Was ist Stil?

Warum ist er wichtig? Warum ist es wichtig wie wir Stil definieren? Wie wird Stil bestimmt? Ist er selbstbestimmt oder fremdbestimmt?

Wenn wir „Stil“ im Internet nachschlagen erhalten wir folgende Information:

  1. Art und Weise, in der jemand spricht oder schreibt.
  2. Für einen Künstler oder einer Epoche typische Ausdrucksform; charakteristischer Art, in der ein Kunstwerk oder ein Bauwerk gestaltet ist.
  3. Art und Weise wie man sich verhält.

Die Wikipedia spricht von einer charakteristischen Erscheinungsform (einer Sprache oder eines Kunstwerkes) oder das einheitliche Geprägte der künstlerischen Erzeugnisse einer Zeit.

Der Begriff „Stil“ kommt aus dem lateinischen „Stilus“ und bedeutet so viel wie ein Stift oder ein Spitzes Werkzeug zum Schreiben.

Ich interpretiere den Stil folgender Weise:

Dein Stil, ist der Eindruck, den du bei anderen hinterlässt!

Dein Stil ist der Ausdruck, deiner Persönlichkeit, welche alle drei angesprochenen Punkte nutzt, um etwas von dir selbst, bei Anderen zu hinterlassen.

Das Problem:

Wir verwechseln oder Vergleichen Stil mit Ästhetik.

Dein Stil, deine Ausdruckform, dein Verhalten, deine Äußerungen, deine Art zu Diskutieren. Dein fotografische Stil ist deine Bildsprache und deine gewählten Mittel dazu.

Ästhetik ist etwas anderes

Sie beschreibt die Lehre der sinnlichen Wahrnehmung, welche wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Beides beruht jedoch auf unsere Ausdrucksweise, unseren Wortschatz. Die Wörter und Begriffe, welche wir benutzen, um unsere Welt zu beschreiben oder uns dazu zu äußern, beschreiben unsere Realität, in der wir leben. Somit sind deine Äußerungen, welche du über Dinge, Menschen und Situationen von dir gibts auch ein Relikt deiner zurückgelassenen Sichtweise.

In den häufigsten Fällen sind es erzeugte Emotionen, welche durch dich und deinem Stil zurückgelassen werden.

Welche Emotionen möchtest du gerne zurücklassen? Und welche Emotionen lässt du tatsächlich zurück? Welche Emotionen willst du zurücklassen?

Dein Stil beschreibt somit dein gemachter Eindruck bei anderen Menschen. Der Stil ist unter anderem auch die Fähigkeit, seine Emotionen in einem Kunstwerk oder einer Fotografie zurückzulassen. Ich denke es sollte bei jedem von uns auch zum Stil gehören, sich in der Ästhetik zu schulen. Ein jeder ist in der Lage genau zu erklären, wie er seinen Tee oder Kaffee trinken möchte und warum. Nur bei Kunstwerken und Fotografien kommen wir ins schwimmen und werden unsicher und sehr ungenau in unserer Beschreibung.

Ist ein Kaffee oder ein Tee etwa wichtiger als ein Kunstwerk oder eine Fotografie?
In beiden Fällen geht es um das Selbe.
Es geht um den Genuss für die Seele.

Alle diese Dinge nehmen wir mit Hilfe unserer Sinne wahr und letztlich in uns auf. Wenn wir sie aufgenommen haben und diese Dinge in uns drin sind, machen sie etwas mit uns.

Wer an dieser Stelle der Meinung ist, dass es egal ist was wir aufnehmen, egal ob Tee, Kaffee oder Kunst. Du kannst dich auch mit Drogen vollstopfen und dein Gehirn weich kochen. Dann ist es völlig in Ordnung.

Aber schreibe anderen nicht vor, was sie zu tun und zu lassen haben, damit du dich mit deiner Gleichgültigkeit (dir selbst gegenüber) beschäftigen kannst.

Gleichgültigkeit sich selbst gegenüber ist auch ein Ausdruck von Stil

In der Fotografie ist folgende Frage, eine ästhetische Hinterfragung und Schulung des eigenen Stiles:

Warum fotografierst du deine Fotografien so wie du sie fotografierst?

Die Beantwortung, des Warum ist hierbei eine „gute Grundlage“ den eigenen derzeitigen Stil überhaupt zu finden. Es wird nicht überraschen, dass sich die Beantwortung dieser Frage im Laufe der Zeit nämlich ändern wird. Heute finden wir nämlich Dinge gut, welche wir in 20 Jahren wahrscheinlich nicht mal mehr als würdig ansehen, dies liegt an der Änderung des Menschen und seinem Stil. Aus diesem Grund ist es nämlich absoluter Blödsinn an einem Stil festzuhalten und sich nicht weiter zu entwickeln. Auf diesem Planeten werden seit Jahrmillionen Dinge aussortiert, welche sich nicht weiterentwickeln, deswegen ist eine ständige Arbeit am eigenen Stil unerlässlich.

