Das Leben und Sterben mit der Fotografie

Unter Fotografie verstehe ich:

Es ist ein meditieren (ein gründliches Nachdenken) über das „Leben und das Sterben“ eines Menschen.

Während meines Lebens bewahre ich wundervolle Erinnerungen an mein Leben, um sie anderen Menschen zu hinterlassen, damit diese sich an mich erinnern können.

Zu beginn des Jahres 2018, wurde ich mehrmals daran erinnert, dass unser Leben auf Erden zeitlich begrenzt Ist. Im Stoizismus wird dies „Memento Mori“ genannt.

Polaroid SNAP

Was ist „Memento Mori“:

Es ist ein philosophischer Gedankenbau, der uns Menschen durch verschiedene Übungen daran erinnern soll, dass wir sterben werden und müssen. Memento Mori weißt uns immer wieder auf diese eine Tatsache hin, dass unsere Zeit als lebender Mensch auf Erden begrenzt ist.

Erst wenn uns dies bewusst ist, sind wir in der Lage zu erkennen, dass wir keine Zeit haben unsere Lebenszeit zu verschwenden. Wenn wir tiefer schauen in uns hinein schauen, sollten wir sogar in tiefer Dankbarkeit und Demut versinken. Schließlich sind nicht wenige der Leser dieses Textes sind auf einem Erdteil geboren, der so gut versorgt ist, dass „das Wunder der Geburt“ und heranwachsen in maximaler Sicherheit möglich ist. Für die Mehrheit der Menschen dieses Planeten ist, dies nicht vorstellbar oder erreichbar. Vernünftigerweise sollte es uns „Privilegierten“ dieser Erde dazu verleiten, unser Fähigkeiten dieser „Menschlichkeit“ anderen auch zu ermöglichen. Was ist also der Sinn unserer Lebens in einem überaus privilegiertem Erdteil zu wohnen?

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Schließen wir den Bogen zur Fotografie!

Wo liegt der tiefere Sinn und dein persönlicher Grund in deiner Fotografie und deinem Leben?

Als Fotografen dürfen wir die Tatsache der eigenen Sterblichkeit nicht ignorieren, dies führt zwangsläufig zu einem tieferen Sinn und einem Grund im Leben. Der Idealfall (dieser Überlegungen) findet sich letztlich in einem „sinnvollen“ Leben mit vielen „guten Gründen“ zur Erinnerung an einen wundervollen Menschen. Wer möchte nicht von sich behaupten können, dass sein Leben einen Sinn hatte?  Trotzdem macht die Behauptung einer Fotografie mit Sinn zu füllen vielen Menschen angst.

Den eigenen Sinn im Leben und in seiner Fotografie zu finden, sind schließlich schwer zu erreichende Ziele, denn wir leben in einer Welt des Überflusses. Wir erreichen mit Leichtigkeit alles ohne großes „Wollen“ und „Können“. Es ist schwer in einer Welt, welche satt an allem ist, als Fotograf wahrgenommen zu werden. Speziell wenn wir uns bewusst machen, dass wir uns nur noch darüber definieren, wie wir wahrgenommen werden. Dieser Mechanismus führt zu einem ständigen Wettbewerb, welcher uns dazu zwingt, sich selbst als „besser“ darzustellen, indem wir andere abwerten. Allerdings entwertet es uns Selbst, den Sinn unserer Arbeit und allem was uns umgibt. Es verkommt zu überflüssigen, bedauerlichen und herabsetzenden Aussagen, welche so kurzlebig und unwesentlich sind, wie wir selbst. Den Grund hierfür finden wir in unserer Gesellschaft, sie lehnt echtes „Wissen“ und „Können“ kategorisch ab, um selber nicht Gefahrzulaufen, sich eine schwäche einzugestehen. Allerdings verhindert dieses Verhalten auch echte Weiterentwicklung als Individuum und damit auch die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.

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Was lässt gerade deine Fotografie wesentlicher werden als jede andere Fotografie im Internet?

Was lässt gerade dein fotografisches Wissen und deine Fähigkeiten als Fotograf wesentlich besser als andere werden? Worauf beruht deine Expertise, sich über andere Menschen zu erheben, um ihnen Vorgaben zu machen?  

Bedenke:

Durchschnittlich werden wir in unseren Teil der Erde ca. 90 Jahre alt. Welchen Sinn möchtest du deinen Fotografien geben? Ist es sinnvoller sich Diktaten anderer unterzuordnen oder vielleicht eigene Diktate anzuordnen?

darüber hinaus

Welcher Art soll deine philosophische Aussage sein, welche unweigerlich mit deinen Fotografien, zurückgelassen werden? Was sagen deine Fotografien über dich selbst aus? Über dein Verständnis vom  Menschen? Deine Sicht auf diese Welt und der Menschheit im allgemeinen? 

