Wenn die Antagonisten locken

„Die Fotografie analysiert die Würde eines jeden Menschen, der damit in Kontakt kommt.
Sie stellt jeden Beteiligten geistig bloß -Das Model- den Fotografen- den Betrachter.“

Gerhard Vetter

Ohne weiteres lässt sich der unbedarfte, durchschnittliche und mäßig kulturell interessierte Mensch, der wie in Gefangenschaft irgendwelchen durchschnittlichen und bedeutungslosen Berufen folgt, von seiner oberflächlichen und mäßigen Freizeitbeschäftigung der Fotografie verführen und spricht sich selbst eine nicht vorhandene Professionalität zu.

Ein Hobbyfotograf bleibt ein Hobbyfotograf, denn er ist ein Hobbyfotograf mit dem Wissen eines Hobbyfotografen und den Zielen eines Hobbyfotografen.

Das Zitat von Joseph Beuys: „Jeder Mensch ist ein Künstler“ und die technologischen Möglichkeiten, dass ein Jeder ein Fotograf sein kann, hatte zwangläufig zur Folge, dass das Niveau und der geistige Anspruch insgesamt und an sich selbst, soweit gesenkt werden musste, damit ein jeder, auch der letzte unkultivierte Volltrottel, ein Fotograf sein kann.

Der Wache und an Kultur interessierte Mensch sieht und spürt diesen Verfall des Niveaus auf wirklich allen Gebieten des Lebens. Als Fotograf ist es heute nicht mehr von Nöten, sich als Fotograf auszubilden, es ist nicht mehr von Nöten sich eine gewisse Kompetenz zum Verfassen von Kritiken anzueignen, es ist unwichtig geworden, sich eine ein Wissen über Bildsprache, Kunst, Philosophie, Soziologie, über das Leben an Sich zu erwerben.

Der totale Verlust von allen Normen, was unsere kultivierte Fotografie ausmachte, wird heute kaschiert und geschmückt mit dem zwanghaften sammeln von „Likes“. Es dient der Selbstbestätigung des Ungebildeten, dass er mindestens genauso ungebildet ist, wie der ihm umgebende Rest.

Der Hobbyfotograf mutiert so zu einem Selbstdarsteller, der die Fotografie mit ideologischen Methoden vertritt und sich durch die ständige Bestätigung der eigenen Dummheit sogar bestärkt fühlt. So umgeht dieser Fotograf die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Kunst, der Fotografie, der Philosophie, der formvollendeten Kritik, dem eigenen Leben im Verhältnis zum Leben der Anderen, wie ein todbringendes Minenfeld, dass den Fotografen aus dem Leben entfernt, wenn er auch nur Ansatzweise in Berührung mit diesen Gefahren kommt. Stattdessen schaltet der selbstdarstellende Fotograf in einen unüberschaubaren „Bildchen“ Produktionsmodus, welche seinem ungebildeten, unbedarften und unkultivierten Wesen entsprechen.

„Hauptsache „Likes“! Hauptsache die ungebildete Masse denkt:“ Ich sei ein Fotograf“, ist sein Motto.

Keiner der produzierten Bildchen sind wesentlich, erhaltungswürdig oder bewahrenswert. Sie sind das unüberlegte Erbrochene eines Produzenten, der sich jeglicher Verantwortung verweigert. Es ist vergleichbar mit den Stammtischdröhnern, welche wir aus Kneipenbesuchen kennen. Es sind die Menschen, welche rücksichtlos und laut vor sich hin dröhnen und poltern, zu allem eine Meinung haben, aber kein Wissen. Es sind die Menschen, welche in der Kneipe etwas darstellen wollen, dass sie im realen Leben niemals erreichen. Der moderne selbstdarstellende Fotograf nutzt nicht die Kneipe oder den Fotoverein, er nutzt das Internet und sein Smartphone. Der entscheidende Unterschied zwischen der Kneipe und dem Fotoverein ist, dass wir unser Smartphone und somit das Internet sogar mit in unser Schlafzimmer holen. Somit umgeben wir uns immerwährend mit diesen nutzlosen Bildchen von dröhnenden Selbstdarstellern, die sich als gebildete Fotografen verkleiden. Ihre Aussagen sind meist sedimentierte Erfahrungen, sie repräsentieren Halbwissen, bestärken Vorurteile und fördern die unkultivierte Kommunikationsform des Kneipengesprächs. Was sagt es letztlich über die Masse aus, welche dies unterstützt? Keiner dieser ungebildeten Unmenschen möchte an seine kulturelle Leere erinnert werden und ersucht deswegen einfach nur die sedimentierende Wirkung von „gefälliger“ Fotografie.

