Der stoische Fotograf und die Tugend

Meine lieben Freunde,

wir beginnen nun, die aufregende und aufreibende Reise ein stoischer Fotograf zu werden. Hierfür benötigen wir einige weitere Informationen über die Philosophie der Stoa.

Du allein bestimmst, ob du wert-voll oder wert-los sein willst.

© Gudrun Kropp (*1955), Lyrikerin, Aphoristikerin, Kinder- und Sachbuchautorin

Die moderne Gesellschaft

Wir leben in einer modernen Leistungsgesellschaft, welche ihre Selbstdefinition nicht mehr aus der Arbeit schöpft. Mit der Selbstdefinition meine ich die Persönlichkeitsfindung und letztlich die Frage „Wer bin ich?“ sind völlig von der Tätigkeit durch die Arbeit getrennt. In der heutigen Zeit findet die Selbstidentifikation und damit die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ durch das Konsumieren statt. Wir versorgen uns mit Statussymbolen unserer Gesellschaft und verbrauchen diese. Die Mischung aus Leistungsdruck und Konsumdruck verleitet dazu die Dinge und Menschen der Welt abzuwerten, um am Ende etwas Günstiges konsumieren zu können. Wir sind es gewohnt alles im Überfluss zu haben, ein warten auf etwas, ein Ansparen, dieses Gefühl von „Dies habe ich mir, durch lange Arbeit, verdient“ sind abgelöst worden durch Herabsetzungen, Kritiken und Schmähungen, um eine Wertigkeit von etwas zu verringern. Der einzelne Mensch entwertet sich damit selbst, denn wer keinen Wert in anderen Dingen sieht und nur wertloses um sich herum sieht, tut sich schwer in sich selbst einen Wert zu erkennen. Die Folge dessen sind Lethargie, Blasiertheit und eine merkwürdige Sucht zur Sensation. Diese wird zur Not durch Hetze, Diffamierung, durch Abwertungen, Wut und Hass befriedigt. Das eigene Auffallen, um jeden Preis und das Äußern der eigenen Verdrossenheit, sind ins Zentrum unserer Gesellschaft gerückt geworden. Ein Ausweg oder eine Alternative wird allerdings nicht Angeboten. Es sei denn sie besteht aus weiteren Ausgrenzungen, mehr Regelungen, Wut, Hetze und Hass. 

Diese Abwärtsspirale der Entwertungen können wir verlangsamen und Einhaltgebieten.
Allerdings erst, wenn das Individuum einen Wert in sich selbst und in seinem handeln und tun erkennen kann, ist der Mensch in der Lage, einen Wert in anderen Dingen dieser Welt zu erkennen.

Schlechte Beispiele wirken auf die zurück, die sie geben.

Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr. – 65 n. Chr.)

Der neue Wert eines Fotografen

Hast du Probleme, deine Arbeiten mit dem nötigen (von dir gewünschten) Wert zu versehen? Macht dieser niedrige Wert auch etwas mit deinem Selbstwertgefühl und deiner Einstellung zur Fotografie? Alles neigt schnell zur Wertlosigkeit? 

Mein Rat:

Versehe dich selbst mit einem nicht bezahlbaren Wert, um aus dem neuen Selbstwert eine neue Findung von Werten (auch in deiner Fotografie) zu ermöglichen! 
Da ich diese Reise selber angetreten bin, kann ich aus dem Nähkästchen plaudern.

Ich kann dir mit großer Sicherheit sagen, dass es vielen Menschen nicht passen wird, wenn du anfängst, dich neu zu definieren. Lass sie gehen!

Ich nutze die Philosophie der Stoa und versuche aus den Lehren den Weg eines stoischen Fotografen zu entwickeln. 

Der Weg zum neuen Selbstwert

Das höchste Ziel, welches von einem stoischen Fotografen verfolgt wird, ist ein möglichst tugendhaftes Leben zu führen. Zumindest für sich selbst ein wert-voller Mensch zu werden und es zu sein.

Was ist Tugend?

