Bemühe dich nicht „gute“ Fotos zu machen!

Was ist ein gutes Foto? Eins das dir selbst gefällt oder eins das von anderen gemocht wird?

Liebe Freunde der schöneren Fotografie,

falls ihr in einem kreativen Loch feststecken solltet. Ist es ratsam, erstmal Fotografien zu machen, welche einem ganz allein gut gefallen und sonst keinem anderen.

Die traurige Wahrheit


Anderen Menschen ist es herzlich egal, ob du überhaupt fotografierst. Falls du tatsächlich fotografieren solltest, dann bitte immer nur so, dass es anderen gefällt. Sonst wird dein Umfeld sehr schnell dafür Sorge tragen, dass du die Lust am Fotografieren schnell verlierst.

Falls du als Fotograf, tatsächlich so wahnsinnig sein solltest grundsätzlich so zu fotografieren, dass es anderen gefällt, dann löst sich über kurz oder lang deine Persönlichkeit in Luft auf. Deine Persönlichkeit wird erodiert, untergraben und ausgespült, da sich deine Persönlichkeit ständig und wiederholend den übertriebenen und unerhörten Erwartungen anderer Menschen aussetzt und unterwirft. Mit diesem Verhalten ziehst du förmlich Menschen mit parasitären Verhaltensweisen in dein Leben. Du lässt dich gnadenlos ausnutzen und benutzen. Diesen Menschen ist es völlig egal, ob du für dich „gute“ oder „schlechte“ Fotos machst, es soll schließlich ihnen gefallen. Deswegen sollst du genau das Fotografieren, was sie sich wünschen, damit du ihnen bei irgendetwas behilflich bist. Sollte ihr Vorhaben auf Grund deiner Fotos scheitern, dann bist du natürlich Schuld und man wird dich fallen lassen. Vorher werden dir diese Menschen versprechen, dass du und auch deine Fotografien (Versprochen! Großes Indianer-Ehrenwort!) zum Zuge kommen. Dies ist jedoch erstmöglich, wenn dein parasitärer Mensch seine Ziele mit deinen Fotografien erreicht hat. Bis dahin solltest du dann bitte auch noch mit deinem Wertschätzungsgequatsche oder mit Forderungen irgendeiner Gegenleistung warten. Dummerweise wird der versprochene Erfolg des parasitären Menschen niemals eintreten.

Der Ausweg

Versuche gar nicht erst Fotografien zu machen, welche anderen Menschen gefallen könnten.

Es ist schwer genug Fotografien zu machen, welche einem selbst gefallen.

Ich gebe dir inständig, fast flehend den Rat:

  1. Fotografiere ausschließlich das, was dir allein gefällt.
  2. Fotografiere ausschließlich das, was deine Seele nährt.

Es wird ein wenig Unruhe in dein Leben bringen. Menschen werden sich empören und von dir abwenden.

Es ist Tatsache:

Des einen Freud, ist des anderen Leid.

Erkläre mir den Grund, weshalb immer nur du allein leiden sollst?

Das Problem liegt in den Konsumgesellschaften

Das große Problem der Konsumgesellschaft liegt in ihrem neurotischen Zwang etwas zu konsumieren. Alles muss und soll auf irgendeiner Weise leicht zu konsumieren sein, sonst wird es schnell als nutzlos deklariert.

Dieser Tatsache erlag die zeitgenössische Fotografie und machte sie zu einem digitalisierten, beliebig austauschbaren Massenprodukt im Internet. Als Fotograf fütterst du soziale Netzwerke mit Informationen und Fotografien, damit die Besitzer dieser Netzwerke mit Hilfe deiner Informationen und Fotografien Geld verdienen bzw. einen Gewinn generieren, welche nun mal bei Aktiengesellschaften vorgesehen ist. Viele glauben dem Märchen, dass man als Fotograf nur „gut“ genug sein müsse, um dann eines Tages voller Freude aufzuwachen, um endlich etwas von dem Kuchen abzubekommen. Herr Zuckerberg steht persönlich vor deiner Tür und dankt dir für deine Informationen und Fotografien, er überreicht dir einen Scheck und einen Blumenstrauß und lässt sich mit dir von der Presse fotografieren. Bis dahin übst du dich bitte in Geduld und Enthaltsamkeit und stellst wirklich jede erdenkliche Information über dich und deine Fotografien gratis zur Verfügung. Machen schließlich alle so. Es ist ganz normales Verhalten und du solltest es nicht in Frage stellen.

