Was ist Unterhaltung?

Liebe Freunde der Fotografie,

in diesem Essay habe ich mir Gedanken zum Thema „Unterhaltung“ gemacht. Meine Fragen hierzu waren:

  • Was ist Unterhaltung?
  • Wie definieren wir sie?
  • Was ist das Gegenteil von Unterhaltung?
  • Warum lassen wir uns lieber unterhalten, als dass wir uns selbst unterhalten?

Nach dem Blick in den Duden war ich erstmal von der Bedeutungsbreite des Wortes Unterhaltung fasziniert und beeindruckt.

Im Duden finden wir folgende Informationen:

das Unterhalten,

im Sinne eines nutzen oder gebrauchen, von etwas, um etwas zu schützen, erhalten oder unterstützen.

  • Wir nutzen Nahrung, um unsere körperlichen Funktionen weiter zu unterhalten.
  • Wir nutzen eine Untertasse, um Tropfen der Kaffeetasse aufzufangen und halten diese unter die Kaffeetasse.
  • Wir nutzen unsere Hände, um unterstützend, schützend oder stützend zu wirken. Das Unterhalten der Hände verhinderte einen Sturz.
  • das Unterhalten,

Das Unterhalten,

im Sinne der Instandhaltung, der Pflege oder Erhaltung von etwas.

  • Ein Auto ist in der Unterhaltung sehr teuer.
  • Die Unterhaltung der Fotografie ist sehr zeitaufwändig.
  • Der Unterhalt für meinen Expartner ist am Monatsanfang zu bezahlen.

Das Unterhalten einer Freundschaft

  • das Unterhalten einer Beziehung
  • Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.
  • Staaten unterhalten Botschaften für diplomatische Beziehungen.

Das sich Unterhalten mit einer anderen Person

  • Ein angenehmes Gespräch führen.
  • Einer lebhaften, interessanten, motivierenden, informativen und inspirierenden Unterhaltung beiwohnen.
  • das Unterhalten, als angenehmer Zeitvertreib

Das gesellschaftliche Unterhalten,

Wir können,

  • Jemanden eine gute Unterhaltung wünschen.
  • für eine angenehme Unterhaltung sorgen.
  • zur Unterhaltung der Gäste beitragen.
  • Einer geselligen und unterhaltsamen Veranstaltung oder Gesellschaft beiwohnen.

Ich nenne es die fünf positiven Aspekte einer Unterhaltung, denn jeder dieser Punkte setzt ein Interesse am Erhalt oder Erschaffung eines positiven Gefühls, einer positiven Situation oder eines informativen Gesprächs voraus. Somit sind diese Punkte verbunden mit einer positiven Aufmerksamkeit.

Das Gegenteil einer Unterhaltung

Das Gegenteil einer Unterhaltung ist nach wie vor eine Aufmerksamkeit.
Diese ist jedoch schwerer zu fassen und zu beschreiben, dennoch ist es nicht unmöglich.
Diese Form der Aufmerksamkeit hat nicht das Ziel etwas zu schützen, zu fördern, zu pflegen oder zu erhalten. Sie ist auch nicht an die Pflege einer Beziehung oder um ein angenehmes Gespräch mit dem Gesprächspartner interessiert. Sie ist schon gar nicht als angenehmer Zeitvertreib oder geselliges beisammen sein zu bezeichnen.

Die Abwesenheit von Unterhaltung ist in ihrer mildesten Form als Langeweile zu beschreiben.
Das Gegenteil von Pflege, Schutz, Förderung und Erhaltung können wir als Desinteresse, Verwahrlosung, fehlende Solidarität und Gleichgültigkeit bezeichnen.
Die Freundschaft wird zur Feindschaft, welche geprägt von unangenehmen Erlebnissen, Schmähungen, Beleidigungen und Unfreundlichkeit beschrieben werden kann.

