Es existiert keine perfekte Ästhetik in der Fotografie

Als erstes, was ist Ästhetik?

Die Ästhetik beschäftigt sich mit der Lehre der sinnlichen Wahrnehmung. Oft wird sie verwechselt mit der Kallistik, welche die Lehre der Schönheit beschreibt.Wir Menschen besitzen allerlei Sinne, wobei unser Sehsinn, der wichtigste ist. Nein, wir haben keinen extra Sinn für „Schönheit“ entwickelt, auch wenn es uns einige Fotogurus gerne vorspielen.Da uns Menschen der Sinn für „Schönheit“ schlichtweg fehlt, stellen wir uns seit vielen tausend Jahren immer wieder die Fragen:

Was macht ein schönes Leben eigentlich aus? Was macht schöne Kunst aus? Wann ist etwas kitschig, hässlich oder schön?

Die Beantwortung und die Beschäftigung mit diesen Fragen, nennen wir Ästhetik. Hierfür ist zu beachten, dass wir in einem Zeitalter der Dispositive leben, dies bedeutet, dass uns wirklich nicht „gut genug“ erscheint, um es als ausreichend schön anzuerkennen oder gar als bewahrenswert einzustufen. Dies liegt unter anderem an der unerschöpflichen Produktion, an dem daraus resultierenden niemals erschöpfenden Warenkorb gefüllt mit Produkten und dem daraus resultierenden Konsumverhalten, dass allein auf Verbrauch ausgerichtet ist.

In der ästhetischen Wahrnehmung ist alles subjektiv!

Die Aussage:
„Kunst liegt im Auge des Betrachters!“
ist wirkungslos.

Mit Hinblick auf das gesteigerte Ego und der ausgelebten Ich-Gesellschaft, wird anderen Betrachtern nicht der Freiraum gelassen, sich eine eigene Meinung bilden zu dürfen. Die besonders übersteigerten Ego´s versuchen genau dies zu unterbinden und eine einheitliche ästhetische Wahrnehmung und damit Meinung durchzusetzen. Es existieren keine einheitlichen Standards für „schön“, „gut“ oder „hässlich“.
Selbst unter der höchst entwickelten Affenart auf Erden, finden sich menschliche Exemplare, welche wir hässlich finden.
Darüber hinaus ist der schönste Mensch, für einen Esel völlig bedeutungslos, eher langweilig, solange er kein Futter dabei hat. Die ästhetische Wahrnehmung wird allerdings vom durchschnittlichen Bürger völlig unterschätzt und eher stiefmütterlich behandelt in ihrer Wichtigkeit. Diese Vernachlässigung wird natürlich von Spezialisten der Marketingabteilungen, Marketing-Psychologen und Konzernen ausgenutzt und ermöglicht eine Manipulation. Denn die ästhetische Wahrnehmung ist über unsere Sinne direkt und ohne Barrieren mit unserem Unterbewusstsein gekoppelt.

Was machen wir, wenn wir Brandgeruch wahrnehmen?

Unsere Sinne rufen tief in uns gespeicherte Inhalte ab und wir reagieren darauf, anscheinend ohne Möglichkeit auf die Richtigkeit der ausgeführten Handlung. Der Film „das Parfüm“ vermittelt, einen Eindruck, was Gerüche mit uns machen können. Dieses Abrufen von Erinnerungen, Handlungen und Inhalten geschieht unweigerlich und unmittelbar. Manchmal finden wir es schön und anregend und manchmal abscheulich. Es kann die Decke oder das Kissen der Oma sein oder ein ganz bestimmtes Gericht, es kann der Wein aus dem Urlaub sein oder eine Fotografie von einem wundervollen Urlaub mit sehr romantischen Erinnerungen. Unsere Sinne verknüpfen unsere Wahrnehmungen mit einer Erinnerung und einem Gefühl. Die Aufgabe der Kunst ist es, diese Wahrnehmung, diese Erinnerungen und die dazugehörenden Gefühle zu untersuchen und auf Richtigkeit zu überprüfen. Hier liegt auch einer der Gründe, warum Kunst oder Fotografie nicht immer „schön“ sein kann. Es ist auch völliger Wahnsinn anzunehmen, dass es bei einer Bevölkerungszahl von 7 Mrd. Einwohnern auf der Erde zu behaupten, dass es einen einheitlichen Begriff von „schön“ gibt.

In der Fotografie existiert die Aktfotografie als sogenannte Königsdisziplin und sie soll für alle Menschen gleichmäßig schön sein!

