Was ist in der Fotografie verboten?

Mein lieber Freund der Fotografie,

ich habe da einen Gedanken…

In der Fotografie ist alles erlaubt!

Es existieren keine Regeln, Gebote, Vorschriften. Du kannst deine Fotos genauso machen und bearbeiten, wie du es für richtig hältst.

Warum machen wir Menschen Regeln für die Fotografie?

Es ist ein weit verbreitetes Problem auf dieser Welt:

Wir sind als einzelne Person so von uns überzeugt, dass wir gerne alle anderen Menschen um uns herum zwingen möchten, dass andere Menschen alles genauso sehen, wie wir selbst es tun.

Dies ist nur mit Regeln, Verboten, Geboten, Anordnungen, Tabus und Glaubenssätzen möglich. Alle diese Punkte basieren auf einer ideologisch fundamentalen Sichtweise. Ich nenne die Menschen, welche gerne Regeln rezitieren oder fordern Foto-Fundamentalisten, Foto-Tyrannen, Pfeifen oder Foto-Despoten. All diese Foto-Fürsten neigen dazu, dass sie andersartige, nicht den Regeln entsprechende Fotografie vehement angreifen, bekämpfen, diffamieren, klein reden und zum selbst zum Foto-Troll mutieren. Diese Menschen lehnen eine Vielschichtigkeit der Sichtweisen ab, es sei denn es passt in ihren eigenen Rahmen und stabilisiert ihren eigenen jämmerlichen Machtbereich.

Du findest sie überall

Sie verbreiten sich wie eine Krankheit mit sehr hoher Ansteckungsrate. Einmal mit diesem Virus infiziert, schreiben sie dir vor, was du über die Fotografie zu denken, zu schreiben und zu wissen hast. Sie erklären dir genau, wie eine Fotografie zu rezipieren ist, was wir darin sehen sollen und wie wir uns dazu verhalten sollen. Dies zieht sich nicht nur, durch die Fotografie. Denn wir erkennen (genug Aufmerksamkeit vorausgesetzt), dass es diese „Lebens-Beamten“ in wirklich alle Bereiche des Lebens geschafft haben.
Ehrlich gesagt ist diese Art des tyrannischen Denkens sehr gefährlich.

Denn es erstickt das Leben und verschüttet es unter Regeln, Geboten und Vorschriften.

Ich habe es selbst erlebt, wie merkwürdig Menschen reagieren, wenn sie feststellen, dass sie einen nicht manipulieren können. Es zieht sich wie ein roter Faden durch meine Geschichte. Ich sollte meinen Blog umwandeln in eine „Filmkritiker“ Seite, mit meinem Buch „Moral und Ehtik“ hatte ich, nicht nur eine „merk“-würdige Besprechung, welche darauf abzielt, dass ich mit meinem eigenen Buch nicht machen kann was ich will. Ich bekam es am Wochenende in der Kneipe zu hören, wenn meine Themen wieder mal vom Tisch gefegt werden und ich mir stattdessen interessante Geschichten über Tinder-Dates anhören sollte. All die Beteiligten zeigen ein unausgeglichenes und wütendes Verhalten, wenn man ihnen sagt: „Das Interessiert mich aber nicht. Es ist nicht mein Ziel oder Thema.“

Jeder für sich kannte den Schlüssel zum guten und richtigen Leben und macht ihn zum Dogma für andere.

Wenn Regeln zur Tyrannei führen!

Henri Cartier-Bresson war einer der bekanntesten Foto-Tyrannen. Er glaubte tatsächlich den einzig wahren Schlüssel für moderne Street-Fotografie in der Hand zu halten. Allerdings sind seine Weisheiten heute veraltet, seine Welt entspricht in keiner Weise mehr der unseren modernen Welt. Seine Regeln sind heute sind heute 60-70 Jahre alt und gehören zur Vergangenheit. Natürlich kannst du dich mit diesen Regeln auch mal beschäftigen, genauso wie mit den Regeln der Stoa (sie ist über 2000 Jahre alt), diese ohne weiteres nachdenken zu adaptieren, kopieren und zu sagen:

„Das ist es. Der Stein der Weisen.“

Ist es höchst lächerlich.