Diese Aufgeführten Punkte fasse ich als „negative“ Aufmerksamkeit zusammen.

Das erste Fazit

Eine Unterhaltung ist fest mit einer Aufmerksamkeit und einem Ziel verbunden. Das verfolgen von „positiver“ Aufmerksamkeit oder „negativer“ Aufmerksamkeit hat unterschiedliche Ziele, Handlungen, Aussagen und Konsequenzen zur Folge. Darüber hinaus haben beide gemeinsam, dass sie einen Transfer von etwas beinhalten, dies können Emotionen, Informationen oder Geld sein.

Was tun wir, wenn wir uns langweilen? Wie verhalten wir uns, wenn uns eine angebotene Unterhaltung missfällt? Wie reagieren wir, wenn eine spannende Unterhaltung plötzlich und unerwartet unterbrochen wird?

Weshalb neigen wir dazu, wenn wir selbst Langeweile empfinden, dass wir uns lieber passiv Unterhalten lassen, als dass wir uns selbst aktiv Unterhalten (z.B. durch Produzieren, Machen, Erschaffen oder Erlenen)?

Die Folgen der Leistungsgesellschaft

Meine These:

  • Vielleicht sind wir zu erschöpft, ausgelaugt und überanstrengt und lassen und deswegen lieber Unterhalten?

Wir sind erschöpft von:

  • Der Arbeit
  • Den Problemen des Alltags
  • Das ständige berieseln von unnötigen Informationen
  • Den Alltagsroutinen
  • Von endlosen und ergebnislosen Diskussionen
  • Vom rücksichtslosen Verhalten Dritter
  • Den eigenen Bemühungen ständig „Up-To-Date“, am Puls der Zeit und trendig zu wirken.
  • Dem endlosen Vorspielen von kraftvoll, energisch, dynamisch und flexibel zu sein
  • Dem Versuch allen Ansprüchen genüge zu tragen
  • Von überzogenen, unerhörten und nicht erreichbaren Erwartungen anderer an uns selbst.

Weshalb tun wir uns das an?

Leiden wir etwa an Langeweile und haben zu viel Zeit? Haben wir nichts Besseres zu tun, als andere Menschen mit unserem Scheitern zu unterhalten?

Wer unterhält hier wen? Warum wird uns von anderen ständig abgeraten, einfach mal abzuschalten, sich ein gutes Buch zu nehmen, sich auf die Couch zu legen, einen Tee zu genießen und sich in aller Ruhe mit den Aussagen von Seneca zu beschäftigen? Was ist an dieser Handlung verkehrt? Ist sie etwa, für andere nicht unterhaltend genug?

Wovor haben wir Angst?

Wer hat uns gelehrt, dass wir etwas zu befürchten haben, wenn wir uns nicht ausschließlich mit den Erwartungen, Zielen und Ansprüchen anderer beschäftigen? Ist es nicht so, dass unser Umfeld nicht grundsätzlich so ausgewählt worden ist, dass er als sozial verantwortungsvoll und rücksichtsvoll bezeichnet werden kann? Gesetzt dem Falle, so sind wir von sozialen Wesen und einem sozialen Staat umgeben, der uns solidarisch Hilfe und Unterstützung gewährt, wenn wir arbeitslos oder krank werden. Beinhaltet das soziale und solidarische Verhalten auch die Gewährung von genug Freiraum, für eine Selbstbeschäftigung und tiefergehende Unterhaltung mit einem Buch oder der Fotografie? Das größte Risiko, welches besteht, ist, dass uns einige Freunde nicht unterstützten, sich abwenden und ihre Aufmerksamkeit, ihr Interesse auf andere legen. Welchen Verlust erleiden wir dann? Sind Menschen, welche uns nicht unterstützen, sich nicht rücksichtsvoll und unsozial Verhalten, tatsächlich als Freund zu bezeichnen? Teilt dieser mit uns dieselben Ziele und Interessen? Wer hat in diesem Falle wen unterhalten?

