Die sedierte Nation

Was hält uns von unserer vollen Entwicklung unseres Potenziales als Fotografen zurück?

Ich denke nicht, dass es am Mangel des Willens liegt oder daran das wir „faul“ sind, es liegt auch nicht daran, dass wir „gute/schlechte“ Menschen sind.

Ich vermute, das Problem liegt woanders. 

Wir lassen uns leicht und gerne durch Drogen, Alkohol, Unterhaltung, App`s, Smartphones, TV und sozialen Netzwerken sedieren.

Wir leben in einer sedierten Nation.

Was ist sedieren?

Ein Sedativ ist eine verabreichte Droge, welche uns beruhigt, sie macht glücklich und entspannt. Wir bekommen eine Sedierung vor Operationen, auch bekannt als „Scheißegalspritze“ im Krankenhaus. Die richtige Nutzung dieser Drogen zeigt in verantwortungsvollen Händen, sehr viele Vorteile. Zu beachten ist, dass eine ständige Selbstdosierung eines Sedatives zur Abhängigkeit und vielen Problemen führt. Allzu schnell vergessen wir, durch diese Droge unsere stressige Arbeit und unser leidvolles Leben.

Ich persönlich glaube nicht daran, dass wir Menschen von Natur aus faule und unmotivierte Menschen sind. Ich glaube nicht daran, dass es die Zukunft der Menschheit ist, als kleine fette, schwache und degenerierte Würmer zu enden, um in fliegenden Stühlen umher zu fliegen, wie in WALL-E beschrieben. Ich bin fest davon überzeugt, dass es in der DNA des Menschen verankert ist, dass wir Entdecker, Abenteurer, Risikomanager und Helden sind.

Derzeit ist es wahr, dass wir Gefangene eines Hamsterrades sind. Die modernen Leistungsgesellschaften nutzen „Arbeit“, um uns zu versklaven. Bedenke, wie viele von uns haben eine 40 Stundenwoche mit unbezahlten Überstunden? Wie oft machen wir diese Überstunden ohne Aussicht auf Bezahlung? Wir drücken unseren Selbstwert damit runter, um eine Arbeit zu erledigen, welche keine Aussicht auf Bezahlung von Extraeinsatz oder Überstunden vorsieht.

Wer oder was bewahrt dich vor der Erkenntnis, dass du ausgenutzt wirst?

Eines der manipulierend wirkenden Dinge tragen wir seit kurzer Zeit ständig mit uns herum. Es verhindert sehr geschickt, dass wir uns überfordert und überarbeitet fühlen. 2011 war es noch ein teures Statussymbol und wurde überwiegend zum Beantworten von E-Mails genutzt.

Ich rede von kleinen digitalen „Scheißegalspritzen“, welche uns die Welt verschönern. Es sind die Smartphones und Blackberrys, sie ermöglichen uns, heute ein noch besserer Angestellter zu sein. Schließlich ist es völlig normal geworden auf allen Kanälen (Facebook, Instagram, WhatsApp usw.) für seine Firma und Freunde erreichbar zu sein und zu antworten, wenn dies von ANDEREN verlangt wird. Natürlich nutzen wir unsere „freie“ Zeit noch für andere Dinge im Leben, wie Netflix, Gras, Alkohol, Partys, Konsolenspiele und Smartphone Apps. Die ständige Reizung unserer Wahrnehmung, durch Druck auf Arbeit, oberflächlichen Konversationen und das ständige selbst Darstellen, dass man in seiner „Freizeit“ aktiv ist, führt zu einer ständigen Überforderung des Menschen und gibt ihm keine Zeit mehr zur Ruhe zu kommen. Anstatt das Smartphone auszuschalten, nutzen wir es dann umso mehr. Wir laden uns einfach ein neues Spiel.

Ich möchte ehrlich sein. Ich möchte nicht die vielen Menschen für ihr Verhalten verurteilen. Ich möchte unsere Gesellschaft dafür verurteilen, dass sie ein System geschaffen hat, in der es unmöglich scheint, auch nur fünf Sekunden Ruhe oder Muße zu ermöglichen. Alles muss sofort und ständig kommentiert, bewertet und verbreitet werden. Wir erschufen eine Technologie, welche uns unter ständiger Beobachtung hat und unsere Daten auswertet. Dabei wächst sie in einer Geschwindigkeit, dass sie unsere menschlichen Möglichkeiten des Schritthalten völlig überfordert.

Das Traurige an der Nutzung von Netflix, den sozialen Netzwerken, den Newsroms, der Drogen wie Alkohol und Nikotin, Sex und Schokolade etc. ist, dass wir diese Dinge wie Sedative benutzen. Wir lenken uns mit all diesen Dingen ab und betäuben uns von den Erinnerungen der stupiden Arbeit und den schmerzvollen Erinnerungen an unsere Lebensträume. Wir verlangen unsere Sedative, unsere Betäubung, um uns sicher, zufrieden und glücklich zu fühlen. Einige können ohne nicht mal mehr einschlafen.

Aldous Huxley warnte uns in seinem Roman „The brave new world“ vor einer Droge Namens „Soma“. Sie wurde den Bürgern verabreicht, wenn sie sich schlecht fühlten, traurig waren oder depressiv wurden. Sie wirkte ähnlich wie Ecstasy und hatte keine Nachwirkungen. Man nahm eine Pille, hatte danach eine wilde Sexorgie und die „schlechten“ Gefühle waren wie weggeblasen.

