Wird Bildqualität überbewertet?

Warum sind wir so besessen von Bildqualität?

Was ist Bildqualität überhaupt? Und wie definieren wir sie? Habt ihr Vorschläge?

Was ist Bildqualität?

Mein Verständnis von Bildqualität: Es ist eine ästhetische Wahrnehmung. Das Auslösen eines Gefühles, beim Betrachten des Motives. Bedingt durch die heutige Bilderflut können wir Fotografen froh sein, überhaupt wahrgenommen zu werden. Es ist nicht leicht, eine verwertbare Reaktion auf unsere Fotografie zu erhalten. Wenn ich eine Fotografie von etwas mache, dann möchte ich gerne zeigen, dass ich mich an etwas erfreue, dass es mir gut geht, dass ich aufgeregt bin, dass ich einfach das Schöne im Leben genieße. Die Reaktionen darauf werden nicht selten in Kritik der Megapixel, des Weißabgleiches, den verwendeten Filter und mangelnder Schärfe ausgedrückt. Schärfe und Megapixel sind für mich nicht wichtig, ich finde diese Kriterien völlig überbewertet.

Es ist falsch, wenn wir denken, dass Fotografien allein über die Schärfe oder Megapixel eine Aussage über die Bildqualität erhalten. 

Wie scharf kann eine Fotografie letztlich sein? Drücken mehr Megapixel, ein mehr an Emotion aus? Sind es allein Schärfe, Megapixel oder Dynamikumfang, welche das Gefühl oder die Seele der Fotografie vermitteln?

Bildqualität bedeutet viele verschiedene Dinge.

Sie stehen in Abhängigkeit des individuellen Geschmacks. Bildqualität ist somit etwas sehr Individuelles! 

Das Fazit:

Es gibt kein einheitliches Maß für Bildqualität.

Ich mag Bilder mit hohem Kontrast. Andere mögen eher einen schwachen Kontrast und gedämpfte Töne. Wie auch immer dein ästhetischer Geschmack ist. Es existiert kein „richtig“ und „falsch“ in der Fotografie. Ich trinke gerne Kaffee und grünen Tee. Niemand wird mir Vorschriften machen können, wie ich meinen Kaffee oder Tee zubereiten und trinken soll, damit er mir persönlich am besten schmeckt.

Die Gebieter der Fotografie

Interessanterweise gibt es in der Fotografie sogenannte „Foto-Tyrannen“, welche sich anmaßen anderen vorschreiben zu können wie, wo und wann etwas zu fotografieren sei. Sie möchten bestimmen, unter welchen Umständen wir diese oder jene Fotografie zu sehen haben und was wir darüber denken sollen.
Ich trinke meinen Kaffee mit Milch und Zucker! Und ich werde niemanden davon abhalten, seinen Kaffee so zu trinken, wie er es möchte und wünscht. Dies mache ich auch nicht in der Fotografie. Ich schreibe niemandem vor, wie und warum ein Fotograf, etwas zu fotografieren hätte, damit der Fotograf seine eigenen Fotos als „schön“ empfinden darf. Ich schreibe niemandem vor, wie er seine Fotografie zu beurteilen hat und was sich der Fotograf denken soll, wenn er seine Fotografien sieht.

Was sind eure ästhetischen Ansprüche? Schreibt ihr sie anderen Fotografen vor? Besitzen eure individuellen Ansprüche allgemeine Gültigkeit?

In der Fotografie ist das Verständnis von Ästhetik subjektiv. Es existiert keine für uns allgemein gültige Formel. 

Es würde das Ende der Individualität bedeuten.

Vielleicht möchten die „Foto-Tyrannen“ genau dies erreichen?

Meine ästhetischen Vorlieben der Fotografie sind, nicht zu viele Details im Schatten. Diese lasse ich gerne absaufen. Ich mag das grobe Korn und hohe Kontraste. Die Klarheit am Schieberegler setzte ich sparsam ein. HDR Aufnahmen mag ich gar nicht, denn sie sehen einfach nur künstlich aus. 

Wer macht diese gefühlten Regeln der Fotografie?

Ich schlage dir vor, mach dir deine eigenen Regeln für deine Fotografie. Du bist der Fotograf und nur Du kannst deine Fotografien so machen, wie sie dir selber gefallen. Lasse dir niemals diktieren, was „gut“ oder „schlecht“ ist. Du solltest diese „Foto-Tyrannen“ einfach ignorieren, denn zu frieden gestellt bekommst du sie nicht. Ignoriere Menschen, die gerne Fotografien mit Zahlen vergleichen. Ignoriere Fotografen, welche sich auf ihre „Follower“ berufen, um ihre Expertise nachzuweisen. Man kann Fotografien und Menschen nämlich nicht mit Zahlen vergleichen. Außerdem ist es eher ein Zeichen von absoluter Niveaulosigkeit, wenn etwas massen tauglich ist. Es bedeutet letztlich, dass das Niveau soweit gesenkt wurde, damit es wirklich jedem ungeschulten und oberflächlichen Betrachter gefallen kann.
Ich selber kenne mittlerweile viele Fotografen, welche in den sozialen Netzwerken überhaupt keine Rolle spielen, dafür aber internationale Museen mit ihren Fotografien füllen.

Ignoriere „online“-Bewertungen für Kameras, Objektive, Werkzeuge usw. Gehe lieber in ein Fachgeschäft und probiere aus! Es entscheidet dein persönlicher Geschmack und sonst niemand. Wenn wir ehrlich sind, ist dein Geschmack ein wenig anders, als eine Rezession einer anderen Person. Werde skeptisch bei Fotografen, die Quantität mit Qualität verwechseln. Umgehe Foto-Foren, die „Ziegelsteinmauern“ zeigen und lange Diskussionen, über die sogenannten Details entfachen. Vermeide Diskussionen, über das „Bokeh“ einer Linse.

Diese Menschen vergessen einen wichtigen Punkt, in ihren Untersuchungen und Aussagen.

Wir können uns, wie besessen über die Tinte und dem Schreibgerät von Voltaire, Goethe und Shakespeare unterhalten. Ohne auch nur ein einziges Wort von ihnen zu lesen.
Wir können intensiv die Töpfe und Pfannen von berühmten Köchen untersuchen, anstatt tatsächlich deren Kochkunst zu probieren und zu teilen.
Es ist sinnlos die Ausrüstung von Henri-Cartier-Bresson, R. Avedon, H. Newton, Iriving Penn und Michael Gursky zu untersuchen, ohne auch ihre Bilder zu studieren.

Zurück zum Thema

Es existiert keine Objektivität, die wir auf die Bildqualität anwenden können. Alles ist subjektiv. Wenn Du die Bildqualität einer Kamera austesten möchtest, dann teste sie selbst aus! Experimentiere!
Heute ist es kein Problem mehr etwas zurück zugeben. Mache Fotografien, welche dich selbst ästhetisch ansprechen! Mit der Ausrüstung, die du zur Verfügung hast.
Lasse dich niemals von dummen „Foto-Tyrannen“ beeindrucken, lasse sie über „Objektivwiedergabe“, Schärfe und Megapixel diskutieren. Während sie diskutieren, suchst du dir sinnvolle Motive und fotografierst sie einfach. Lass durch deine Fotos deine Seele sprechen. Dann bist du als Fotograf in der Lage Fotos zu erschaffen, über die andere nur reden.

Was machst du mit den Menschen, welche sich nicht für deine Seele interessieren? Entscheide selbst!
Ich trenne mich von diesen Personen, ohne Weiteres zögern.

Liebe Grüße Herr Rausch