Für das Denken werden wir nicht bezahlt

Liebe Fotofreunde,

heute machen wir uns mal Gedanken über unsere Tätigkeit als Fotograf.

Ich behaupte:

Ein Mensch, welcher aus Talent oder Faulheit einen intellektuellen Beruf ergreift, wie der eines Fotografen, Autoren, Philosophen, Soziologen oder gar Künstlers, hat es unter der degoutanten Namensbezeichnung Berufes besonders schwer.

Wir neiden ihm nicht nur seine Unabhängigkeit, wir sind obendrein auch noch besonders misstrauisch, wenn es um den Ernst seiner Sache, seiner Beschäftigung, seinen Gedanken und seinen Zielen geht.
Dieses geäußerte Misstrauen zeigt offen eine gewisse Unduldsamkeit, welche in vielen X-beliebigen Begründungen seine Bestätigung findet. Die eigentlichen, die wahren Gründe dieser Ressentiments, finden wir woanders.

Die intellektuelle Beschäftigung (bzw. das gründliche und tiefe Nachdenken), über die eigene Fotografie, sogar das Reflektieren und Nachdenken, über das eigene Leben, ist durch die sehr strenge Teilung in Arbeit und Freizeit, nicht mehr für den durchschnittlichen Menschen vorgesehen und erlaubt. Viel zu oft überlassen wir anderen Menschen (mit scheinbar mehr Sachverstand) oder künstlichen Intelligenzen (mit scheinbar mehr Leistungsfähigkeit), wirklich wichtige Entscheidungen in unserem Leben.
Oft sind es Menschen, welche sich nur sehr oberflächlich und kurz, mit unserem bisherigen Leben auseinandersetzen konnten und aus Gründen der Zeitersparnis einfach sehr viel weniger Empathie mitbringen als angebracht wäre, um sich fachkundig und sachgerecht, um die Gestaltung der Lebensführung anderer Menschen zu kümmern. Oft sind es Menschen, welche sich aus beruflichen Gründen, diese wichtigen und essenziellen Gedanken, um völlig unbekannte Menschen und ihre restliche Lebenszeit machen. Sehr oft übernehmen sie ungefragt und ungewünscht, für das „freie“ Individuum, dass höchst unattraktive und unbequeme „denken“ und entscheiden für andere.

Ist ja schön, das sie fotografieren! Aber ich helfe ihnen. Die Frage ist nur: „Tun sie es? Oder soll ich…?“

Die hat zur Folge:

Fotografen, welche sich unabhängig machen, sich des Druckes und den Zwang, des Geldverdienens durch die Fotografie entziehen. Fotografen denen „Likes“ auf sozialen Netzwerken, völlig egal sind, werden sich nicht ungestraft mit ihrer Beschäftigung der Fotografie weiter beschäftigen dürfen.
Mit der Ablehnung der nutzlosen „Like“-Währung, der Weigerung schnelle, billige und konsumierbare Facebook-Fotografie zu produzieren, wird ihnen zeitgleich jegliche Professionalität aberkannt.
Sie fallen in der Hierarchie der Fotografen und Betrachter nach ganz unten und werden zum Dilettanten, Nerd, oder „Hobbyknipser“ mit wirren Ansichten degradiert, dabei spielt es keine Rolle, wie viel Sachverstand vorliegt.

Wer heute als Fotograf Karriere machen will, muss selbst den stursten selbsternannten Foto-Fachmann, in seiner Borniertheit übertrumpfen.

Die nicht sichtbare und spürbare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit

„Arbeit“ welche sich nicht für andere sichtbar, wie Arbeit anfühlt, nicht mit schuften, plagen und ackern zu betiteln ist, ist in unserer Gesellschaft keine Arbeit, im Sinne der Arbeit. Wer seine Freizeit nicht gratis, für andere aufopfert, ist ein Spielverderber und Egoist.
Die Gesellschaft verrät uns hier ihre tiefe Abneigung gegenüber Menschen, welche nicht einfach nur Arbeiten, um stumpf und dumpf ihren Job auszuüben. Wir erkennen heute viel zu oft deutliche Spuren, dieser selbstausbeuterischen Lebensweise.

Dies ist jedoch ein geschätzter und gewollter Weg, sein Leben zu gestallten.

Meine Freizeit gehört mir ganz allein

Nur das Aufkündigen der strengen Trennung von Arbeitszeit und Freizeit und die ganzzeitliche Betrachtung von Lebenszeit führt zum Lustgewinn, Freude und Glück an der Arbeit selbst. Der positive Nebeneffekt macht sich spürbar, durch lustvolles erlernen von neuen Kompetenzen für die ausgeübte Arbeit. Gerade dieses erlernen von neuen Kompetenzen, das Erleben von Freude und Glück durch die Arbeit, wird von den stumpfsinnigen und dummen Jobverrichtern nicht gerne gesehen. 

Heute ist es normal geworden von einer „Work-Life“-Balance zu sprechen.

Diese Trennung von Freizeit und Arbeitszeit unter Ausschluss es als einen Teil der Lebenszeit zu betrachten, führte zu einer Abschaffung, der eigenen gedanklichen, sowie intellektuellen Auseinandersetzung, mit der eigenen Arbeit, dem eigenen Leben.

„Auf Arbeit machen wir stumpf, was verlangt wird. In der Freizeit wollen wir nicht, über das Leben nachdenken und uns lieber betäuben, um Montag wieder stumpf arbeiten zu können.“

„Für das Denken, werden wir schließlich nicht bezahlt.“

Fotografen, Künstler oder andere Berufstätige, welche diese Trennung aufheben, sind in jedem Falle, ihren stumpfen Kollegen im Vorteil. Denn sie sehen ihre Lebenszeit nicht als Verschwendung, schließlich ist ihre Arbeit, auch ein Teil ihrer Lebenszeit, welche sie genauso mit Sinn und Freude füllen, wie den Rest des Lebens auch. Dennoch sind gerade diese Menschen, welche ihrer Arbeit mit Freude und Sinn befüllen, der über den Sinn des Geldverdienens hinaus geht, in unseren doch so „freien“ und „toleranten“ Gesellschaft nicht gerne gesehen und in Wahrheit höchst unerwünscht.

Es wird für Ordnung gesorgt!

Viele sind gezwungen, mit der stumpfen Masse mitzulaufen, da sie selbst zu stumpf und dumpf sind und nicht in der Lage wären zu überleben.

Menschen, welche frei und unabhängig sind, werden rausgehalten und ausgeschlossen, weil sie der stumpfen Masse nicht folgen.

Es ist als räche sich der stumpfe und kulturlose Mensch, der sich vor seiner eigenen Verantwortung wissentlich drückt und unreflektiert, verantwortungslos zur Hemmungslosigkeit auffordern mit:

„Du sollst dir darüber keine Gedanken machen!“

Gerne reagieren sie mit hemmungsloser Brutalität, wenn wir sie auf ihren Zufluchtsort der Verantwortungslosigkeit hinweisen.

Gruß  

Euer Herr Rausch