Nein, ich denke nicht, dass unser Medienkonsum grundsätzlich schlecht ist. Die Dosierung ist entscheidend! Wasser kann in guter Dosierung ein sehr erquickendes Element sein, es kann sich in anderer Dosierung auch wie „Waterboarding“ anfühlen. Genauso ist es mit unserem Konsumieren von Medien.

Das Exzessive konsumieren digitalen Medien betäubt uns.

Es tötet das Menschliche in uns und macht uns zu teilnahmslosen und unambitionierten Wesen. Wenn du wissen möchtest, warum es wichtig ist, ambitiös, voller Unternehmungsgeist und Abenteuerlust zu sein. Dann schaue dir in aller Ruhe eine Staffel „Game of Thrones“ an. Dann setzt du dich selber nicht der Gefahr des Scheiterns aus und entgehst Schmähungen, Beleidigungen und Diffamierungen, weil du es stumpf wie alle anderen auch gesehen hast.

Der Weg zur Selbstbefähigung

Solltest du tatsächlich in der misslichen Lage sein, dass dich gerade dein Job anwidert, weil er langweilig ist, aus stupiden Abläufen besteht, die Arbeitsbedingungen schlecht sind und Überstunden nicht bezahlt werden. Dann wird man dir erzählen, dass du ein Einzelfall bist.

Ich habe es selbst erlebt. Ich kenne dieses Gefühl von Ohnmacht, Frust und endlosen Gedankenschleifen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem jegliche Energie fehlt, seiner Berufung zu folgen.

Ich glaube dir! Ich verarsche dich nicht!

Ich kann dir ein paar Tipps mit auf den Weg geben:

  • Wenn du unglücklich in deinem Job bist, ist es ratsam die Firma zu wechseln. Dies bedeutet nämlich auch neue Kollegen, einen neuen Chef, eine andere Firmenphilosophie. Vielleicht sogar mehr Gehalt für denselben Job. Ich denke, ein Wandel ist immer gut. Ich wandelte mich vom depressiven Elektriker zum umstrittensten Fotografen von Schwerin. Ich verdiene zwar nicht mehr Geld, dafür finde ich an jeder Hausecke immer ein gutes Gespräch und bin mit meinem Wandel zum Fotografen mehr als glücklich. Ich werde niemals mehr unbezahlte Überstunden für einen Chef machen müssen, der gerne auf meine Kosten in den Urlaub fliegt.
  • Nehme dir ein Jahr oder länger eine Auszeit! Ich bin seiner Zeit als Elektriker für mehrere Jahre nach Dänemark gegangen. Dort habe ich ein sehr viel schöneres Arbeitsklima kennenlernen dürfen, als es in meiner Heimatstadt überhaupt denkbar ist. Meine Rückkehr nach Deutschland machte mich erst sicher, in der Entscheidung, dass ich unter den hier herrschenden Gegebenheiten nicht mehr in meinem Beruf arbeiten möchte.
  • Versuche dich selbst zu aktivieren, indem du versuchst, neben deinem Job ein Hobby auszuüben. Hierbei geht es nicht, um die Darstellung von „Seht her! Wie aktiv ich in meiner Freizeit bin“. Es geht darum, sich mit Freude, Begeisterung und Lebensfreude zu befüllen. Hierbei ist es völlig egal, ob deine Freunde dir Anerkennung schenken. Wenn du die Zinken einer Briefmarke aus Leidenschaft gerne zählst, dann darfst du es machen! Auch ohne Zustimmung der sozialen Netzwerke. Umgehe Netflix, TV und Games. Erschaffe etwas, dass nur für dich allein als sinnvoll erscheint. Gebe dir täglich 30 Minuten für dein neues Hobby. In der neuen Freizeit kannst du Mittagspause machen, um den Block deines Arbeitgebers gehen und ein wundervolles Streetphoto Projekt starten.

Mein letzter Tip:

Denke an „Memento Mori“ und daran, dass dein Leben eines Tages vorbei sein wird. Niemand hat das Recht dir zu sagen, wie du dein Leben zu führen und zu leben hast. Du hast nur dieses eine Leben und sehr wahrscheinlich kommt da kein Zweites. Wir leben in einem freien Land, niemand hat dir Handschellen angelegt und eine Gefängniskugel trägst du auch nicht. Solltest du diese Fesseln spüren, dann bist du ganz allein dafür verantwortlich. Nimm dein Schicksal selbst in die Hand und folge deinen inneren Wünschen, vergehe und verende nicht einfach. Lebe kein Leben, um andere zu beschwichtigen oder zu beruhigen. Versuche gar nicht erst in unserer Gesellschaft jemandem zugefallen, es wird nämlich nicht funktionieren. Vor allem betäube dich nicht ständig mit all dem Gesellschaftsmüll. Mach täglich das Beste aus dir persönlich und deinem Tag. Mache Dinge, die dich ermächtigen, erweitern und dir einen Sinn in deinem Leben geben. Erkläre dies unentwegt anderen Menschen und erfreue dich an ihren Fortschritten. So erhältst du eine Chance, etwas zu errichten, dass viel größer als wir selbst sind.

Fliege einfach los!

Gruß Herr Rausch