Es besteht kein Risiko, wenn du dich von solchen Menschen trennst.

Diese Menschen neigen darüber hinaus zu übertriebenen Neid, wenn sie erfahren, wenn andere mehr Unterstützung, Solidarität und Unterhaltsleistungen erhalten, welcher über das Maß eines rücksichtslosen, unsozialen und desinteressierten Wesens hinausgehen.

Menschen und Neid

Reaktionen wie Neid, Missgunst, Stress oder die Angst „zu kurz gekommen zu Sein“, sind sehr starke Triebkräfte, welche mit großer destruktiver Energie dafür Sorge tragen, dass Unterhaltungen (Dialoge, fokussierte Aufmerksamkeit, Interessen und Transferleistungen) möglichst vehement, heftig, stark kritisiert oder angegriffen werden, um sie zu unterbinden.

Dies verhindert das Lesen eines Buches, die tiefergehende Beschäftigung mit der Fotografie oder ein anspruchsvolles Training für ein Marathon. Dieses toxische und destruktive Umfeld entlarvt sich schnell durch den Satz: „Ich wusste, dass du es nicht schaffst!“

Leichtfertig wird hierbei übersehen, dass im Speziellen das toxische und destruktive Umfeld, in keiner Weise dazu beigetragen hat, dass irgendetwas erreicht wird. Diese Handlungen finden wir auch in „negativer“ Aufmerksamkeit und destruktiver Unterhaltung wieder.

Wir haben Angst in den Fokus „negativer“ Aufmerksamkeit zu geraten, weil wir Neid bei anderen ausgelöst haben.

Zwei Arten der Unterhaltung

Wir erkennen eine positive Art der Unterhaltung, sie ist geprägt von Freundlichkeit und Geselligkeit und baut auf einen Zugewinn für alle Beteiligten.

Dem Gegenübersteht eine negative Art von Unterhaltung, sie ist geprägt von Desinteresse und Unfreundlichkeit ihr Mittel ist die Zerstörung, während das „Destruktiv-Sein“ selbst als Unterhaltung wahrgenommen wird.

Das falsche Umfeld

Wir sind jetzt in Lage ein falsches Umfeld zu erkennen. Es ist laut, destruktiv, zerstörerisch, rücksichtslos und desinteressiert. Sämtliche Handlungen und Aussagen sind auf Schmähungen, Herablassungen, Beleidigungen beschränkt. Gerne werden die Handlungen und Aussagen als Komik oder Schadenfreude getarnt. Die erdrückende Wahrheit ist, dass sich ein falsches Umfeld an diesem Verhalten unterhält und nährt. Es sorgt dafür, dass etwas vergeht, verblüht oder ausbrennt. Eine Erhaltung oder gar Verbesserung des Zustandes ist nicht vorgesehen, diese Bemühungen werden vehement unterbunden.

Dieses Verhalten verurteilt die Individuen des falschen Umfeldes zu Einsamkeit und Unzufriedenheit. Deshalb leiden sie ständig an dem Gefühl übergangen worden zu sein. Leider ist das falsche Umfeld selbst nicht in der Lage, sich zu reflektieren und somit nicht im Stande zu verstehen, dass es selbst für seine Lage verantwortlich ist. Aus diesem Grund wird ein falsches Umfeld besonders aktiv, wenn es auf Menschen trifft, welche eine positive Aufmerksamkeit erhalten und von ihrer Geselligkeit, Freundlichkeit und unterhaltsamen Art profitieren und von Dritten sogar unterstützt werden. Oberflächlich betrachtet ist es der Neid, welcher ein Ventil findet. Der Stoiker nannte diesen Zustand „amathia“, er beschreibt den Zustand etwas nicht lernen oder erhalten zu wollen. Er steht im großen Unterschied zur „agnoia“, der in etwa beschreibt, dass man etwas nicht erhalten oder erlernen kann.