Das Wort Tugend stammt aus dem lateinischen und dem griechischen (lateinisch virtus, altgriechisch ἀρετή aretḗ), es ist abgeleitet von taugen. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist die Tauglichkeit (Vorzüglichkeit, Tüchtigkeit) einer Person. Im Allgemeinen versteht man unter Tugend eine hervorragende Eigenschaft oder eine vorbildliche Haltung. Im weitesten Sinne kann jede als wertvoll betrachtete Fähigkeit, welche uns Menschen handeln lässt als Tugend bezeichnet werden. In der Ehtik wird der Begriff „der Tugend“ als eine ersterbenswerte und vorbildliche Charaktereigenschaft genannt. Eine tugendhafte Person ist verfolgt das sittliche Gute, dies steht in festem Zusammenhang mit einem vorbildlichen und erstrebenswerten Leben dem Lob und Bewunderung gebührt.

Um als Fotograf nun näher an die Tugend heranzukommen, sind folgende Fragen ein wichtiger Ansatz:

  • Sind meine Fotografie vorbildlich und erstrebenswert für andere? Warum ist dies so?
  • Welche meiner Fähigkeiten und Eigenschaften als Fotograf könnten andere als Vorbild dienen? Kannst du sie benennen?
  • Verhalte ich mich als Fotograf stets vorbildlich?

Meine persönlichen Beobachtungen:

Ich selber habe viele Fotografen kennengelernt, die sich gerne und oft über den kaputten Markt und ihre Kunden beschweren. Es ist mittlerweile erstrebenswert geworden andere Fotografen zu unterbieten und ihnen ihre Kunden streitig zu machen, mit den allen Mitteln der Bekämpfung. Aber ist das Verhalten des Beschwerens, die Fähigkeit etwas „billiger, besser und schneller“ anzubieten tatsächlich vorbildhaft? Bin ich ein Vorbild, wenn ich auf andere Menschen und Fotografen keine Rücksicht nehme? Kann ich ein vorbildlicher Kunde sein, wenn ich den Wert einer Arbeit, um jeden Preis drücken möchte? Bin ich ein vorbildlicher Mensch, Fotograf, Kunde, wenn ich andere Menschen, Fotografen, Kunden mit ihren Wünschen, Arbeiten, Lebensweise als wertlos bezeichne?

Ein großer Feind der Tugend ist das Vulgäre. Das Vulgäre ermöglicht dem Bösen und dem Hässlichen eine zweifelhafte anbetungswürdige Position. Dabei zerstört es unsere Verhaltensformen, unsere Sprache und beraubt uns einer feinsinnigen Betrachtung und Unterscheidung von Dingen und damit eine intuitive Wahrnehmung. Die ersten Opfer des Absprechens von „gutem“ Geschmack und Anstand, dem Ablehnen von vorbildhaftem Handeln werden unsere Freiheit, die Wissenschaft und unsere Bücher sein. Wer Bücher ablehnt, wer Wissen ablehnt, wer andere Kulturen ablehnt und damit stolz prahlt, ist im höchsten Maße vulgär. Viele scheinen zu vergessen, dass wir als Menschheit nur überlebt haben, weil wir Komplimente machen können, weil wir uns für andere einsetzen können und weil wir uns für den Erfolg des anderen freuen können. Wir können galant sein und wir können feiern, was uns am anderen gefällt. Hauptsächlich haben diese Fähigkeiten uns geholfen, auf diesem Planeten zu überleben. Es war nicht das vulgäre Verhalten. Gerne wird die Quantität gerne vor der Qualität gesetzt. Wie wichtig ist es sich im Fokus von 1000 zerstreuten und abgelenkten Idioten zu befinden, im Verhältnis zum Einzelgespräch, mit einem achtsamen und interessierten Menschen?

Bin ich tatsächlich ein vorbildlicher Fotograf, wenn ich mich den oberflächlichen Fans hingebe und ihre vulgären Themen bediene? 

An dieser Stelle wird gerne das liebe Geld genannt. Doch gerade die zerstreuten, oberflächlichen und vulgären Menschen, haben wegen ihres Mangels an Fokussierung, ihrer fehlenden Achtsamkeit, ihrem geringen Selbstwert, große Probleme in anderen Dingen dieser Welt einen Wert zu erkennen und ihn letztlich zu honorieren.
Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich begann, mich mit dem Stoizismus zu beschäftigen. Ich wurde sehr merkwürdig angeschaut, als ich plötzlich und unerwartet versuchte, ein vorbildhafter Fotograf zu werden und mir damit auch erstrebenswerte Ziele als Mensch zu setzen. Wenn ich heute zurückdenke, dann lächele ich ein wenig, über die Aussagen, dass es nicht erstrebenswert sei und gar nicht nachahmungswürdig wäre, wenn man versucht andere Menschen in ihrem Leben zu etwas zu befähigen oder ihnen etwas ermöglicht. Es sei Ablehnungswert, dass man andere unterstützt und ihnen weiterhilft. Es soll verwerflich sein andere wertzuschätzen und ihnen Mut zu machen. Heute stelle ich mir die Frage, ob dies von wirklich von vorbildlichen Menschen gesagt worden ist. Gerne denke ich nach, was diese Personen letztlich zum Vorbild macht. Am Ende grinse ich leicht kopfschüttelnd, denn sie haben nichts an sich, was erstrebenswert ist. Ein merkwürdiges Gefühl kommt auf, wenn ich mir einen großen Teil der Menschen ansehe, welche mich umgeben.

