Wie wird man ein besserer Kritiker?

Die Bestrebung ein besserer Fotograf zu werden, steht in engem Zusammenhang ein besserer Kritiker zu werden.

In der Entwicklung als Fotograf, kommt jeder an einen Punkt, indem immer besser gelingt, die gesehenen Arbeiten im Verhältnis zu den eigenen Arbeiten zusetzen. Das Erkennen dieses Unterschiedes und letztlich die Formulierung dieser Unterschiede nennt wir Kritik.

Wer als Kritisierter genau zuhört und die Aussagen analysiert, wird schnell feststellen, ob es sich tatsächlich, um eine konstruktive Kritik handelt oder ob eine Person dich einfach nur herablassend behandelt.  Im Allgemeinen gilt folgende Regel, für den Kritiker und den Kritisierten:

„Wenn er es besser gekonnt hätte, hätte er es besser gemacht!“

Deswegen sind Herablassungen, Diffamierungen, Beleidigungen und Schuldzuweisungen völlig wirkungslos.

Eine gute Kritik sollte andere Photographen helfen, sie in ihrem Wissen erweitern und mindestens eine Erkenntnis vermitteln und nicht einfach nur auf Fehler hinweisen.

Was ist überhaupt eine Kritik?

Eine Kritik ist die Bildung eines Urteiles, über etwas. Dies kann ein Mensch sein, ein Kuchen, eine Fotografie, ein Kunstwerk oder ein Gedankengang. Die Kritik ist also die Beurteilung dieser Welt, aus der Sicht des Kritikers.
Erschwerend kommt hinzu, dass wir in einer Überflussgesellschaft leben und uns alles wirklich alles im Überfluss zur Verfügung steht. Die Folge dessen ist, dass es immer mehr Menschen gibt, welche vergessen haben, was Erschaffen oder Konstruktivität ist. Dies liegt an dem schier unermesslichen Überfluss von allem, denn, damit diese Menschen überhaupt etwas Auswählen können, sind sie gezwungen über das „Dispositiv“ Mängel und Fehler aufzuspüren, um die Unbegrenzte Auswahl in einen überschaubaren Rahmen zu bringen, dies ist mitunter sehr zeitaufwändig. In der Regel, wird es aber sehr oberflächlich und schnell vollzogen.

Es ist tatsächlich so, dass wir uns immer weniger Zeit nehmen, um uns ein vernünftiges, tiefgreifendes und fundiertes Urteil zu bilden.

Nachdem du nun diese Erkenntnisse aufgenommen hast, hast du nun zwei Möglichkeiten, welche Form von Kritiker du annehmen möchtest. 

Formen der Kritik:

  • Die Form des Massenkritikers oder des Massenmenschen:
    Er urteilt schnell, unvernünftig, beleidigt und entwertet. Der Massenmensch zeichnet sich durch seine „Durchschnittlichkeit“ aus. Durchschnittlichkeit bedeutet allerdings auch, dass man kein besonders ausgeprägt guten Geschmack hat, es bedeutet, dass man nicht besonders kultiviert ist, es bedeutet, dass man wirklich nichts besser kann, als der Rest, um einen herum. Der Massenkritiker, lehnt „Besonderes“ ab und entwertet es zwanghaft, um seinen durchschnittlich schlechten Geschmack zu schützen. Seine Äußerungen sind in besonderem Maße dadurch ausgezeichnet, dass sie unreflektiert sind.
  • Der vorbildliche Kritiker:
    Er ist ein Vorbild für andere und entspricht nicht der Masse. Er nimmt sich Zeit für dich, deine Werke und urteilt nicht innerhalb von zwei Sekunden. Er verfügt über Fachwissen (auch Expertise genannt), er überlegt lange und gründlich, um sich ein Urteil zu erlauben. Dieses Urteil beruht dann auf echtem Wissen und Verständnis und ist tatsächlich hilfreich. Vorbildliche Kritiker haben erkannt, dass nur eine nutzen bringende Kritik eine gute Kritik ist. Sie dient in diesem Falle nicht der eigenen Erhöhung oder zur Fütterung des eigenen Egos, um andere abzuwerten. Er ist in der Lage Informationen zu vermitteln, die den Kritisierten nicht beleidigen und ihn in seiner Entwicklung weiterbringen. Ein weiterer Vorteil einer konstruktiven Kritik ist, dass zukünftige Fehler vermieden werden, weil der Kritisierte, etwas gelernt hat. Der Kritisierte bleibt optimistisch und fröhlich, auch wenn ihn eine Kritik erwischt.