  • Was passiert, wenn du deine Informationen nicht mehr gratis und für jedermann im Internet zur Verfügung stellst?
  • Was passiert, wenn ich mich mit echten Meistern der Fotografie auseinandersetze, welche nicht in den sozialen Netzwerken zu finden sind?
  • Was passiert, wenn ich mich all den Influencern entziehe?
  • Was passiert, wenn ich mich den „sozialen“ Netzwerken entziehe?

Mit jeglicher Zunahme an Distanz zu den „sozialen“ Netzwerken und ihren Influencern steigt der Grad deiner Individualität. Dies wird jedoch nicht gerne gesehen.

Strebe nach kreativer Isolierung

Wenn du wirklich ein origineller, individueller Fotograf sein möchtest, wenn du ein wahrlich freier Fotograf sein möchtest, dann musst du dich von den „sozialen“ Netzwerken trennen. Nur dann hast du eine Garantie, das dein individuelle Geschmack, dein persönlicher Stil nicht von virtuellen Freunden korrigiert, beanstandet und manipuliert wird. Wenn wir einen kritischen Blick auf die „Künstler“ in den sozialen Netzwerken werfen, dann fällt sehr schnell auf, dass sie beliebig austauschbar sind und jeglicher Besonderheit entbehren, welche den wahren Künstler eigentlich ausmachen. Sie gleichen Konservendosen mit dem Versprechen eines großen Genusses. Sie sind für jedermann, jederzeit konsumierbar und ihr Inhalt ist leicht in großen Massen zu produzieren. Einzig und allein der individuelle Geschmack fehlt. Dafür ist es billig oder gratis, jederzeit verfügbar und schnell und leicht zu konsumieren. Über den Nährwert wollen wir lieber gar nicht erst reden. Letztlich wollen wir alle nur etwas schnell konsumieren, um zum Beispiel den Hunger auf etwas zu stillen.

Was ist überhaupt eine gute Fotografie?

Eine gute Fotografie gefällt in erster Linie seinem Erschaffer.

Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass es besser wesentlich besser ist, nur noch für sich allein zu fotografieren. Denn es ist schwer genug ein Foto zu erhalten, dass einem selbst als gut genug erscheint. Außerdem existieren keinerlei Gesetze oder Regeln, welche besagen, dass eine Fotografie in den sozialen Netzwerken veröffentlicht werden muss. Es existieren keinerlei Vorschriften, dass ich meine privaten Sichtweisen, Gedanken und Meinungen der Öffentlichkeit zur Kontrolle vorlegen muss.

Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht, seitdem ich nicht mehr jedem Hans und Franz meine Fotografien zeige und einem Logarithmus die Anzeige meiner Werke überlasse. Meine Fotografien zeige ich sehr gerne Menschen, welche für mich nachweislich und spürbar ein echtes Interesse daran besitzen, sich mit mir und meinen Fotografien auseinanderzusetzen. Auf diese Weise umgehe ich das Problem von „virtuellen Interessenten“, welche ihr Desinteresse zum generellen Imperativ für ihr Umfeld machen. „Virtuelle Interessenten“ erkennen wir sehr leicht an ihren Aussagen wie:

„Wenn du als Fotograf nicht bereit bist, denselben Nonsens zu fotografieren, wie all die anderen Millionen Fotografen. Dann wirst du niemals ein erfolgreicher und berühmter Fotograf.“

Mein Motto ist:

Bevor ich ein möglichst konformer, beliebig, austauschbarer Facebook oder Instagram Fotograf werde, um erfolgreich und berühmt zu sein. Will ich lieber gar kein Facebook und Instagram Fotograf sein. Ich verzichte sogar darauf Fotograf genannt zu werden. Denn ich verzichte nicht auf meine Individualität, meinen Geschmack und meinen Stil, für ein paar wertlose „Likes“ von virtuellen Freunden.

Allein dieses Motto macht mich klar unterscheidbar von jedem Facebook und Instagram Fotografen. Als Bonus erhalte ich ein mehr an persönlicher Freiheit, da ich mich nicht an fremdbestimmte und intransparente und fragwürdige soziale Standards halten muss.

Das Ergebnis dieses Mottos ist:

Ich bin nicht gezwungen Facebook und Instagram taugliche Fotografie zu machen, um eine „gute“ Fotografie zu erhalten.

Ich erkenne ein gutes Foto dran, wenn mir die Betrachtung über einen langen Zeitraum immer noch Freude bereitet.

Ich bemerkte:

Das es kein Gesetz, keine Regel, kein Gebot und kein Recht gibt, dass einen dazu zwingt, die Fotografien eines Fotografen jedermann gratis zur Verfügung zu stellen.

Mein Tipp

Veröffentliche deine Fotografien, nur noch einem kleinen und ausgewählten Personenkreis. Stell dir vor, dass sich deine Fotografien in deinem Wohnzimmer befinden. In dein Wohnzimmer darf sich auch nicht jeder aufhalten und es kommt nicht jeder dort hinein.

