Wer bestimmt über den „Wert“ von etwas?

Vor einigen Monaten erhielt ich Besuch in einer Fotogalerie, welche ich beaufsichtigte.

Natürlich kamen wir in Gespräch über die Fotografie, die Arbeit und das liebe Geld.
Er war nicht sonderlich begeistert von mir zu hören, dass ich Geld für meine Leistungen als Fotograf verlange.
Auf der einen Seite kann ich ihn verstehen, er ist auch nicht im Besitz von ausreichend Geld (ab wann sind wir das?), deswegen könne er sich nicht wirklich einen Fotografen leisten. Er sprach davon, dass eine fotografische Arbeit niemals mehr als 10 Euro pro Stunde kosten dürfe. Alles andere sei unseriös und Wucher. Ich fragte mich, wie oft er im Monat zu Fotografen geht, wie groß sein Lifestyle-Verlust letztlich ist, wenn er einem befreundeten Fotografen fair und anständig bezahlt.

Mein Freund wurde darüber hinaus sehr merkwürdig, als er feststellte, dass ich selber meine Werte für mich und meine Arbeit festlege. Er war fest der Meinung: „Dies sollte man doch bitte anderen überlassen.“

Genau hier endete mein Verständnis. 

Denn meine gemachten Erfahrungen, anderen es komplett zu überlassen was, wann und wie viel genug sei, führten mich direkt in einen „Burnout“ und eine tiefe Depression. Dies lag daran, dass ich als Elektroinstallateur nie genug arbeiten konnte, um meinen Vorgesetzten dazu zu bewegen, dass er sagte:“ Für heute reicht es. Mach Feierabend.“
Da die vielen Überstunden nicht bezahlt wurden und auf irgendwelchen Stundenkonten schlummerten, hatte ich von all der erbrachten Leistung auch nicht viel. 

Ich versuchte also gegenzusteuern und mehr zu leisten, den Punkt zu erreichen, wo endlich Entlohnung für die erbrachte Leistung stattfand. Dies geschah nie. Stattdessen habe ich mich selber entwertet und öffnete Tor und Tür für den „Burnout“.

Entwerte dich niemals selbst!

Die zurückliegenden Erfahrungen haben mich so geprägt, dass ich nie wieder an diesen Punkt, der Entwertung des Selbst, gehen werde.

Als erstes bestimme ich den Wert meiner eigenen Arbeit und dann kommen erst andere. Wobei ich mich daran gewöhnt habe, dass es Menschen gibt, welche eine andere Wertvorstellung von der Arbeit anderer Menschen haben. Dies ist gar nicht schlimm. Ich kenne es schließlich noch aus den Tagen als Elektroinstallateur, als Möbelpacker, als Callcenter-Mitarbeiter, als Sohn, als Vater, als Freund und als Kunde.

Wir müssen uns von dem Gedanken trennen, dass andere über den eigenen „Wert“ bestimmen.

Jetzt in diesem Augenblick denke ich gerade an meinen Dozenten Stefan Maria Rohter als er mich gegen Ende des Studiums zurecht gewiesen hatte mit den Worten:

„Sven, du hast dich knapp 20 Jahre auf dem Bau gequält. Du bekamst eine Depression und am Ende einen Burnout. Du hast einen Teil deiner Gesundheit für immer verloren und einen großen Teil deiner Lebenszeit mit wirklich selbstzerstörerischen Gedanken verbracht. Was muss dir noch passieren, damit du anfängst deinen eigenen Wert für dich und deine Arbeit zu bestimmen? Vielleicht eine zweite oder dritte Depression?“



Aber wie haltet ihr es mit dem Wert von euch und eurer Arbeit?
Bestimmt ihr den Selbst?

Ist ein Wert grundsätzlich etwas monetäres oder kann er auch einfach Lebensfreude bedeuten?

Ich mag den Spruch: „Wertschätzung ist Wertschöpfung“
Wie steht ihr dazu? Wie äußert ihr eure Wertschöpfung?

Gruß

Herr Rausch