Wege des Sehens

„Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist. Wir sehen die Welt so, wie wir sind.“

Aus der Serie „Women are beautifull“

Eine Fotografie wird nicht allein durch den Einsatz der Technik bestimmt. Wesentlich wichtiger, als die Wahl des Werkzeuges und die Veröffentlichung der Fotografie ist der Fotograf und seine Weltanschauung selbst.

Je nachdem wie wir die Welt betrachten, so erscheint sie uns und wir finden uns anhand unserer individuellen Weltanschauung in dieser Welt zurecht.  Je nachdem was wir von einem Fotografen halten, so betrachten wir seine Werke und reflektieren unser Verständnis vom Fotografen und seinen Arbeiten zurück in die Welt durch eigene Handlungen und Aussagen.

Es ist hinlänglich bekannt, dass ein und dieselbe Situation von zwei unterschiedlichen Menschen, welche eine Sache, eine Situation, ein Ding beschreiben sollen völlig unterschiedlich bewertet und betrachtet wird. Diese Tatsache bedeutet keine neuen Erkenntnisse, im Polizeidienst und im Finanzamt schafft diese Tatsache, jedoch sehr viele Arbeitsplätze.
Wer wären wir selbst, wenn wir die Welt mit den Augen eines anderen Menschen und dessen Weltanschauung betrachten.

Hier liegt ein wichtiger Schlüssel in der Fotografie:

„Die Fotografie zeigt uns den Blick eines anderen Menschen.“

Sie stellt die Fragen:
Wie siehst du die Welt? Wie sieht der Fotograf die Welt?

Der Prozess der Schaffung einer Fotografie beginnt nicht erst beim Kauf einer Kamera, bei der Auswahl zusätzlicher Technik und der Auswahl des Motives und dem erhalten von „Likes“ auf irgendwelchen Plattformen im Internet.

Jede noch so kleine einzelne individuelle bewusste und unbewusste Entscheidung des Fotografen, welche eine Fotografie ausmachen, fließen wie von Geisterhand in das entstandene Bild. Es steckt alles was den Fotografen ausmacht in einer Fotografie, begonnen von der Inspiration zur Idee, die Reifung einer Idee, die Vorbereitung, die Komposition, die inhaltliche Ausrichtung, die Tages abhängige Laune und die gesellschaftliche Situation des Fotografen.

“You don’t make a photograph just with a camera. You bring to the act of photography all the pictures you have seen, the books you have read, the music you have heard, the people you have loved.”

Ansel Adams

Der Blickwinkel und damit meine ich die Weltanschauung eines Fotografen, sowie alle weiteren Elemente der Persönlichkeit des Fotografen (Siehe Tafel 1), sind bestimmende Elemente einer fotografischen Abbildung. Dies bedeutet: Wenn der Fotograf eine romantische Weltsicht hat, werden die Abbildungen eine romantische Perspektive zeigen. Vielleicht mag der Fotograf keine Menschen und wählt Landschaftsmotive oder Tiere. Es ist gut möglich, dass es vereinzelt Fotografen gibt, welche Katzen mögen und deshalb das ein oder andere Katzenmotiv im Internet veröffentlichen. Eventuell ist der Fotograf ein „Techniknerd“, ein Purist oder Minimalist. Es kann auch sein das der Fotograf dazu noch sehr verspielt ist und aus diesem Grund auf eine verspielte Art und Weise seine Farben einsetzt. Es ist denkbar, dass der Fotograf auf eine spielerische Weise seine Motive auswählt. Mit unter ist es wahrscheinlich, dass der Fotograf, dass „Fotografsein“ spielt und sehr ungnädig reagiert. Wie ein kleines Kind, welches beim Spiel gestört wird oder der kleine Fotograf das Spiel einstellen muss, weil er morgen zur Arbeit muss. Es kann auch ein sachlich-rationaler Blick sein, der in erklärender und informativer Weise, in einer Werbe- oder Produktfotografie stecken kann.

In jeder einzelnen Fotografie erkennen wir die Wesensaspekte eines Fotografen, wie Humor, Fantasie, Mut, Offenheit, Schwermut, Verspieltheit oder Gewissenhaftigkeit. Wir finden in einer Fotografie alles, was die Persönlichkeit eines Fotografen ausmacht. Wir erkennen einen Teil der Seele, der Wünsche und Sehnsüchte in jeder einzelnen Fotografie eines Fotografen.

Letztlich erhält der Betrachter, eine gründliche Betrachtung und ein aufrichtiges Interesse ist hier vorausgesetzt, tiefe und sehr persönliche Informationen, über den Fotografen. Sehr viele Fotografen sind sich dieser Wirkung ihrer eigenen Fotografien nicht bewusst, dennoch gibt der Fotograf unbewusst Informationen über seine Weltanschauung, seiner Lebensphilosophie, seiner Seele, seinem „Rollen-„Verständnis als Mensch in der Gesellschaft und über seinen Geschmack preis.

Ich möchte dies an dieser Stelle nicht bewerten. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass es so ist.

Gruß Herr Rausch