Visuelle Kommunikation

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Uns Menschen wird die Kommunikation via Bilder, quasi in die Wiege gelegt. Sie ist uns so vertraut, dass wir Botschaften, Nachrichten und Informationen weitaus schneller erfassen, als dass es uns beim Lesen eines Textes möglich ist.

Schließlich kommunizieren wir Menschen via Bildern seit unserer Existenz als Spezies Mensch.

Leichtfertig wird an dieser Stelle behauptet, dass die Kommunikation via Text der Bildsprache sehr ähnlich ist, aber sie funktionieren völlig unterschiedlich.

https://www.suhrkamp.de/buecher/sprachen_der_kunst-nelson_goodman_28904.html

Texte und Bilder im Kopf

Texte bestehen aus Wörtern und Begriffen, diese aus Buchstaben. Der Buchstabe A steht hierbei, für den Laut A. Natürlich existiert noch eine extra Lautschrift, die Schreib- und Leseweise müssen wir erlernen. Genauso wie wir das Lesen und Schreiben überhaupt erlernen müssen.

Der große Unterschied in Bildern im Vergleich zum Text ist:

Wir Menschen müssen ein Bild vergegenwärtigen, um es zu erkennen bzw. zu lesen.

Dies bedeutet, der Mensch muss das Gesehene in seinem Kopf in Worte, Begriffe und Kategorien beschreiben und erfassen. Das Gesehene erzeugt allerdings sofort ein Gefühl in uns, dies geschieht noch bevor wir es überhaupt realisiert haben, was wir da gesehen haben. Der Prozess der Vergegenwärtigung geschieht etwas zeitversetzt. Wir erwischen uns manchmal selbst dabei, wenn wir uns erschreckt haben und einige Sekunden später realisiert haben, dass es halb so schlimm war. Das Vergegenwärtigen eines Bildes, ist hierbei eine äußerst interessante Sache. Denn wenn wir uns ein gesehenes Bild vergegenwärtigen, müssen wir Wörter, Begriffe und Kategorien benutzen, welche uns von unserer Umwelt beigebracht wurden. Ich wiederhole es gerne nochmal, da es wirklich wichtig ist:

Uns wurde durch unser soziales Umfeld beigebracht, wie wir etwas zu sehen haben.

Der Große Unterschied zwischen Text und Bild

Bilder transportieren uns erst Gefühle und dann Wörter, Begriffe und Kategorien in unseren Kopf. Während der Autor eines Textes, uns durch seine genutzten Wörter, Begriffe und Kategorien ein Bild in unseren Kopf zaubert, welches ein Gefühl auslöst. Hierbei ist die Verwendung des Textes wesentlich eingeschränkter als das Bild. Denn wenn ich von einem niedlichen blauen Eisbären schreibe, sind die Vorstellungen über diesen Eisbären im Wesentlichen vergleichbar.

Die Bildsprache ist an dieser Stelle um einiges freier.
Denn beim Erfassen des gesehenen Bildes, sind wir gezwungen unseren Wortschatz einzusetzen. Die Auswahl der Wörter, Begriffe und Kategorien hängt festverbunden mit unserer Lebensphilosophie zusammen. Denn diese Lebensphilosophie prägt unsere persönliche Sichtweise, auf die uns umgebende Welt.

Das Sehen müssen wir erlernen

Als Beispiel:

Ein Europäer, ein Nationalsozialist und ein Afrikaner, sehen eine Fotografie von ertrinkenden Menschen im Mittelmeer.

Wir werden uns schnell einig, dass es sich in allen drei Fällen um die Spezies „Mensch“ handelt und doch werden die Reaktionen auf die Fotografie unterschiedlich ausfallen.

Dies liegt daran, dass unser aktuelles Lebensumfeld unsere Lebensphilosophie beeinflusst, dies führt zu verschiedenen Sichtweisen in der Betrachtung von ein und demselben Bild.