Die beste Form der Unterhaltung

Horace (ein griechischer Philosoph aus der Antike) erklärte:

„Ein Vortrag sollte unterhaltend, informativ und lehrreich sein!“

Viele verwechseln den unterhaltenden Teil mit Komik, Schmähkritik oder Schadenfreude. Er meinte aber, dass ein Vortrag oder ein Text (Interesse vorausgesetzt) nicht langweilt und Aufmerksamkeit fordert, weil wir etwas dazu lernen.

Im falschen Umfeld wird derselbe Text also eine andere Wirkung entfalten.

Das zweite Fazit:

Die Art der Unterhaltung ist wichtig!

Es existiert eine „negative“ Unterhaltung und es existiert eine „positive“ Unterhaltung.

Wir können uns jeder Zeit selbst aussuchen, welche Art der Unterhaltung wir in unser Leben einfließen lassen möchten.

Letztlich ist es egal was andere Behaupten oder Sagen:

Einzig die positive Form der Unterhaltung, ist eine erkenntnisvermittelnde, gesellige, freundliche und Interessen weckende.

Lass dich nicht von „negativen“ Unterhaltungen beeindrucken, bedrohen oder manipulieren.

Ich behaupte:

  1. Unterhaltungen, welche lehrreich und erfreulich gehalten sind, sind die einzig guten.
  2. Lernen aus Gründen der Selbst-Unterhaltung sind gut.
  3. Nur ein falsches Umfeld wird dich und deine Unterhaltung angreifen, desinformieren, deprimieren und ablenken.

Die PDF zum nachlesen:


Was hat die Fotografie damit zu tun?

Nun, ich fotografiere seit 1994 und habe mittlerweile ein Studium der Fotografie abgelegt. Für mich bedeutet es tiefe Entspannung und pure Freude, wenn ich mich nicht ausschließlich aus beruflichen Gründen mit der Fotografie auseinandersetze. Nicht zu selten werde ich von Hobbyfotografen angegriffen, wenn es um meine Beschäftigung geht. Ich vermute hier liegt auch der entscheidende Unterschied zwischen einem Hobbyfotografen und einem echten Vollblut Fotografen. Der Vollblut Fotograf ist es nämlich nicht möglich seine Beschäftigung mit der Fotografie auf einige Stunden in der Woche zu beschränken. Für mich ist die Beschäftigung mit der Fotografie mehr als nur ein Job, mehr als nur eine Beschäftigung. Die Fotografie selbst, sowie die die Beschäftigung mit der Philosophie, der Soziologie und Psychologie der Fotografie sind ein fester und liebgewordener Bestandteil meines Lebens. Es mag daran liegen, dass mir die Fotografie in den dunkelsten Stunden meines Lebens sehr geholfen hat, es mag daran liegen, dass ich durch die Fotografie ständig neue Menschen kennenlerne und es mag daran liegen, dass ich wirklich nichts anderes machen will in meinem Leben. Das ich meine Gedanken in einem Blog und in einem Podcast festhalten, ist das Ergebnis.Ich sehe es mittlerweile ganz locker und wenig verbissen. Jeder der einen besseren Artikel (als die meinigen) verfassen kann, soll diese veröffentlichen und mich davon in Kenntnis setzen. Gerne lerne ich von meinen Mitmenschen und anderen Vollblut Fotografen.

Hierbei achte ich allerdings sehr auf die Art der Unterhaltung. Denn die Artikel sollen tatsächlich nützlich, wissenswert und lehrreich sein. Eine verfasste Schmähkritik, die dem Verfasser als reine oberflächliche Unterhaltung dient, Aussagen voller Herablassungen und Diffamierungen, sind nicht zu vermeiden, aber ich nehme an diesen Unterhaltungen für ein verzichtbares Publikum nicht Teil.

Liebe Grüße Herr Rausch