Kein richtiger Fotograf soll sich mit der Fotografie richtig auskennen, weil sich die ungebildete Masse auch nicht mit der Fotografie auskennt. 

Auf diese Weise werden Tabus installiert und geschaffen, mit denen sich ein Fotograf nicht beschäftigen soll, darf und muss. Die entstehenden Widerstände der ungehobelten Masse sind so gewalttätig und massiv, dass die Selbstdisziplin eines Fotografen gebrochen und zerstört wird, damit er sich nicht weiterentwickelt und der ungebildeten Masse entspricht. Denn jede neue Erkenntnis hinterlässt in dieser ungebildeten Masse ein Gefühl des Versagens und der Rückständigkeit, schließlich will sich das Individuum nicht weiterentwickeln, sondern nur unterhalten.

„Es soll verdammt noch mal alles so bleiben wie es ist! Koste es was es wolle!“

Der Verlust aller geistigen Formungen und die Meidung intellektueller Erweiterungen der Masse hinterlassen nichts anderes als ungesteuerte Triebe, die alles andere als einen kultivierten Menschen ausmachen. Sie finden sich in Sammelbecken des Internets, in denen Troglodyten nur noch die Schatten an der Wand interpretieren und sie für die Realität halten. Natürlich nennen diese Menschen „die Abwesenheit von Kultur“ ihre Kultur. Sie gehen sogar soweit, dass ihre Unkultur des Dröhnens und Niederschreiens, ihre Kultur der gnadenlosen Verfolgung und Bekämpfung von „Neuem“, als Leitkultur verstanden werden soll.

Der neue Fotograf, der diesem Unwesen oder der dieser Unkultur widerstandleistet, legt das intellektuelle, ethische und moralische Gewissen der Masse frei und stellt es auf diese Weise in Frage.

Der neue Fotograf visualisiert seine Vorstellung von der richtigen Gesellschaft und dessen Bürgern und Fotografen.

Ein Fotograf, der nicht der Weiterentwicklung der Gesellschaft dient und ausschließlich die unmenschlichen Triebe seiner Anhänger bedient, ist nutzlos!

Ein Fotograf, der nicht die intellektuelle Auseinandersetzung über den Sinn seiner Werke und sich selbst sucht, ein Fotograf der ausschließlich unterhalten will und der unüberlegten Unkultur dienlich sein möchte, fördert schamlos jedweden Unrat des barbarischen, triebhaften und unmenschlichen Individuums. Er unterstützt mit Absicht und vorsätzlich Halbwissen und Halbwahrheiten, er fördert weiterhin den weiteren Verfall der Wahrung der Form und wird zum Unterstütztem „des sich Gehenlassens“. Er befürwortet unüberlegte, ungeschliffene und plumpe Handlungsweisen, welche gar keiner menschlichen Kultur entsprechen. Er wird zum Mithelfer der Installation eines mittelalterlichen Begriffes von „Humanität“.

Drastisch wird die Lage der Fotografie und der Umgang mit Kultur, wenn der unkultivierte Fotograf in irgendeiner Weise mit seinen Fotografien erfolgreich ist. Schnell ernennt dieser „oberste“ aller Dummköpfe seine Sicht und Lebensweise als führend und nachahmenswert. Er packt seine Unkultur in ein Produkt und verkauft es im Internet mit der Anpreisung von außerordentlicher „Kreativität“, der wie ein Wirkstoff einer Pille wirken soll. Doch diese Produkte sind genauso große Scharlatanerie wie der Scharlatan selbst.

Letztlich werden diese Fotografen zum Antagonisten der neuen Fotografie und bekämpfen eben diese, um sich selbst nicht gewahr zu werden, dass sie substanzlos sind.

Hiermit schließe ich die Analyse des toxischen Menschen , des Antagonisten nun ab.

Viele Grüße Herr Rausch