Die Antagonisten der Fotografie

Sie nennen sich Künstler. Sie nehmen sich das Recht, die Freiheit der Kunst, die Freiheit der Sichtweisen, die Freiheit der Gedanken und die Freiheit der Meinung, mit Hilfe von engen Korridoren des „Erlaubten“ zu begrenzen.  Sie erschaffen Regeln, Verbote, Tabus und Gebote und schränken den Freiheitsbegriff für andere Menschen ein. Dieses Vorgehen macht sie zu Despoten, Diktatoren und Tyrannen, aber sie sind und werden keine Künstler.

Jeder von uns hat ganz persönliche Erfahrungen mit diesen Antagonisten gemacht. Sie lassen sich überall finden: im Kreise der Familie, unter Freunden und Bekannten, sowie unter Arbeitskollegen. Wir erkennen sie an ihren absurden Aussagen und Verhalten, es ist niemals passend zur Situation, es wirkt gespielt, übertrieben und oberflächlich, meist peinlich und selbstherrlich.  Es sind die nervigen Viellaberer. Menschen, welche sich selbst gerne lange und oft reden hören. Sie machen jedes Meeting, jedes Treffen von 30 Minuten zu einer gefühlten Folter von 8 Stunden. Sie reagieren extrem übertrieben und fallen gerne in einen Selbstmitleid-Modus, wenn ihr offensichtlicher Unsinn korrigiert wird. Der Antagonist versucht wirklich alles und lässt keine Chance aus, um seine mangelnde Fachkenntnis zu verschleiern. Sie versuchen im Angesicht dieser Bedrohung ihren Gegner, die neue Sichtweise, das Neue lautstark und mit voller Inbrunst aus dieser Welt zu fegen. Antagonisten werden schnell eifersüchtig, wenn sie sehen, dass andere Menschen erfolgreich sind. Ohne ihrem persönlichen Segen, ist dies in keiner Weise zulässig. Der durchschnittliche Antagonist leidet auf Grund seiner Agnoia und Amathia an mindestens einem Minderwertigkeitskomplex dem „Sich-selbst-nicht-genügen“. Es ist für sie ein Zwang ihren eigenen Erfolg an anderen Menschen bemessen und dafür zu sorgen, dass andere nicht erfolgreicher sind, als sie selbst. Der Selbstwert eines Antagonisten wurde in der kindlichen Prägungsphase schwer vergiftet. Ihnen wurde über viele Jahre hinweg immer wieder genau erklärt, was sie nicht dürfen, was sie nicht können, was sie nicht sollen und was sie eigentlich nicht wollen. Mantra-artig wurde wiederholt, dass sie für nichts ein Talent besäßen und ihre Fähigkeiten zu absolut nichts Verwertbaren führen. Oft werden sie als das schwarze Schaf der Familie bezeichnet und ihr Ungenügen bis ins Erwachsenenalter immer wieder vorgehalten. Diese Prägungen des Elternhauses hinterlassen ein überaus zerbrechliches Ego aus dünnem Glas, welches unter allen Umständen gegen mögliche Bedrohungen geschützt werden muss.

„Was dich nicht umbringt, macht dich hart!“

Damit begründen sie ihr harsches und rücksichtsloses Verhalten. Ihre harte Kindheit, ihre Traumata und ihre Vergangenheit ermächtigen sie dazu die totale Rücksichtnahme vehement einzufordern. Antagonisten sehen sich als die moralisch besseren Wesen dieser Welt und rechtfertigen damit ihre rücksichtslosen und unmenschlichen Handlungen. So entfernen sich die Antagonisten von der eigentlich geforderten zivilisierten Gesellschaft und unterspülen die Werte der Freiheit der Sichtweisen. Deshalb setzen sich Antagonisten für eine Art und Weise Freiheit der Fotografie ein, welche ihnen auf Grund ihres Unwissens völlig unbekannt bleibt und auf Grund der fehlenden Bereitschaft des Lernens auch nicht erschließbar wird.

Wir alle erkennen die Spuren der Aufweichung der Werten in unserer Gesellschaft, unserer Fotografie und unserer Kommunikation.

Sie arbeiten mit strengen Reglementierungen, Verboten und Tabus. Ihr Verhalten ist vergleichbar mit dem mittelalterlichen Klerus. Nicht wenige Antagonisten halten sich für Fürsten, Kleriker und Inquisitoren und setzen ihre unfreien und verrotteten Vorstellungen von Fotografie mit einer brutalen Willkürherrschaft durch. Sie bekämpfen alles, was nicht ihren Lebensvorstellungen und Sichtweisen entspricht. Sie ersetzen mit dieser Methode ihre wenig vorhandenen sozialen Kompetenzen mit einer Art „Stammes-Ehtik“ oder mit einer „Gang“-Mentalität, in der es nur einen „Boss“ geben kann.

Liebe Grüße Herr Rausch