Es geht um deinen Geschmack

Liebe Freunde der schöneren Fotografie,

heute geht es darum, was unser persönlicher Geschmack zu vollbringen vermag. Unser persönlicher Geschmack beeinflusst unseren künstlerischen Geschmack, er beeinflusst unseren Geschmack im Bezug unserer Ernährung, er beeinflusst das was wir lesen und wie wir es lesen. Unser persönlicher Geschmack bestimmt darüber, welche Musik wir mögen, er zeigt uns genau an was wir als schön und hässlich empfinden. Es ist unser persönlicher Geschmack, der uns in unsere Entscheidungen beeinflusst, wie wir uns gegenüber den Dingen dieser Welt positionieren.

Kurz:

Unser persönlicher Geschmack beeinflusst alles in unserem Leben.

Existiert eine Hierarchie des Geschmacks?

Nicht zu selten ist es so, dass wir auf Menschen treffen, welchen ihren persönlichen Geschmack, über den seiner Mitmenschen stellen. Es ist leicht zu erkennen, dass sie ihre Mitmenschen gerne in ihrem Geschmack abwerten, um ihren persönlichen Geschmack damit zu „legitimieren“. Als Beispiel nenne ich an dieser Stelle: „Wein-Kenner“ oder „Wein-Snobs“. Nicht selten ist es so, dass diese „Kenner“ gerne versuchen, ihren Geschmack anderen Menschen aufzuzwingen. Ein echter und eingefleischter „Wein-Kenner“ sieht es als eine Aufgabe seine Mitmenschen daran zu hindern, dass sie Rotwein zum Fisch trinken. Dies tun sie selbst dann, wenn sie selbst den Rotwein gar nicht trinken, sondern eine andere Person am Tisch. Nicht zu selten ist es so, dass der „Wein-Kenner“ den Genuss am Rotwein und dem gemeinschaftlichen Beisammensein so kompromittieren, dass der ganze Abend ein Desaster wird. Gerne nimmt dann der „Wein-Kenner“ die Opferrolle ein und schiebt die Schuld auf sein Gegenüber.

Die Hüter des Geschmacks

Wir finden sogenannte „Geschmackshüter“ in allen Bereichen des Lebens, bei Gamern, Leseratten, Autoliebhabern, Modebewussten, Life-Style-Spezialisten und auch bei Fotografen. Die Hüter des Geschmacks schaffen es ohne große Mühe deinen eigenen Geschmack in Frage zu stellen, um dir ungefragt, unerbeten und unerwünscht ihren „exklusiven“ und überaus „exquisiten“ Geschmack förmlich aufzuzwingen. Dies betreiben sie in einer überaus penetranten und widerlichen Weise, dass wir anschließend selbst gar keine Lust mehr auf Genuss haben. Wir legen das Buch weg, kippen den Wein weg, machen die Musik aus, usw. Diese selbst ernannten Hüter des Geschmacks neigen nicht zu selten dazu, den angeblich „geschmacklosen“ in möglichst jeder Hinsicht abzuwerten oder zu entwerten. Hierfür nutzen sie eine lange und imaginäre Liste von willkürlichen und dummen Regeln. Hierbei übersieht der Hüter des Geschmacks, dass er diese Liste zwingend benötigt, um sich selbst eine selbsterfundene „Expertise“ zu geben und sich damit zu legitimieren.

Ist ja schön, das sie fotografieren! Aber ich helfe ihnen. Die Frage ist nur: „Tun sie es? Oder soll ich…?“

Es existiert kein „richtiger“ oder „falsche“ Geschmack

Es existiert einzig und allein Geschmack. Es ist absoluter Blödsinn, wenn dir jemand vorwirft, dass etwas geschmacklos sei. Als aller erstes muss es einzig und allein deinem Geschmack entsprechen. Die Entscheidung darüber, ob man seinem eigenen Geschmack folgt oder nicht, gibt auch klar und unmissverständliche Informationen über die Autonomie einer Person. Der Geschmack unterliegt einzig und allein der eigenen freien Entscheidung. Er entscheidet im Nachhinein, ob dir dein Geschmack bekommt oder nicht.

Das Wissen um den eigenen Geschmack

Es ist sehr interessant zu beobachten, dass jeder von uns genau weiß, was seinem Geschmack entspricht. Wir wissen meist nicht, weshalb dies so ist. Wir wissen es einfach. Wir wissen, welche Bekleidung wir tragen möchten. Wir wissen, wie wir leben möchten. Wir wissen, was wir essen möchten. Wir wissen, mit welchen Freunden wir uns treffen möchten. Wir wissen, welche Bücher wir lesen möchten. Wir wissen, was unsere Lieblingsfarbe ist. Wir wissen, welche Musik wir gerne hören.

Weshalb versagt all das Wissen, bei der Fotografie? Weshalb sind sehr viele Fotografen davon abhängig, sich ihren Geschmack durch andere legitimieren zu lassen? Weshalb sollen und dürfen wir uns gerade in der Fotografie nicht am eigenen Geschmack orientieren?

