Fotografien geben uns Auskunft über Sichtweisen, Werte und Erwartungen

„An einer Fotografie sind nur zwei Personen beteiligt. Der Fotograf und der Betrachter.“

Zitat: Ansel Adams

Wir erhalten weitere Auskünfte über die Wirkungsweise der Fotografie im Buch „PhotoTherapie Technics“ von Judy Weiser. Sie ist Ergo-Therapeutin in den USA und nutzt die Fotografie innerhalb der Kunsttherapie zur Behandlung von psychischen Störungen.

Hier erfahren wir, dass die Fotografie eines Fotografen immer nur einen kleinen, begrenzten und ausgewählten Wirklichkeitsausschnitt des Fotografen sein kann. Der Betrachter, welcher diese Fotografie durch Betrachtung entdeckt, erforscht oder rezipiert, kann ausschließlich auf die offensichtlichen und verstecken Botschaften und Nachrichten einer Fotografie reagieren.

Hierbei hält sich der unbegründete Aberglaube daran fest, dass es einen einzigen und leichten Weg gibt, eine Fotografie zu entschlüsseln. Speziell Antagonisten setzten an dieser Stelle gerne immer wieder an und deklarieren ihr eigenes Verständnis einer gesehenen Fotografie als einzige und absolute Wahrheit. Es ist der Ausdruck, das Verhalten und das Handeln einer Person, welche an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet.

Es ist nicht möglich nur eine einzige Wahrheit in einer Fotografie zu entdecken. Diese vermeintlich entdeckte „eine Wahrheit“ oder „Realität“ ist immer nur die Interpretation einer Einzelperson, in diesem Fall der Betrachter.

Diese beabsichtigte und unumstößliche Tatsache verleiht der Fotografie und dem Fotografen eine große Macht. Der Fotograf hält den Schlüssel zum direkten Seelenleben seiner Betrachter in der Hand. Bei richtiger Nutzung erhält er so Zugang zum Innenleben seiner Betrachter mit Hilfe seiner Fotografien. Denn das Verhalten, die Aussagen und Handlungen seiner Betrachter sind bewusste und unbewusste Folgen von ausgelösten Emotionen, Gedanken, Erinnerungen, persönlichen Werten und fundamentalen Glaubenssätzen und Erwartungen seiner Betrachter, an den Fotografen und seinen Fotografien.

Als neuer Fotograf erhälts du auf diese Weise exklusive bewusste und unbewusste Informationen von deinen Freunden, Bekannten, Partnern und Fans und Betrachtern, was sie von dir halten, wo sie dich verorten und wie sich dir gegenüber verhalten. Da allein als neuer Fotograf kannst mit diesen Informationen anfangen was du möchtest. Du kannst dich von Menschen trennen oder sie darauf hinweisen, dass sie dich nicht korrekt oder fair behandeln, du kannst intervenieren oder Grenzen ziehen. Du hast es in der Hand, was du letztlich mit diesen Informationen machst.

Denn das Decodieren einer Fotografie beruht auf assoziativen sowie kognitiven Fähigkeiten des Betrachters. Eine Fotografie löst immer eine Emotion im Betrachter aus, dieser erkennt seine individuelle persönliche „Wahrheit“ innerhalb des rezipierten Bildwerkes, welche durch sein Verhalten, seine Handlungen und Äußerungen unweigerlich dazu führen, dass sich der Betrachter in eine Position zum Fotografen und zur Fotografie bringen.

„Eine Fotografie enthält nicht eine Wahrheit. Sie enthält Millionen Wahrheiten, denn die Wahrheit liegt immer im Auge des Betrachters.

Weiser, 1993

Mit freundlichen Grüßen Herr Rausch