Ein nicht unwichtiger Teil in der Bildung unserer Sicht- und Denkweise findet in der sogenannten Prägephase unserer Kindheit statt. Von Geburt an, bis zur Pubertät prägen im wesentlichem Maße unsere Eltern und andere Familienmitglieder unser Weltbild und damit unsere Sichtweise auf den Menschen. Es wurde immer wieder genau erklärt, wie sich ein „richtiger“ Mann, ein „richtiger“ Deutscher, ein „guter“ Mensch letztlich zu verhalten hat, damit wir vornehmlich in unserem sozialen Umfeld angenommen werden. Hierbei dürfen wir nicht vergessen, dass wir als Kinder von unseren Eltern in Abhängigkeit und nicht daraus kommen.

Die Prägung aus dieser Zeit wird uns den Rest des Lebens begleiten und lässt ich nicht ohne weiteres revidieren. Hierfür sind sehr viele Anstrengungen nötig, um sie überhaupt in Fragestellen zu können.

Dies führt zeitweise zu völlig schrägen Verständnis dieser Welt.

Fehlinterpretation durch falsche Prägung

In meinem Umfeld existieren einige Menschen, welche fest davon überzeugt sind, dass es ein Fotografen-Gen gibt. Natürlich sind diese Menschen in der Überzeugung, dass gerade sie im Besitz dieses Genes sind. Denn sie schließen jegliches erlernen über das eigene Sehen kategorisch aus. Es wäre nämlich gegen ihre Lebensphilosophie.
Interessanterweise müssen Radiologen und Röntgenärzte ihren Beruf sehr intensiv studieren, um anschließend ihre eigenen Fotografien richtig interpretieren zu können. Außerdem existiert die Fotografie selbst noch nicht lange genug, um ein spezielles Gen im Menschen hinterlassen zu können.

Die Sprache der Bilder und Zeichen nennt sich Semiotik und Semantik. Sie sind ein wichtiger Teil der Kommunikation und haben eigene Wissenschaften gebildet.

Hier liegt auch der Grund, dass es möglich ist, dass die Fotografie ein Studienfach an einer Universität ist.

Deine Lebensphilosophie und das Sehen

Sage und zeige mir wie du die Dinge dieser Welt siehst und ich sage dir was du für ein Mensch bist.

Herr Rausch

Es kann sein, dass du als Fotograf große Probleme damit hast, wenn andere Menschen etwas nicht genauso sehen wie due selbst. Es hängt mit deinem Selbstverständnis und deiner Lebensphilosophie zusammen.

Denn wir können nur sehr ähnliche Gefühle und Reaktionen bei den Betrachtern unserer Fotografien erwarten, wenn sie eine ähnliche Lebensphilosophie und damit Sichtweise auf die Dinge dieser Welt haben. Sobald der Betrachter ein anderes Verständnis von sich, von dir und dieser Welt hat, wird er völlig andere Dinge in deinen Fotografien erkennen, als du es überhaupt für möglich hältst.

Dies liegt daran das wir Menschen idiosynkratische Wesen sind. Diese Tatsache lässt den Schluss zu:

Fotografien sind grundsätzlich subjektiv!

Somit spielt es überhaupt keine Rolle, welche Kamera und welche Ausrüstung du nutzt, es ist gleichgültig welche Soft- oder Hardware du nutzt, es ist unwichtig wie du deine Bilder bearbeitest.

Deine Fotografien bleiben subjektive Sichtweisen!

Schlag es dir aus dem Kopf, dich und deine Fotografien als einzige „richtige“ und „wahre“ Fotografie zu sehen. So gibts du dich der Lächerlichkeit preis.

Fotografien können immer nur eine perspektivische Sichtweise, Nachricht, Information und Emotion enthalten, welche im festen Zusammenhang mit dem Fotografen und seiner Lebensphilosophie steht.

Visuelle Kommunikation als Erfahrung

Wenn du als Fotograf erkannt und verinnerlicht hast, dass Bildsprache und ihre Reaktion darauf, etwas völlig subjektives ist. Bist du als Fotograf in der Lage deinen Mitmenschen sehr tief ins Unterbewusstsein zu sehen.
Du erhälst nämlich unmittelbar und direkt Rückmeldungen von den Betrachtern im Bezug auf deiner Person und deinen Bildern, diese stehen natürlich in festem Zusammenhang der Lebensphilosophie deiner Betrachter.

Als Fotograf bist so in der Lage Menschen kennen zu lernen und ihnen dabei sehr tief in die Seele zu schauen, dabei sprechen wir nur über ein Bild und damit über eine Sichtweise, welche in einem bestimmten Rahmen und Kontext steht.