Wer genau hinschaut erkennt in der Fotografie und in der Diskussion über die Fotografie, einen wichtigen Indikator über den Zustand vom „Leben und Tod“ des Fotografen. Das Leben ist unabstreitbar ein dynamische und sich verändernder Prozess, dies bedeutet das auch ein Fotograf diesen Änderungen ausgesetzt ist. Wer sich als Fotograf gegen Änderungen wehrt und sich hinter großen Regelwerken verschanzt, wer als Fotograf 10 Jahre lang ein und dasselbe Thema fotografiert, ohne dass einen Fortschritt erkennbar ist, wer sich als Fotograf für Änderungen des Lebens nicht interessiert. Der lehnt das Leben ab und ist im tiefen inneren schon gestorben, ihm sind seine fotografischen Aussagen genauso egal wie sein eigenes Leben. Das Leben wird zur großen belastenden Warteschleife, welche sich im endlosmodus wiederholt und eine Entwicklung als Mensch bleibt aus.

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Ich selbst litt an einer lebensbedrohlichen Depression und kenne diese dämlichen Gedanken nur zu gut. Mittlerweile erfreue ich mich wieder in vollen Zügen an dem Leben, an den Veränderungen die das Leben bereit hält und an die vielen kleinen Prüfungen an denen ich scheitere und jeden weiteren blauen Fleck. 

Zu einem guten Leben gehört nämlich „Freud und „Leid“. 

Das Bewusstsein, das „Freud und Leid“ genauso ins Leben gehören, wie „Licht und Schatten“ in die Fotografie, machen mich zu einem einzigartigen Fotografen. Ich kenne nur wenige Fotografen, welche sich dem Leben als Fotograf und Mensch so sehr aussetzten. Meist treten Abgestorbene- oder „Zombie“- Fotografen an mich heran und fordern von eine absolute Unterwerfung an ihren sinnlos, beliebig, obsoleten, vulgären Quatschregeln. Dies äußert sich in starren Regelwerken und einer homogenisierten Bildsprache, welche allein auf das Erreichen von „Likes“ basiert.
Wie ein Fotograf „Likes“ erreicht und wie er sein Publikum dazu manipuliert finden wir in zahlreichen Anleitungen in den sozialen Netzwerken.  Es hat viel mit Arschkriechen und Speichelleckerei zu tun.

Der Zustand der Fotografie wird dann zum Selbstzweck, sie fühlt sich an wie „Fahrstuhlmusik“ und beschreibt nicht anderes als ein warten, endlich auf dem gewünschten untersten Stockwerk anzukommen.

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Der Fotograf der Massen

Der erfolgreiche „Massenfotograf“ strebt nichts an, er möchte nichts wesentliches  Aussagen und erst recht nicht etwas bewirken oder erreichen, der „Like“ ist sein einzige Ziel. Er möchte einfach nur gemocht werden. Er übersieht hierbei, dass es auch einen Gruund geben muss gemocht zu werden. Dafür kann er umso besser anfreifen, beleidigen und diffamieren, er ist ein Meister im bedrohen, maßregeln und kritisieren. Er fordert gerne von anderen, genauso mittelmässig und austauschbar zu sein, wie er selbst. Seine liebste Beschäftigung ist es, zu warten bis es mit dem Leben vorbei ist und nach einer langen Zeit als Fotograf, wird man auf dem Grabstein sehen:

„Er bekam für eine Fotografie 2566 „Likes“.

Bis dahin macht er sich durch tyrannisches Verhalten, Regeln, Vorschriften und Gebrüll zu einem geliebten und geschätzten Mitglied unserer Gesellschaft.

Ich bin ganz froh, dass ich nicht so bin und ich habe echte Probleme mich in dieser Zombiegesellschaft zu integrieren. Wer möchte sich schon mit einen lebenden Toten unterhalten, wo es doch genug Lebende gibt? Fördere und fordere eine differenzierte, fundierte und ausgewogene Diskussion, um deine Fotografie. Vermeide Betrachter der Fotografie, welche allein auf die Oberflächlichkeit der Triebe reagieren. Es dient allein ihrer Befriedigung der niedersten Bedürfnissen ihres zombiehaften  Daseins. Dies ist weder vernünftig, noch weise und klug.

Was möchtest du also mit deinen Fotografien erreichen?

Herzlichen Gruß

Eure Magnifizenz Herr Rausch