Die veralteten Regeln der Street-Fotografie:

  • Es ist nicht erlaubt ein Bild zu zuschneiden.
    Es muss genauso fotografiert werden, wie es später an der Wand hängt. Wer hängt Bilder heute noch an die Wand? Wer betrachtet die Bilder von heute, nächste Woche und im nächsten Jahr nochmal?
  • Street Fotografie soll in monochrome gehalten sein.
    Es waren seiner Zeit die stabileren Filme und die Entwicklung ging mit weniger Material wesentlich schneller. Für Zeitungen war es zu dieser Zeit sehr viel leichter schwarz/weiß zu drucken als in Farbe. In Zeit der heutigen Digitaltechnik und der Geschwindigkeit, wie wir etwas veröffentlichen und drucken können, ist das umwandeln in S/W eigentlich ein herber Zeitverlust.
  • Die Ideale Brennweite für Street Fotografie beträgt 50mm.
    Natürlich, erscheint es so. Das 50mm Objektiv ist klein robust und war sogar kriegserprobt. Es wurde in großer Masse gefertigt und war überall zu bekommen zu dem war es leicht und hat das Gewicht nicht wesentlich beeinflusst. Teleobjektive oder Weitwinkelobjektive waren auch damals schon teuer und der Fotograf viel damit auf wie ein bunter Hund auf Koks.
    Heute fällst du auf der Straße auf, wenn du eine Kamera in der Hand hast. Wenn du mit deinem Smartphone fotografierst, hast du weit aus weniger Probleme, es wird nicht mal wahrgenommen, dass du fotografierst.
  • Es ist nicht zulässig mit Blitz zu fotografieren.
    Auch die Blitztechnik hat sich heute so sehr verändert. Macht euch mal auf die Suche, nach den Blitzen aus der Zeit von 1950. Es ist kein Wunder, dass ein Street Fotograf das Gedöns nicht mitnehmen wollte.

Du brauchst dir aber keine Sorgen machen, ich verbiete dir nicht, nach diesen heiligen und untastbaren HCB Regel zu fotografieren. Du kannst gerne mit ihnen zusammen sterben und sie während deiner letzten Atemzüge nochmal wiederholen. 

Lebe im 21. Jahrhundert

Die Welt, die Technik und die Fotografie hat sich geändert. Somit sind deine heiligen Regeln aus dem 20. Jahrhundert für mich nicht bindend.

Vielleicht muss ich sonst noch das Blockdenken wiedereinführen und die gesellschaftliche Stellung der Frau aus dem 19. Jahrhundert übernehmen?

Behalte deine Regeln bitte für dich!

Wir haben heute Social-Media, Smartphones, sehr günstige hochgezüchtete digital Kameras und 4k Videotechnik. Ein Ende von neuen Entwicklungen ist nicht in Sicht und schon heute ist ein Smartphone nach zwei Jahren technisch veraltet.

Was will man also mit diesen veralteten Regeln erreichen?

——————————————————————————————————————–

Was zeichnet den Fotografen des 21. Jahrhunderts aus?

Die Antworten werden sehr unterschiedlich ausfallen. Sie hängen davon ab, ob du kommerziell die Fotografie betreibst oder unkommerziell deiner Leidenschaft folgst.

Es sollten aber Regeln des 21. Jahrhunderts sein und nicht irgendein Blödsinn aus den Anfängen des 19. Jahrhundert.

Natürlich existieren keine Regeln in der Fotografie

In Zukunft wird nur nicht mehr alles erlaubt sein. Dies bedeutet nicht, dass es automatisch verboten ist. Ich bin neugierig auf die Antwort am Ende des Lebens, wofür die Fotografie des 21. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen wird.

Mein Tip:

Entdecke deine eigene Persönlichkeit und deinen eigenen Geschmack. Schule dich in der Ästhetik der Fotografie und entwickle deine eigenen Schönheitsideale. Sei dir selbst treu und verkaufe nicht deine Seele an Ausbeutern.

Alles ist erlaubt in der Fotografie des 21. Jahrhunderts

Lasse dich nicht von konservativen Foto-Tyrannen zurückhalten und lasse sie einfach Platzen.

Werde dreist!

Liebe Grüße eurer Herr Rausch