Du wirst schnell feststellen, dass es Menschen gibt, welche ihre eigene Sichtweise und Lebensphilosophie als die einzig richtige und mögliche ansehen und alles, jedes und jeder hat sich dieser Sichtweise unterzuordnen. Sie interessieren sich weder für den Rahmen, noch den Kontext oder die Geschichte hinter dem Bild. Diese Menschen bekämpfen das Gesehene mit allen Mitteln und wüten wild vor sich her.

Als ich mit dem Studium der Fotografie begann, kannte ich eine Fotografin, welche mir vorwarf, dass ich das falsche im Studium erlerne, dass ich die falschen Bücher lese und überhaupt ist an der Fotografie gar nicht so viel zu erlernen. Sie, als Hobby-Professioneller-Fotografin wüsste, dies alles sehr viel besser. Das mir vermittelte Wissen stand im totalen Gegensatz zu ihrer Lebensphilosophie. Kaum zu glauben, heute sind wir nicht mehr befreundet.

https://www.amazon.de/Einführung-die-Semiotik-Umberto-Eco/dp/3825201058

Die Macht der Fotografie

Die Fotografie ermöglicht dir in das Innere (bis zu der Seele) eines Menschen vorzudringen.

Hier erhälst wichtige Informationen, wie es um die Weltanschuung deiner Mitmenschen bestellt ist, wie ihre Lebensphilosophie aussieht und wo ihr Fokus in ihrem Leben liegt.

In meinem sozialen Umfeld habe ich erfahren, dass die Fotografie grundsätzlich genauso wertlos ist, wie der Mensch selbst. Dies wird unterstützt durch die Tatsache, dass in Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten Löhne im Vergleich zu allen anderen Bundesländern gezahlt werden. Nirgendwo anders in Deutschland ist der Mensch und seine Arbeit so wertlos wie in Mecklenburg-Vorpommern.
Außerdem wird sehr viel wert darauf gelegt, was Dritte über einen denken könnten. Dies führt dazu, dass wir in Schwerin zwar die einzige Fotogalerie in Mecklenburg-Vorpommern haben, aber sie wagt es nicht aus sich heraus umstrittene Themen anzusprechen und auszustellen. Denn es könnte einzelnen Personen nicht gefallen. So sucht man sich bahnbrechend langweilige Themen und nur sehr wenige Menschen interessieren sich für diese belanglosen Themen, dies macht die Fotogalerie natürlich abhängig vom Staat und muss subventioniert werden. Ehrlich gesagt, sind die Themen dort tatsächlich so langweilig, dass es niemanden auffallen würde, wenn der Betrieb dort eingestellt werden würde.

Dann haben wir die üblichen Instagram- und Facebook- Fotografen, welche alles tun, um ihre eigenen Fotografien möglichst oberflächlich, schnell- und kurzlebig zu gestallten, mit dem Ziel möglichst günstig zu sein. Sie übersehen dabei auch, dass die eigene Entwertung der Arbeit auch mit Wertlosigkeit einher geht.

Mein Fazit:

Alles was, über Porträtfotografie, Postkarten-Motiven und Katzenbildchen hinaus geht, ist in Schwerin revolutionär, abseits uns provokant.

Dies machte es mir sehr leicht, der teuerste, umstrittenste und freieste Fotograf von Schwerin zu sein.

Mein Ratschlag:

Wenn du in Zukunft Fotografien veröffentlichen möchtest, stelle dir selbst folgende Fragen:

  • Was möchtest du deinen Betrachtern mitteilen?
  • Welche Betrachter möchtest du erreichen?
  • Welche Betrachter sind für dich irrelevant?
  • Möchtest du mit deinen Bildern inspirieren?
  • Möchtest du das Schöne aus deinem Leben zeigen?
  • Weshalb werden deine Betrachter, für bestimmte Kommentare gehuldigt? Was ist der Zweck und wem nützt es?
  • Stehen deine Betrachter für mehr Offenheit, Diversität und die Freiheit der Sichtweisen ein oder fordern sie mehr Tabus, Verbote und Gebote?

Gruß Herr Rausch