Der Weg zu guten Bildern

Ich kann nicht genau sagen, wie oft ich zwei Bilder (eins ist monochrom und eins in Farbe) mit gleichem Motiv, fest verbunden mit der Frage “Welches Bild ist besser?”, gesehen habe.
Der größte Teil wird von Facebook weggefiltert, doch von Zeit zu Zeit geschieht es, dass so ein Bild mit dieser Frage in meiner Wahrnehmung auftaucht.

Mittlerweile bin ich leicht genervt von dieser einen Frage und vor allem von den Tipps, den Aussagen, dem Geschwurbel und der “Like” Erschleicherei.
Dabei ist es gar nicht soo schwer. Der wichtigste Faktor, ist die Zeit. Wir sollten nicht auf die schnelle, über ein Bild urteilen. Allein das Stellen der Frage „Welches Bild ist besser?“, zieht die oberflächlichen Betrachter erst richtig an.
Diese Betrachter nehmen sich ähnlich wenig Zeit (wie du selbst), um sich eine Meinung von deinem Bild zu machen. Hierbei fällt mir gerade auf, dass dies nicht ganz stimmt.
Sie nehmen sich noch weniger Zeit als du selbst. Denn du als Fotograf hast das Bild gemacht. Vorher hast dir Gedanken über das Motiv gemacht, klick, anschließend hast du es in den Rechner geladen und in irgendeiner Form bearbeitet, um letztendlich nicht entscheiden zu können, welches dir persönlich besser gefällt.

Noch mal deutlicher, du planst das Shooting, das Setup, die Perspektive, du wählst den Augenblick des Auslösens, ziehst es auf den PC, wählst aus Hunderten Bildern einige aus, schließlich bearbeitest du diese Bilder und bist dir nicht sicher, welches dir  am Ende gefällt.

Klasse, ein Ausdruck von großer Selbstständigkeit.

Ein richtiger und vernünftiger Tipp:

Frage niemals andere Personen, was dir selbst gefällt und was nicht!

Ein weiterer Tipp:

Nimm dir diese beiden Bilder und schaue sie dir nebeneinander gestellt in aller Ruhe an. Mach dir einen Kaffee und dein Lieblingswurstbrot und “guck” nicht nur auf die Bilder. Du musst die deine beiden Bilder intesiv anschauen. Trinke dabei deinen Kaffee und esse dein Brot!


An dieser Stelle, sollte dir auffallen, dass du niemanden fragen musst, was dein Lieblingswurstbrot ist. Fragst du ständig andere, was du allein am liebsten isst?

Dann schaue auf deine Fotografien und nimm sie genauso genussvoll auf, wie den Kaffee und dein Brot. Gib deinen Bildern 20 Minuten Zeit, um sie auf dich wirken zu lassen.
Lenke dich nicht ab mit Fernsehen, Radio, Familie oder was weiß ich noch alles. Konzentriere dich!
Durchdringe diese Bilder, lass die Bilder zu Dir sprechen. Übernehme letztlich selbst, die volle Kontrolle, über deine eigenen Entscheidungen und Bilder.
Falls du nach vielen Stunden, Monaten und Jahren intensiven Schauens immer noch nicht klar in deiner Entscheidung bist, dann frage einen engen Vertrauten. Erkläre den Umstand, dass du seit langer Zeit nicht schlüssig bist, erkläre, warum das eine Bild genauso gut ist, wie das andere. Komm ins Gespräch mit deinem Vertrauten und höre dir seine Meinung, seine Gedanken an.
Kommuniziert über dieses Bild. Ganz nebenbei, gebt ihr diesen Bildern eine ungeahnte Daseinsberechtigung. Denn es wird weitaus länger als 2 Sek. angesehen, es wird besprochen und rezipiert.

Dies schaffst du niemals in irgendeiner Internetplattform oder im sozialen Netzwerk, wenn du Glück hast bekommst, du deine 2 Sek. pro User und einen „Like“.

Am Ende, wenn du deine Entscheidung gefällt hast, kannst du es gerne sonst wo posten. Und du wirst ein wenig immuner gegen merkwürdige Kommentare. Denn deine Auswahl ist wohlüberlegt im Gegensatz zu den unüberlegten Aussagen eines unbekannten Betrachters, welcher sich garantiert nicht annähernd so viel Zeit genommen hat, wie du selbst.

Du kannst natürlich auch weiterhin andere Fragen! Dann wirst du niemals deinen eigenen Stil finden können, du wirst nicht in der Lage sein zu entscheiden was dir gefällt und was nicht. Es fängt beim Lieblingswurstbrot an.

Gruß Herr Rausch