Die Aufgabe der Aktfotografie ist es den menschlichen Körper unbekleidet abzubilden. Die ästhetische Wahrnehmung des Menschen funktioniert allerdings in diesem Falle anders. Denn die Betrachtung des unbekleideten Menschen, ist nicht nur die Betrachtung dessen, sie führt in die tiefsten Tiefen der menschlichen Seele und trifft sogar das Sexualzentrum. Sämtliche Äußerungen des Betrachters geben dem Fotografen genaue Aufschlüsse darüber, was der Betrachter über das Betrachten eines Menschen denkt, fühlt und handelt. Der Fotograf bekommt, Informationen über Moral und Ethik und dem Seelenzustand des Betrachters. Viele Betrachter vergessen, dass es sich nur um eine Abbildung handelt und sehen das Abendland und dessen moralischen Werte in Gefahr und können so eine Gefahr für die Freiheit der Moral und christlichen Werte nicht aushalten. Insgesamt können wir die Betrachtungen des unbekleideten Menschen runterbrechen auf:

  • Wann findet ein Mann welche Frau schön und warum ist dies so?
  • Wann findet eine Frau eine unbekleidete Frau schön und warum ist das so?
  • Wann findet eine Frau einen unbekleideten Mann schön und warum ist das so?
  • Wann findet ein Mann einen unbekleideten Mann schön und warum ist das so?

Kommen wir zurück zu Bekleidung.
Hier hat die Mode Industrie uns Menschen fest im Griff. Schließlich beeinflusst sie die Menschen, in ihrem Verhalten und ihrer Wahrnehmung, wann wir uns modisch gekleidet fühlen und wann nicht. Sogar die Aussage: „Ich interessiere mich nicht für Mode.“ Ist in diesem Falle interessant und ein warum für die Industrie sehr wichtig.Denn Kleidungsstil, Lebensstil, Konsumverhalten, unsere Häuser und Wohnungen, unsere Autos, unser Verhalten und unsere Meinung, wird ständig von anderen Menschen wahrgenommen und ist damit eine ästhetische Wahrnehmung. Sämtliche abgegebene Äußerungen und Informationen darüber geben uns Aufschluss, was uns zum Menschen macht, wie wir über Menschen denken und was wir kultivieren möchten. Mit Hilfe der Ästhetik, kommen wir zur Semiotik und zur Semantik.

Soviel zur grauen Theorie!

Macht bitte nicht den Fehler und seht eure Theorien als absolut und einzig wahr an. Ich habe Menschen kennengelernt, welche andere als ihre eigenen Theorien als entartet ansehen und diese vehement bekämpfen, um ihr eigenes Recht auf Meinungsfreiheit durchzusetzen und andere Meinungen bekämpfen.

Welche Fotografien halte ich also für schön?

Ich bevorzuge Fotografien, welche in mir Gefühle auslösen. Natürlich sollten es „schöne“ Gefühle sein. Wenn ich mir aber die zeitgenössische Fotografie im Internet ansehe, bin ich froh, wenn überhaupt noch ein Gefühl ausgelöst wird, welche sich nicht mit gleichmütigen wohlwollen erklären lassen.
Ich habe der digitalen Fotografie den Rücken gekehrt. Sie produziert, nach meiner ganz persönlichen Meinung, ausschließlich wertlosen, bedeutungslosen Schrott, welcher per sofort schon veraltet ist. Ich bevorzuge den erhöhten Fokus auf das Motiv, beim Fotografieren, wenn ich mit meinen Filmkameras losziehe, darüber hinaus kostet jedes einzelne Bild ca. 7 Cent, ein Preis den viele Fotografen, für ihre eigene Arbeiten, zu Recht, als viel zu hoch ansehen. Da ich mich entschieden habe, meine Fotografie auf Grund meiner Profession zu betreiben und nicht mehr, um meinen Lebensunterhalt davon zu bestreiten, ist es mir möglich die Fotografie wesentlich freier zu gestallten. Ich finanziere meine Fotos selbst, aus einer anderen beruflichen Tätigkeit.

Dies bedeutet, dass ich ganz allein darüber entscheide, welche Fotografien mir gefallen und welche nicht.

Personen, welche mir ihre Vorstellungen Fotografie erklären, können mich nicht mehr erreichen, es sei denn sie bezahlen mich, in einem Maße, dass ich an ihren Vorstellungen tatsächlich ein Interesse entwickle.

