Das Auge des Betrachters

Jedes Bildwerk- egal ob Malerei, Grafik oder Fotografie- wird im Auge des Betrachters etwas Individuelles bewirken. Was es genau bewirkt, hängt von dem Kunstverständnis und den daraus abgeleiteten Erwartungen, sowie die Persönlichkeit des Betrachters ab.

Auf diese Weise ist es erklärlich, dass nicht nur Bilder in Museen unterschiedlich auf uns wirken. Auch im Internet treffen wir auf Bildwerke, welche uns begeistern, während andere diese ablehnen.

Die Wirkung eines Bildes ist somit festverbunden mit der Person, die das Bild betrachtet.

Polaroid SNAP

Das die Bildwirkung allein von Gestaltungsregeln abhängig ist, ist an diesem Punkt nicht mehr haltbar und als Aberglaube zu betrachten.

Die Wirkung eines Bildes hängt von den Erwartungen des Betrachters ab.

Allerdings entzieht sich das Kunstverständnis, die Erwartungshaltung, das Selbstverständnis und die Positionierung des Betrachters, der Einflussmöglichkeiten des Fotografen. Wäre es anders, so könnte der Fotograf ein perfektes Rezept für eine perfekte Fotografie entwickeln.

Vielleicht liegt hier der Grund für die Zunahme von Einschränkungen von individuellen Sichtweisen? Wer soll diese Einschränkungen durchsetzen, eventuell ein selbst ernannter Foto-Fürst?
Vielleicht liegt auch der Grund in der ständigen Senkung des Niveaus, damit wirklich jeder ein Fotograf sein kann und sich niemand ausgeschlossen fühlen muss. Wie weit können wir das Niveau senken, bis keines mehr vorhanden ist?

Wenn der Fotograf abstrakte Fotografien einem Publikum zeigt, dass eher an naturalistischen Darstellungen interessiert ist, wird keine Begeisterung erwarten können. Wenn der Betrachter romantische „Mädchen-Bilder“ im Hochglanz-Look erwartet, wird eine kritische und analog fotografierte Bildreportage als Verriss bezeichnet, dabei spielt es keine Rolle, wie gut diese Serie tatsächlich ist.

Der neue Fotograf nutzt die gemachten Aussagen, die vollzogenen Handlungen und gezeigten Verhaltensweisen, als Analysewerkezeug, um seine Betrachter besser zu verstehen.

So erhält der neue Fotograf wichtige Informationen, über den ihm umgebende Gesellschaft.

So wird der neue Fotograf zum Soziologen und dokumentiert die Erwartungen, Werte und Sichtweisen seiner Gesellschaft.

Liebe Grüße Herr Rausch