Wie sieht die Realität aus?

Wenn wir uns als Fotografen umschauen, dann sehen wir unglaublich viel negative, herablassende und nutzlose Kritik. Vielen Kritikern geht es eher darum etwas als „vollkommene Scheiße“ zu deklarieren, als auch nur einen einzigen Millimeter weiterzuhelfen.

Was müssen Menschen eigentlich besonders gut können, um etwas als „vollkommene Scheiße“ zu erkennen? Was ist der Nutzen?

Mit großem Abstand, ist dieser Massenkritiker in der Mehrheit, sie haben den Klimawandel, mittlerweile als „vollkommene Scheiße“ erkannt, aber was ändert ihr Urteil darüber? Der Massenmensch und der Massenkritiker ist nämlich nicht in der Lage irgendetwas auf dieser Welt in etwas positives zu verändern, es würde dazu führen, dass sich der Einzelne, aus der Masse herausheben müsste und etwas anders macht, als die Mehrheit. Dies wird Kritik zur Folge haben, welche der Massenmensch auf Grund seiner niedrigen Selbstwertes fürchtet. So kommen wir dann zum gegenseitigen volljammern, dem gegenseitigen Bestätigen von irgendwelchen Mängeln und Bekundungen von Verständnis, ohne dass sich in irgendeiner Form auch nur das geringste ändert. Es ist der Boden auf dem „gut“ bürgerliche Gesellschaften entstehen, welche sich durch ihr konservatives Verhalten auszeichnen.

Du kannst dich entscheiden, ob du ein Massenkritiker bleiben möchtest!

Wie übt man eine konstruktive, nutzen bringende Kritik?

  • Erkläre erst, was dir an dem Werk gefällt. Kläre den Fotografen darüber auf, warum dir das Werk überhaupt aufgefallen ist.
  • Erkläre was dir am Werk nicht gefällt. Kläre auch hier, warum dir etwas nicht gefällt.
  • Erkläre dem Fotografen, welche Verbesserungen oder Änderungen nötig wären, damit du als Kritiker in Zukunft voller Freude auf seine Werke schauen kannst. Erkläre hierbei auch, wie der Fotograf dies erreichen kann.

Es wird jedem einleuchten, dass bei dieser Vorgehensweise genug Informationen vermittelt werden, dass der Kritisierte genug Informationen bekommt, dass es zu einer Zunahme von Erkenntnis kommt.

Die Kunst der Kritik

Natürlich kannst du selbst deine Kritik zur hohen Kunst entwickeln. Hier wird dann der Grad deiner Kultiviertheit erkennbar. Du wirst nämlich zeigen müssen, wie gut du dich ausdrücken kannst, du wirst nachweisen müssen, wie sehr es dir an einer kultivierten Diskussion liegt. Der Versuch deine Kritik in eine Kunstform zu verwandeln, wird wie ein Skalpell funktionieren und all deine Schwächen frei legen.Viele Kritiker versagen hier schon an der Grundlage des Ganzen: „Der Ton spielt die Musik“

Wir benötigen eine gewisse Raffinesse, um eine gute, konstruktive und nutzen bringende Kritik hervorzubringen.Als Faustregel könnten wir annehmen:
„Möchtest du mit den Worten deiner eigenen Kritik auch getroffen werden?“

Ist ja schön, das sie fotografieren! Aber ich helfe ihnen. Die Frage ist nur: „Tun sie es? Oder soll ich…?“

Würdest es dir weiterhelfen, wenn dich eine andere Person mit denselben Worten kritisiert, welche du selbst, für andere verwendest? Es geht nicht darum, eine andere Person und ihre Leidenschaft zu zerstören oder ihre Freude an etwas. Es geht auch nicht darum, dass du deine Position als „Platzhirsch“ verteidigen musst. Es geht darum, dass du offen legst, wie du mit anderen Menschen umgehst, wenn du eine Kritik verfasst. Das Verfassen einer Kritik sagt in Wahrheit mehr, über den Kritiker (dich selbst) aus, als das Werk.

Viel Freude Herr Rausch