Bist du ausgeglichen, provokant, enthusiastisch, mitreißen, tyrannisch, rechthaberisch oder offen, ehrlich, durchdacht, planend? Bist du streitsüchtig, diskutierfreudig, milde, ermutigend oder eingrenzend, zaghaft, kleinlich? Erkläre mir deinen Stil?

Verstehe mich nicht falsch

Es spricht nichts dagegen, wenn du dich innerhalb eines Fotoprojektes auf einen bestimmten Stil festlegst. Zeitweise ist dies sehr zweckmäßig. Lasse es aber nicht zu, dass du dich auf einen bestimmten Stil begrenzt, so vermeidest du auch dich selbst zum Sklaven für andere zu machen und kannst dich frei entwickeln.

Wie wichtig ist der Stil?

An dieser Stelle kann ich dir nicht genau sagen, wie wichtig er dir dein Stil sein sollte, dafür sind wir alle zu unterschiedlich in unserem Wesen und unserem Stil.

Deshalb kann ich nur meine eigene Sichtweise über die Wichtigkeit des Stiles erklären.

Ein guter Fotograf hinterlässt mit seinen Fotografien eine Emotion oder einen Eindruck, der vorher nicht vorhanden war.

Ob die Emotion oder der Eindruck gut oder schlecht ist, spielt hierbei keine Rolle. Denn wir können es nicht allen Menschen recht machen und sollten dies auch nicht versuchen. Wichtig ist allein, dass du Menschen überhaupt mit deinen Fotografien erreichst. Der größte Teil unserer uns umgebenden Menschen ist nämlich visuell völlig übersättigt und reagiert so gut wie gar nicht mehr, auf egal was sie sehen.

Ich habe festgestellt, dass es für mich wesentlich besser ist, wenn ich negative Reaktionen hervorrufe. Es hilft mir die Menschen zu entlarven, welche mich und meine Sichtweisen nicht leiden können. Ich bin so in der Lage die Antagonisten meiner Person und meiner Sichtweise auszusortieren und zu filtern.

Es ist Fatal, wenn wir Fotografien produzieren, welche den Menschen egal sind und sie deshalb nicht reagieren, weil wir sie damit zu Tode sedieren.

Mit anderen Worten:

Es ist besser eine Fotografie zu produzieren, welche von 100 Menschen gehasst und bekämpft wird als 100 Fotografien zu produzieren, die allen völlig gleichgültig sind und maximal für einen wertlosen „Like“ auf Facebook oder Instagram reichen.

Vermeide Langeweile!

Ich selbst kenne Fotografen, welche seit Jahren ein und denselben „Stil“ fahren und sich darauf versteifen. Sie berufen sich darauf, dass ihr Publikum angeblich diesen Stil liebt. Ich möchte nicht abstreiten, dass es eine gewisse Zeit gut geht. Wir leben allerdings in einer schnelllebigen Zeit, welche geprägt von Veränderungen ist, um es mit anderen Worten zu sagen:

Wie lange kannst du am Morgen täglich zwei Leberwurst Brötchen frühstücken, bis es dir zu langweilig wird?

Irgendwann kannst keine Leberwurst mehr sehen.

Es liegt nicht daran, dass du sie nicht magst. Du hast sie einfach nur zu oft gegessen, dass dir kein Genuss mehr möglich ist. Aus diesem Grund ist es sehr gefährlich sich auf eine bestimmte Art und Weise der Fotografie zu versteifen und es dann als seinen eigenen Stil zu deklarieren.

Den Betrachtern wird es irgendwann langweilig und dem Fotografen auch. Es geht dann sehr schnell, dass du in die Gleichgültigkeit abrutschst und in der Versenkung verschwindest. Stelle dich den Herausforderungen des Lebens!

You don’t make a photograph just with a camera. You bring to the act of photography all the pictures you have seen, the books you have read, the music you have heard, the people you have loved.“ 

(Referenz: https://beruhmte-zitate.de/autoren/ansel-adams/)

Lasse es also zu, dass du dich veränderst, dass du dich entwickelst und dass du dich erweiterst. Mit langweiligen, berechenbaren und despotischen Fotografen, will keiner lange zu tun haben.

Nutze die Fotografie, um deine eigenen Fortschritte zu dokumentieren. Fotografiere heute deine Sichtweisen so, wie du es für richtig hältst und überrasche dich damit, wenn du dir deine eigenen Fotografien in 10 oder 20 Jahren nochmals ansiehst. Das Leben ändert sich und kein fotografischer Stil wird sich dem beugen können.

Versuche als erstes dich selbst mit deinen Fotografien zu beeindrucken.

Erzähle fröhliche und spannende Geschichten, wie und was du im laufe der Zeit durch deine Fotografien dazugelernt hast.

Erkläre deinen Mitmenschen, warum du heute anders als früher fotografierst.

Lege dein Herz in jede einzelne Fotografie, welche du erschaffen wirst. Die Fotografie wird es dir Danken und dir deine Entwicklung zeigen.

Fotografiere, was dich in deinem Wesen voran bringt.

Eure Herr Rausch