Ein paar Beispiele:

  • Veröffentliche deine Fotos auf deinem Blog.
  • Veröffentliche deine Fotos hinter einer Paywall.
  • Veröffentliche deine Fotos nur noch in Büchern.
  • Veröffentliche deine Fotos nur noch auf Ausstellungen, Vorträgen oder Wettbewerben.

Nur so garantierst du, dass deine Fotografien von Menschen rezipiert werden, welche ein echtes und gesundes Interesse haben.

Es mag sein, dass du kurzfristig an Beliebtheit einbüßt. Langfristig wird es dich und deine Fotografie jedoch weiterhelfen und weiterbringen. Schließlich hast du dich von Bremsklötzen und desinteressierten Schreihälsen befreit.

Über nimm die Kontrolle

  • Fange an zu fotografieren! Tue dies genauso selbstverständlich und unvermeidlich, wie du atmest.
  • Veröffentliche deine Fotografien nicht in den sozialen Netzwerken und verhindere auf diese Weise, dass du konform und austauschbar wirst.
  • Beginne auszuwählen, wer sich wann, weshalb welche Fotografien ansehen darf.

Für einige sind dies sehr radikale Schritte. Sie haben noch nicht erkannt, dass gerade in den „sozialen“ Netzwerke Dinge als wahr, gut und richtig dargestellt werden, welche mehr als fragwürdig sind. Während wirklich gutes, wahrhaft Vorbildliches als „schlecht“ deklariert wird.

  • Nimm keine Rücksicht auf „soziale“ Netzwerke und ihren „sozialen“ Standards.
  • Übernehme die Selbstkontrolle über dich und deine Fotografien. Du allein weist, was du als Fotograf kannst und was du nicht kannst. Du allein weist am besten, was dir gefällt und was nicht. Du allein kannst dich entscheiden, in welche Richtung du dich entwickeln möchtest.
  • Überlasse nie wieder die Deutungshoheit an „virtuelle“ Interessenten, Freunden und Betrachtern, darüber wer du bist, was du bist und warum du etwas machst.
  • Höre dir lieber Ratschläge eines echten Fotografen, während einer Mappensichtung, anstatt auf unsachgemäße, unsachliche und unkompetente Rückmeldungen deiner „virtuellen“ Freunde zu bauen.
  • Verweigere dich Fotografien zu erstellen, damit man dich mag.
  • Beschäftige dich mit richtigen Fotografen und Meistern der Fotografie. Gehe in Ausstellungen, lese Bücher der alten Meister.
  • Interessiere dich nicht für Facebook und Instagram Fotografen, sie sind beliebig austauschbare Massenware.

Liebe Grüße Herr Rausch

9 Gedanken zu “Bemühe dich nicht „gute“ Fotos zu machen!

  1. Hallo Herr Rausch,
    ich danke dir für die vielen richtigen Worte.
    Verlassen werd ich die Arena nicht. Nicht einfach so. Die Leidenschaft wird wieder kommen. Da sie Leiden schafft und dann doch zufrieden macht.
    Deine Worte und die von anderen. Sind Hilfe. Mehr als man ahnt.
    Noch bluten die Wunden. Doch sie werden heilen.
    Den es gibt ein Ziel. Was ich erreichen will.
    VG Lars

    Liken

  2. Hej Lars,
    ich mag dich und deine Fotografien. Ich sehe dich leiden und weiß genau was du meinst. Ich war selbst an dem Ort an dem du dich gerade befindest. Ich kam da allein allerdings nicht raus. Wenn ich dir allerdings in irgendeiner Weise mit meinen Ansichten irgendwie helfen kann, dann habe ich mehr erreicht als ich es vorgestellt habe. Ich verstehe dich und deine Gedanken sehr gut, jedoch ist meine Möglichkeit der Hilfe beschränkt. Vielleicht ist es auch erst Zeit, dass deine „Wunden“ verheilen oder mindestens abklingen. Ich bin aber jederzeit bereit, mit dir in die Arena zu gehen… Seite an Seite. Du bestimmst den Zeitpunkt, fit musst du sein, voller Leidenschaft, mit dem Wissen, dass es darum geht die Arena nicht zu verlassen wie ein Feigling… dann geht es los! Dann beginnt der Zauber der Fotografie!
    Ich empfehle dir „Briefe der Gelassenheit“, „Memento Mori“ und „Vom guten Leben“ von Seneca. Oder das Buch „Du musst nicht von allen gemocht werden“ von Ichiro Kishimi und Fumitake Koga.

    Liebe Grüße Herr Rausch

    Gefällt 2 Personen

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.