Wir wissen doch sonst auch, was unserem Geschmack entspricht.

Mein Tipp:

Du fotografierst was du magst. Ich fotografiere was ich mag. Anschließend unterhalten wir uns über die geschmacklichen Unterschiede.

Leider ist dies nicht ganz so einfach, wie es aussieht.

Geschmacksache und Ideologie

Wenn wir uns unseren eigenen Geschmack wertfrei ansehen und untersuchen, dann übersehen wir leichtfertig, dass unser persönlicher Geschmack sehr fest verbunden ist mit unseren eigenen Ideologien und Lebensphilosophien. Damit meine ich, dass unser persönlicher Geschmack sehr viel mehr mit unserem eigenen Glauben an den „richtigen, guten und einzig“ wahren Geschmack zu tun hat, als wir uns selbst eingestehen. Denn es ist unser persönlicher Glaube an das Richtige, Gute und Wahre, der auf unserer individuellen Sicht- und Denkweise auf die Welt und über die Welt entspringt. Somit ist der eigene Geschmack und die damit verbundene Geschmacksache eine Ideologie und steht den Ideologien der Religion, der Politik und dem Leben in nichts nach.

Dein Geschmack und deine Persönlichkeit

Dein Geschmack sagt sehr viel mehr über deine Persönlichkeit aus, als dir offensichtlich bewusst ist.
Du kannst dieser Tatsache in keiner Weise entkommen. Selbst wenn du behauptest, dass du keinen Geschmack hast, letztlich bist du immer was deinem persönlichen Geschmack entspricht. Du fotografierst, du schreibst, du lebst und du interagierst mit deiner Umwelt grundsätzlich gemäß deinem Geschmack. Alles, wirklich alles entspricht deinem Geschmack, selbst wenn du abstreitest einen zu haben.

Menschen handeln in Abhängigkeit zu ihrem Geschmack

  • Wenn es nicht deinem Geschmack entspricht, sich für Kunst, Literatur, ästhetischer Wahrnehmung oder Poesie zu interessieren, dann wird die Wertschätzung dessen eher gering ausfallen.
  • Wenn es nicht deinem Geschmack entspricht, einen Menschen und seine Arbeit würdevoll wertzuschätzen, dann bist du dazu geneigt gemäß deinem Geschmack zu handeln und die Arbeiten anderer als wertlos oder nicht wertvoll genug zu betiteln.
  • Wenn es deinem Geschmack entspricht, sich nicht an Benimm-Regeln oder Regeln des Anstandes zu halten, dann wirst du dementsprechend handeln.
Polaroid SNAP

Das Beste am Geschmack

Nichts auf dieser Welt ändert sich so beständig wie der eigene Geschmack.

Wer mag als Erwachsener noch die Muttermilch seiner Mutter trinken? Obwohl es für den allergrößten Teil der Menschheit eine Zeit gab, da mochten wir gerade diese Milch sehr gerne.

Wir können auch andere Veränderungen des Geschmacks an uns selbst beobachten. Sehr leicht ist es beim Lesen nachzuvollziehen. Unser Lesegeschmack begann bei Kinderbüchern, änderte sich mit Hilfe der Schulfibel zum Jugendbuch und zum Comic. Im laufe der Jahre entwickelt sich unser Geschmack dann zu Romanen und Sachliteratur.

Dieser Entwicklung kann höchsten stehen bleiben oder sich verzögern. Sie ist jedoch nicht rückgängig zu machen oder aufzuhalten. Eine Entgegengesetzte Entwicklung ist gar nicht möglich.

Der Geschmack eines Menschen legt den „Geist“ eines Menschen offensichtbar frei. Es existieren Menschen, welche verhindern wollen, dass sich der Geschmack verändert. Sie wünschen, dass alles so bleibt wie es ist. Es existieren Menschen, welche vehement fordern, dass sich der Geschmack schnellst möglich zurück entwickeln sollte, damit die Welt sich ihrem Geschmack nach gut anfühlt. Und es existieren Menschen, welche ständig auf der Suche sind, um ihrem Geschmack zu erweitern, zu trainieren und zu schulen.

Dein Geschmack ändert sich

Deshalb solltest du sich aktiv darum kümmern, dass du ihn gezielt veränderst. Eine gezielte Entwicklung deines Geschmacks entspricht automatisch einer gezielten Entwicklung deiner Persönlichkeit. Es ist gar nicht schlimm, sich selbst und seinen Geschmack zu schulen, zu trainieren und weiterzuentwickeln. Es bedeutet eine persönliche Weiterentwicklung und ständig neue, sowie unbekannte Geschmackserlebnisse.

Mein Ratschlag für dich

Hilf anderen Menschen, bei der Zubereitung ihrer Suppe des Lebens. Würze und verfeinre sie, jedoch solltest du peinlich gut darauf achten, dass du nicht in die Suppe eines anderen Menschen spuckst oder diese versalzt.

Liebe Grüße Herr Rausch