Die Entdeckung der Realität in einer Fotografie

Natürlich ist es wichtig, für den neuen Fotografen zu erfahren, was für seine Betrachter, Kritiker, Freunde und Familie relevant und wichtig ist.

Wesentlich wichtiger ist es für den neuen Fotografen, warum die Betrachter ihre Aussagen machen und weshalb sie auf etwas hinweisen.

Warum diese Aussage, warum an dieser Stelle und warum zu diesem Zeitpunkt? Warum werden vom Betrachter, welche Verbindungen und Beziehungen in der gesehenen Fotografie geknüpft? Wie und warum schließt der Betrachter von einem kleinen und spezifischen Detail auf die Richtigkeit seiner Aussage?

Wenn eine Fotografie den Betrachter an einen Punkt bringt, an dem er seine Handlungsweisen, sein Verhalten und seine Aussagen nicht mehr mit logischen, evidenten Gründen begründen kann, weil sich alles andere für den Betrachter als falsch anfühlen würde, dann hat der neue Fotograf den verschütteten und unbewussten Bereich des Betrachters freigelegt.

Er eröffnet das Innere und gut versteckte Zentrum von Werten, Definitionen und dem Weltverständnis des Betrachters. Es repräsentiert seine Kultur, seine Familie, sein soziales Umfeld und zerrt letztlich die Persönlichkeit des Betrachters ans Tageslicht.

Dieses Innere und verborgene Wertesystem des Betrachters ist die Basis, für all seine täglichen und ordinären Aufgaben, Entscheidungen, Meinungen, Urteilen über das Selbstverständnis des Betrachters und das Verständnis seiner Mitmenschen.

Es fördert die „Du solltest…“ und „Du müsstest…“ ans Tageslicht und gibt uns Informationen über das Seelenleben des Betrachters. Wir erfahren was sie mit Absicht übersehen, was sie sie filtern, was sie fokussieren und priorisieren, wie sie mit anderen Menschen umgehen. Der neue Fotograf erfährt, wie der Betrachter mit seiner Umwelt interagiert. Denn alles basiert auf individuellen Gedanken, persönlichen Sicht-/Denk-/ und Lebens-weisen, welche der Betrachter an Hand einer Fotografie preisgibt.

Viele Grüße Herr Rausch