Das Fazit:

Mir gefallen meine Fotografien, genauso wie ich sie mache! Sie sind der Ausdruck meines ästhetischen Verständnisses, welches ich natürlich ständig weiter schule.

Nicht ist so beständig, wie die Änderung des ästhetischen Geschmacks

Das erzkonservative Schwerin, bildet natürlich eine Ausnahme. Entwickelt sich der eigene Stil bis ca. zum 18. Lebensjahr und dann nicht mehr weiter. Wenn er sich überhaupt bildet.

Ich bin kein Schweriner!
Das machte es mir leicht, der umstrittenste Fotograf von Schwerin zu werden.

Kommen wir zur Bildung von Geschmack oder Stil. Wenn man beginnt Kaffee zu trinken, dauert es ein wenig, bis man sich an dessen Geschmack gewöhnt. Irgendwann probieren wir Kaffee mit Milch, mit Zucker, nur mit Zucker und ohne Milch usw. Irgendwann hat man dann Erfahrungen gemacht und kann sagen das Marke X, im Filter Y, am besten schwarz zu Genießen ist. Und ich versichere euch, dass es irgendwann langweilig wird und sich der Geschmack dann wieder ändert.Wie auch immer! Wenn ihr euch in der Fotografie schon nicht traut, euren eigenen Geschmack herauszufordern und ihn zu verbessern. Dann versucht es doch bitte mal mit Kaffee oder Tee. Ratet mal wo unser Fortschritt her kommt? Und warum sich der Fortschritt beschleunigt? Uns wird zunehmend schneller langweilig!

Schränke dich nicht in deiner persönlichen Weiterentwicklung ein, um anderen zu gefallen!

Wer sich ernsthaft mit der Fotografie beschäftigt, beschäftigt sich auch ernsthaft mit den Änderungen, welches das Leben mit sich bringt. Gehe Menschen aus dem Weg, welche diese Änderungen nicht akzeptieren und mit alten nicht mehr haltbaren Weltansichten dein Leben einschränken wollen.

Wenn dir deine Fotografie nicht mehr gefällt, dann musst du etwas ändern!

Niemand hat das Recht darauf, dich diese nötigen Änderungen zu verbieten. Es ist dein Leben und deine Freude, welche du aus deinem Geschmack generierst.

Um ehrlich zu sein:

Es ist in unserer heutigen vom Narzissmus geprägten Gesellschaft gar nicht möglich ein ästhetisch perfektes Foto zu produzieren!
Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass ich genug Kamerasysteme ausprobierte, genug Photoshop und Lightroom-Presets getestet habe und vieles mehr.
Meine bisherigen Erfahrungen sind:


Niemand, wirklich Niemand, ist daran interessiert, dass du auch nur ein klein wenig änderst, damit du in deinem Leben glücklicher wirst. Alles soll genau so bleiben wie es bisher war.

Deswegen gilt:

Sobald du etwas änderst, bist du ein Avantgardist! Du bist die Vorhut von etwas Neuem, etwas Unglaublichen!

Habe Verständnis dafür, wenn dich deine Mitmenschen nicht verstehen. Keiner von denen möchte die „Vorhut“ von einem Unternehmen sein. Sie halten dich eher für völlig verrückt, dass du es dir zutraust. Die Mehrheit geht lieber in der üblichen Masse unter und fotografiert ohne irgendeine Ambition vor sich hin und sie gönnen dir deinen Erfolg nicht. Sie wollen ihn dir verbieten, damit sie sich selbst nicht so nutzlos vorkommen.

Merke dir für die Zukunft:

Es existieren genau vier Arten etwas zu fotografieren!

  1. Wir können etwas richtig fotografieren.
  2. Wir können etwas falsch fotografieren.
  3. Wir können etwas so fotografieren, wie es üblich ist.
  4. Du allein kannst fotografieren, wie du es für richtig hältst.

Verschenke nichts, für einen einzigen Like oder gefakten Fame, des Internets, dein eigenes ästhetisches Verständnis von deinem Leben!
Du endest sonst auf dem Scheiterhaufen der Durchschnittlichkeit.
Ecke an, bleibe im Gespräch, erweitere deine Grenzen und Suche dir deinen Weg durch das Leben in der Fotografie. Sorge dafür, dass die Betrachter mit voller Freude deine Bilder ansehen und sich köstlich amüsieren, über die Diskussionen, welche du mit deinen Fotos auslöst. Dies ist der einzig richtige Weg, um sich einen Stil und eine Bildsprache zu erarbeiten.

Gruß Herr Rausch