Mein persönliches Fazit:

Wenn du ein „guter“ Fotograf werden möchtest. Solltest du dein Handwerk vorbildlich beherrschen. Es ist nicht schlecht, wenn du sogar in deinem Verhalten, in deinem Charakter einige Merkmale hast, welche erstrebenswert für andere sind. Du solltest freundlich, aufgeschlossen und mutig sein. Natürlich bist du dir deines Wissens bewusst, lehnst aber neues Wissen nicht kategorisch ab. Als guter stoischer Fotograf benötigst du eine gewisse Klugheit, um richtiges von falschen und unwichtigem zu unterscheiden. Die Fähigkeit erhaben über die Aussagen anderer Menschen zu sein, macht dich großmütig. Schließlich hast du erkannt, dass es nichts „Gutes“ ohne „das Schlechte“ geben kann. Beides kann jedem Menschen in jeder Situation des Lebens widerfahren. Dein erlangtes Wissen und dein Großmut, ermöglichen dir eine ungeahnte Selbstbeherrschung.

Als vorbildlicher Fotograf und Mensch erschaffst wesentlich leichter Dinge von Wert. Du bist das Vorbild und kannst von deiner Fotografie leben, dies machst du nicht, indem du dich über andere erhebst, weil du andere abwertest. Als vorbildlicher Fotograf helfen deine Kritiken nämlich wirklich weiter, sie enthalten keine Beleidigungen und keine Schmähungen. Du lehnst andere Sichtweisen nicht kategorisch ab und du würdest niemals eine Fotografie und ihren Fotografen bekämpfen wollen. Dir ist als stoischer Fotograf völlig klar, dass es schlechte Fotografen und Fotografien gibt, diese liegen nur nicht in deinem Interesse (dabei ignorierst du sie nicht, sondern reagierst selbstbeherrscht). Du legst deinen Fokus auf die Schönheit des Lebens, welche auch in der Fotografie und den Menschen zu finden ist. 

Vergesse niemals, dass in jedem Menschen das Gute und das Böse inne wohnt.

Du entscheidest allein, welche Seite des Menschen du kultivieren möchtest. Du entscheidest allein, ob du ein Vorbild für andere sein möchtest.der ein völliger Trottel. Allem Anschein nach scheint es derzeit große Mode zu sein Menschen zu verurteilen, die sich bemühen ein Vorbild für andere zu sein und es wird gefördert, sich wie ein dumpfer und tapsiger Trottel zu verhalten. Der Grund hierfür liegt wohl daran, dass diese Trottel ungern darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie Trottel sind. Sie neigen dann gerne zu Tyrannei und mutieren zur Vollpfeife.

Ist ja schön, das sie fotografieren! Aber ich helfe ihnen. Die Frage ist nur: „Tun sie es? Oder soll ich…?“

Ihr bemerkt die Wichtigkeit des vorbildhaft Seins. Es ist deine Aufgabe als Fotograf und Mensch dich stets vorbildhaft zu verhalten. In Zukunft gehst du vorbildlich mit deiner Seele um und damit auch mit deiner Gesundheit. In Zukunft bist du nicht mehr getrieben von Konsumdruck und Verschwendung und sicherst damit deinen Wohlstand und deine Integrität als Mensch. In Zukunft wirst du dich um deine Wissenslücken kümmern, indem du dich bildest und so mit Verständnis und Wohlwollen reagieren kannst. Natürlich ist es nicht verboten sich um unwichtige Dinge des Lebens zu kümmern, solange sie dich nicht daran hindern ein Vorbild für andere zu sein.

Gruß

Herr Rausch