden Punkten nicht groß von meinem Leben unterscheidet:

  • Wir leben in Europa.
  • Wir üben einen Tätigkeit aus, welche uns ein Einkommen ermöglicht.
  • Wir haben ein Gesundheitssystem.
  • Wir leben in einer Demokratie.
  • Wir haben ein Schulsystem.
  • Wir haben ein stattliches Sozialsystem.

Kurz uns geht es als Bundesbürger im Durchschnitt in etwa gleich gut-/schlecht.
Uns mangelt es an nichts, alle Produkte des täglichen Lebens stehen uns in nicht realisierbarem Ausmaß zur Verfügung. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir Opfer von Hunger, Krieg, Seuchen, Krankheit oder Trinkwasserknappheit werden. Wir leben in einem Rechtsstaat mit Gewaltenteilung und eine Diktatur wird von der Mehrheit abgelehnt. Die Freiheit des Individuums ermöglichte, dass wir alle Fotografen sein können, dies wurde durch die Digitalisierung sogar beschleunigt.

Polaroid SNAP

Wir leben in einer nie vorher gekannten persönlichen Freiheit!

Das genaue Betrachten der Fotografien im Internet und sozialen Netzwerken lässt den Rückschluss zu, dass unser aller Leben mindestens genauso langweilig ist, wie das Eigene. Die unverkennbare Ähnlichkeit der Motive sind die Folgen einer Konsensgesellschaft, die auf größtmögliche Homogenität setzt. Alles was wir tun, ist darauf ausgerichtet, möglichst nicht negativ aufzufallen, denn wir werden in diesem Falle umgehend aus dem System ausgeschlossen, ohne eine Möglichkeit zurückzukehren.

Wir sind also gezwungen ähnliche Fotografien zu produzieren, um gleichgütiges Wohlgefallen auszulösen und um nicht negativ aufzufallen.

Es drängt sich die Frage auf:

Lohnt es sich überhaupt noch zu fotografieren?

Ich kann dich beruhigen, das Fotografieren lohnt sich immer.

Es ist nämlich völlig irrelevant, ob dein Leben aufregend, spannend, prächtig, reich, abenteuerlich oder einfach nur sterbenslangweilig ist. Die Fotografie funktioniert nämlich auf eine andere Art und Weise.

Warum ist dies so?

Dinge, Sachverhalte, Personen, Ereignisse, Gruppen, Landschaften und Produkte mögen für dich individuell spannend, aufregend und nützlich sein, für andere Betrachter sind sie mit absoluter Sicherheit etwas völlig anderes.

Eine Fotografie von dir ist eine Hinterlassenschaft deines Lebens auf dieser Welt

Sie macht DICH sichtbar.

Vivian Maier hatte es genauso beabsichtigt, hierbei ist es völlig gleichgültig, mit welchem Kamerasystem du fotografierst. Dies gefällt logischer Weise nicht jedem Menschen und ist Abhängigkeit zum Verständnis von „Freiheit“ deines Gegenübers zu sehen.

Was zählt ist das Foto!

Sehr viel wichtiger als das Kamerasystem, der Workflow und die Bearbeitung ist die Existenz deiner Fotografie auf dieser Welt. Sie gibt uns wichtige Informationen, über deine Interessen, deinen Fokus und deine Sichtweise auf dein Leben und deiner Mitwelt.

Fotograf sein bedeutet aufmerksam sein!

Er dokumentiert hauptsächlich seine eigene persönliche und individuelle Sichtweise auf das Leben dieser Welt. Beobachten allein reicht hier nicht aus. Ein Fotograf wählt aus dem ständigen Zeitstrom einen „besonderen“ Augenblick und betätigt den Auslöser. Die Mehrheit wird anschließend seine Bilder im Internet teilen und verbreiten.

Eine Fotografie ist erst dann eine Fotografie, wenn sie von anderen Menschen, als solche betrachtet wird.

Die Mehrheit der Betrachter erkennt jedoch nicht die Fotografie, sondern das Ereignis, die Person, den Sachverhalt, die Landschaft usw. und bringt sich in eine persönliche Position zum Gesehenem und nicht zur Fotografie. Hierbei entstehen einige Schwierigkeiten aufgrund unserer Konsensgesellschaft und den daraus resultierenden Dispositiven.

Eine Fotografie ist wertlos, wenn sie keiner sehen will!

Eine Fotografie ist wertvoll, wenn sie keiner sehen soll!

Was ist eine Fotografie, die keiner sehen kann?

Meine ganz persönliche philosophische Antwort hierzu:

Der Sinn einer Fotografie ist die Betrachtung durch einen Menschen. Eine Fotografie analysiert jeden Menschen, der mit ihr in Kontakt kommt, sie stellt jeden Beteiligten geistig bloß, denn wir erhalten immer eine Meinung als Rückmeldung.

Wir haben zwei Optionen

Entweder:

  • Du fotografierst genau denselben langweiligen Kram, wie alle anderen Fotografen auch. Damit verzichtest du darauf „besonders“ zu sein und gehst unter in der grauen Masse von homogenen Fotografien. Hiermit verlierst du auch ein Anrecht deine Meinung als „besonders“ einzustufen, denn sie unterscheidet sich in keiner Weise von dem Durchschnitt.

oder

  • Du fotografierst kompromisslos nur noch, was dich allein glücklich macht!


Du fokussierst dein Leben auf die schönen Momente und versuchst diese zu konservieren.

Nachteile:

Man wird dich angreifen, kompromittieren, diffamieren, und ausgrenzen. Menschen reagieren eher ablehnend auf „neues“ und „unbekanntes“, vor allem reagieren sie stark zweifelnd auf „Zufriedenheit“. Es werden versuche unternommen, dich wieder in die Konsensgesellschaft zu integrieren, die eine eigene „Unzufriedenheit“ voraussetzt. Der Zustand der Zufriedenheit macht dich nämlich zu einem „besonderen“ Menschen, hierfür wird man dir sämtliche Berechtigungen ansprechen. Deine Zufriedenheit wird in ihrer Freiheit eingeschränkt, um sich innerhalb von fremdbestimmten Grenzen frei und zufrieden zu bewegen.

Mein Tipp:

Je entschlossener du dich mit dem Schönen in deinem Leben, in dieser Welt beschäftigst, desto erfüllter, glücklicher, zufriedener und unabhängiger wirst du als Fotograf sein!

Wenn du etwas schönes siehst, dann fotografiere es einfach. Aber teile es nicht mit jedem „Hans und Franz“ via Internet. Behalte dir das Recht vor selbst zu bestimmen, wer, wann und unter welchen Umständen wir deine Fotografien zu sehen bekommen.

Lege einfach los und erfreue dich am Leben!

Gruß Herr Rausch

Für den Kaffee

Auch "Fotografen-Diesel" genannt

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