Was erwartest du von der Fotografie?

Ich verstehe, nicht warum Menschen erwarten, dass die Fotografie einen Sinn haben muss. Es scheint nämlich völlig akzeptabel zu sein, dass das Leben keinen Sinn hat.

Welche Erwartungen hast du an die Fotografie? Soll sie dich glücklich machen?

Viele übersehen, dass wir in einer übersättigten Publikumsgesellschaft leben. Sie erinnert dich täglich immer und immer wieder, an deine Unzulänglichkeiten verbunden mit der Forderung nach einem wirklich „guten“ Foto.

Mach doch mal ein wirklich gutes Foto! Eins das mir gefällt! 

Was das „wirklich gute“ Foto eigentlich ist, bleibt dabei meist undefiniert und unbesprochen. Das „gute“ Foto wird so ein Teil einer dunklen undefinierbaren Masse. Die Vermeidung einer Beschreibung des wirklich „guten“ Fotos, hat System. Auf diese Weise erhältst du als Fotograf keine benannten und messbaren Grenzwerte, so ist es sehr einfach dem Fotografen immer wieder lächelnd zu sagen, dass die gesehene Fotografie einfach nicht gut genug sei. So rennt der Fotograf nicht zu erreichender Erwartungen hinterher, ohne jemals die nicht eingegrenzten oder näher beschriebenen Erwartungen zu kennen.

Was erwarten wir von anderen Fotografen? Was erwarte wir selbst von gesehenen und betrachteten Fotografien? Sind diese Erwartungen überhaupt realistisch erreichbar?

Viele werden sich nun hinter ihrem „Unwissen“ verstecken, man sei schließlich kein Profi, aus diesem Grund könne man vorab keine Grenzwerte festlegen.

Wir alle (und jeder für sich), wissen sehr genau, was für uns ein schlechtes Foto ist! Dieser Vorgang nennt man die Bildung des Dispositiven. Es bedeutet, dass wir uns genaue gedanken machen, was wir uns nicht wünschen, erhoffen und erwarten. Nur gelingt es uns nicht nach Bildung des Dispositiven zu ermitteln, was den eine „gute“ oder einigermaßen „stichhaltige“ Fotografie wäre. 

Kunst liegt im Auge des Betrachters!

 -ist eine der meist eingesetzten Phrasen in diesem Zusammenhang. Es beschreibt die Erhöhung des Betrachters zu einem „Fürsten“ oder „König“. Der Betrachter steht über den Erschaffer des Werkes, über den Fotografen. Wenn es dem Fürsten beliebt in seiner großherzigen, erhabenen Weisheit ein Werk als ausreichend zu erkennen, dann ist dies so zu akzeptieren. Ein Fürst ist keine Rechenschaft schuldig. Dies ist auch der Grund, warum der Fotograf, der Künstler, der Erschaffer eines Werkes oder einer Fotografie ganz es allein versuchen soll, dem Fürsten in seinen geäußerten Wünschen zu befriedigen. Er wiederum wird uns mit voller Schadenfreude berichten, dass es zu teuer, zu billig, zu schnell, zu langsam, zu kreativ, zu ungenau, zu beliebig sei. Die Liste der Mängel kann beliebig verlängert werden. Leichtfertig wird übersehen, dass dein „Fürst“ es gar nicht vorgesehen hat, dich für deine Arbeit zu entlohnen. Der „Fürst“ möchte einfach nur unterhalten werden, sonst nichts. Deine Bemühungen sind völlig egal und sorgen für Belustigungen.

Der Kunde ist König

Ist nur bedingt ein richtig. Denn ein wahrer König ist im Besitz von Güte, Erhabenheit, Etikette und Edelmut. Ein wahrer König benimmt sich nicht wie heruntergekommener Landadel, der zufälliger Weise an Geld gekommen ist oder seine „Leibeigenen“ bis aufs Letzte ausnutzt und auspresst.

Solange wir unser sattes Publikum wie Fürsten oder einen König behandeln, wird es keinem von uns gelingen, etwas Zufriedenstellendes fertigzubringen. Egal was du als Fotograf unternimmst, es wird bei deiner „Kundschaft“ Kritik verursachen.

Ich frage dich nochmal:

  • Was erwartest du also von der Fotografie?
  • Wer hat die Macht über deine Kriterien in der Fotografie?
  • Soll sie dich glücklich machen?
  • Soll sie einen Unbekannten im Netz glücklich machen?
  • Hat es einen Sinn etwas zu fotografieren oder hat es keinen?
  • Wer bestimmt über diesen Sinn?
  • Was ist überhaupt der Sinn einer Fotografie?
  • Was müssen andere Menschen machen, damit dir ihre Kritik wichtig wird?

Grüße Herr Rausch

Ein Gedanke zu “Was erwartest du von der Fotografie?

  1. Pingback: Was erwartest du von der Fotografie? — Herr Rausch Fotografie | 12lensesin7groups

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.