Wofür ist Ästhetik wichtig?

Warum ist die Beschäftigung in Bezug auf Kunst, Design, unserem Lebenstil, unserer Lebensphilosophie, unseren Autos und unserer Fotografie wichtig?

1.      Wir unterschätzen die Kraft der Ästhetik

Ästehtisch ansprechende Dinge in unserem Leben, motivieren uns, wir finden sie nicht nur „schön“, sondern wir möchten ästhetisches erhalten, es uns bewahren. Ästhetische Dinge in unserem Leben bestärken uns und machen uns selbstbewusster.

2.      Wer sagt, Ästhetik sei unwichtig und zu vernachlässigen, liegt völlig daneben.

Wer von uns möchte in einer Wohnung wohnen, welche nicht das eigene ästhetische Empfinden als „schön“ entspricht? Wer möchte in einer signalgelben Wohnung leben? Die Auswahl der Farbe für die Wände, das Design der Einrichtung, die Auswahl des Wohnortes entspricht unseren ästhetischen Vorstellungen und es beeinflusst, wie wir fühlen und denken.

Jeder Mensch ist ein Künstler

Joseph Beuys

Er hat in diesem Punkt recht. Er meinte mit diesem Satz nicht, dass ein Jeder ein Autor, Bildhauer, Maler oder Musiker ist.

Die zentrale Aussage dieses Satzes ist: Jeder Mensch, Müllmann, Finanzbeamter, Friseur, Elektroinstallateur, usw. richtet sich sein Leben nach eigenen ästhetischen Maßstäben ein, diese Tatsache macht jeden Menschen zu einem Künstler in seiner Umwelt. Schließlich möchte sich ein jeder in seiner direkten Umgebung wohlfühlen.

Menschen, welche versuchen dir auszureden, dass du dir keine Gedanken über Ästhetik machen solltest, sind nicht ungefährlich. Denn der eigentliche Grund in dem Verlangen, dass du dir keine Gedanken machen sollst, liegt in dem Wunsch, dass ein anderer dir sagt was für dich schön sei. Koste es was es wolle. Gerne auch auf deine Kosten.

3.      Warum finden wir etwas „schön“?

Nicht nur ich mache mir sehr viele Gedanken darüber, warum wir etwas als „schön“ oder „erhaltenswert“ erkennen. Es existieren große Untersuchungen, warum wir Menschen einige wenige Dinge gemeinsam als besonders einstufen. Viele Wissenschaftler untersuchen tatsächlich warum wir als Menschheit das Taj Mahal, die Stadt Paris oder Wagners Oper oder das Gemälde „der Schrei“ von Munch, als besonders einstufen. Die Antwort auf diese Frage ist wesentlich komplizierter als angenommen. Wir müssen auch gar nicht soweit gehen, es reicht völlig aus, sich an den ersten iPod Nano zu erinnern. Dieses kleine heute unnötige Gadget galt als Meilenstein des Designs und er sieht bis heute einzigartig aus.

Dies brachte mich auf eine Frage, welche nicht nur in der Fotografie aktuell ist:

Warum erschaffen wir etwas, dass völlig überflüssig, obsolet und oberflächlich ist?

Warum ist es uns völlig egal, ob der Ästhetik unserer Werke? Warum machen wir Fotografien, welche wirklich alles sind, nur nicht erhaltenswert oder bewahrenswert?

Irgendwie wird es schon passen. Hauptsache „Likes“ von irgendwelchen anonymen Usern, von denen wir sicher sein können, ob ihr ästhetisches Empfinden unserem in etwas ähnelt. Denn „Likes“ oder das „Teilen“ in sozialen Netzwerken, kann auch Shitstorms beflügeln, weil eine Person es als besonders „schön“ empfindet, wenn ein anderer Mensch nach allen Regeln der Kunst richtig fertig gemacht wird.

4.      Was bringt uns die Beschäftigung mit der Ästhetik?

Diese Frage ist einfach zu beantworten: Fortschritt

Schließlich werden immer Menschen existieren, welche Fragen stellen, welche forschen, hinterfragen und etwas Neues entwickeln, um sich das Leben noch schöner einzurichten.

Und nein, es wird an dieser Stelle kein Ende geben, des es ist das Wesen des Menschen nur für kurze Zeit glücklich zu sein, dann gewöhnt er sich schnell an den Zustand, ihm wird langweilig und es muss was neues besseres her.
Einige wenige wünschen sich die Vergangenheit zurück, dies tun diese Menschen aber nicht ohne wenn und aber. Wer möchte heute noch auf einem C64 ca. 8 bis 9 Stunden seine Ego-Shooter spielen und diesen mit dem damaligen Internet verbinden. Wer möchte tatsächlich in einem VW Käfer nach Barcelona in den Urlaub fahren oder in einem Trabi. Wie sieht es mit den Medikamenten und der Krebsforschung aus? Möchten wir tatsächlich vom Wissenstand zurück in die 80er Jahre?

Nun die Beschäftigung mit der Ästhetik hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Heute geht es hauptsächlich um Geld, dies wird im Allgemeinen als sehr schön oder zumindest als beruhigend empfunden. Wer Geld hat, ist unabhängig, flexibel und genießt in der Gesellschaft einen höheren Status. Geld ermöglicht es uns die dafür benötigten Statussymbole wie einen SUV, eine Fotografie von Herrn Rausch und eine große Wohnung zu besitzen. Die Erfindung des Geldes ermöglichte es (zumindest in der Fantasie) jeden Menschen den Traum zu vermitteln, dass er, wenn er nur hart genug arbeitet, auch „Reich und Berühmt“ wird. Leider sieht die Realität anders aus. Die Spaltung zwischen den Menschen mit unglaublich viel Geld und sehr wenig bis durchschnittlich viel Geld wird größer und größer. Auch dies ist eine Auswirkung unseres Verständnis von Ästhetik.

Wo und wann ist für einen persönlich eigentlich Schluss? Wann kommt der Moment, an dem wir sagen, dies geht nicht noch besser, ich bin maximal glücklich und ich kann diesen Zustand über den Rest meines Lebens so halten?

Für die meisten von uns kommt eher der Zustand des Egalitären, wir sind es satt ständig dieser Möhre hinterher zu laufen, welche von unserem Reiter an einer Angel festgehalten wird und den Esel unter sich antreibt. Mehr versuchen aus dem Hamsterrad aus zusteigen, denn sie ahnen, dass es niemals genug sein wird. Gut, ich gehöre mit meinem Burnout auch zu diesem Teil der Menschen und wechselte meinen Beruf. Wichtig an dieser Stelle ist es, nicht nur einfach den Beruf zu wechseln, denn es bedeutet, dann einfach nur das Hamsterrad gegen ein Neues einzutauschen. Mir war bewusst, dass ich dann wieder in eine Depression und anschließenden Burnout rein renne. Aus diesem Grund war es wichtig, dass ich nicht nur eine leichte Umschulung vollziehe, sondern mein ganzes Leben auf den Kopf stellte. Ich erweckte meine große Leidenschaft „die Philosophie“ aus der Schule neu und begann mich mit dieser wieder zu beschäftigen. Die Therapien brachten mich mit der Psychologie und der Soziologie in Kontakt und erweckten neue Wissensgebiete für mich. Jedes Mal wenn ich die Landesbibliothek in Schwerin betrete und mich in den jeweiligen Fachgebieten rum treibe, erstarre ich ehrfürchtig, wenn ich realisiere, wie wenig ich eigentlich weiß. Heute beschäftige ich mich sehr gerne mit dem Stoizismus, er wurde im Antiken Rom praktiziert und die Eliten dieser Gesellschaft haben versucht diesen Stoizismus zu leben. Er geht von der Grund Annahme an, dass jeder Mensch in der Lage ist, ein besserer Mensch zu werden. Ziel ist ein lebenslanges Lernen, um sich als Mensch weiterzuentwickeln.

5.      Die Beschäftigung mit der Ästhetik ist eine philosophische Entscheidung

Denn keiner deine Konsumgüter verbessert sich als Menschen. Natürlich kannst du dir einen maßgeschneiderten Anzug kaufen, du siehst bestimmt darin gut aus. Spätestens wenn du dich aber darin bewegst und dich äußerst, wird sich aber dein innerstes Verständnis von Ästhetik verraten und dich sehr bescheiden aussehen lassen. Denn mit dem tragen eines Anzuges ist auch eine gewisse Etikette verbunden, mit der du dich beschäftigt haben solltest, damit du nicht lächerlich wirkst. Selbstverständlich kannst du die Beschäftigung mit dem Knigge in diesem Fall vermeiden, weil diese Benimm-Regeln sind nichts für dich. Aber genau hier liegt der Punkt, weshalb du lächerlich aussehen wirst. Dabei hätte es dir nicht geschadet den Knigge zu lesen, du hättest gewusst, dich dementsprechend zu benehmen und du hättest besser abgeschnitten. Das Erlernen ist in unserer Zeit aber viel zu mühselig und anstrengend und hat nichts mit dem realen Leben zu tun. Deshalb machen wir auch sehr viele Dinge, welche sich einfach nicht gehören, wir sind ohne Etikette und Benehmen. Dies sehen wir in vielen verfassten Kritiken, in dem Umgang mit unserer Umwelt und unserer Gesellschaft.

Das Fazit

Wenn du tatsächlich ein Künstler sein möchtest, dann bist du gezwungen dich mit der Ästhetik zu beschäftigen. Nur so wirst du selbst erhaben, gelassen, stets freundlich und schlagfertig sein. Nur auf diese Weise, wird es möglich sein, dich als Künstler zu lieben. Nur wenn ein Künstler geliebt wird, ist es wiederrum für ihn möglich, etwas wirklich unglaublich schönes, bewahrens wertes und elegantes zu erschaffen. Schließlich stecken alle Eigenschaften des Künstlers in einem Kunstwerk.

Wenn du allerdings weder elegant, gelassen, freundlich und schlagfertig bist, wird es sehr schwer werden, dich überhaupt zu mögen.

Gruß Herr Rausch