Für wen fotografierst du?

Meine lieben Fotofreunde,

vielleicht haben wir sicher zwischendurch bemerkt, dass unsere Fotografien nicht von jedem, auf die Art und Weise geschätzt werden, wie wir es uns wünschen. Der Grund hierfür liegt in der individuellen Betrachtungsweise der Menschen. Wir sind idiosynkratische Wesen und sind somit gar nicht in der Lage dieselbe Sichtweise von anderen Menschen anzunehmen.

Ein Gedankenexperiment:

Eine Person aus deinem Freundeskreis ist gehörlos. Dein Wunsch ist es, dieser Person dein Lieblingslied all umfassend zu erklären. Hierbei möchtest du nicht nur über den Text sprechen, sondern auch was darüber hinaus geht. Dein Anspruch, die Vermittlung deiner innersten Gefühle, welche beim Einsetzen der Instrumente einsetzt. Du wirst große Schwierigkeiten bekommen, dein Lieblingslied all umfassend zu erklären. Ich habe es selber oft versucht, da meine Schwester gehörlos ist und da so einige Erfahrungen machen dürfen. Ich möchte darauf Hinweisen, dass gehörlose Menschen ihre Umwelt anders wahrnehmen. Sie legen keinen Wert auf Klangfarbe und feinen Variationen der Jazztrompete im Hintergrund, dennoch hat meine Schwester einen guten Musikgeschmack. Es ist also nicht davon auszugehen, dass gehörlose Menschen ihre Umwelt falsch wahrnehmen. Schließlich finden sie sich in unserer Umwelt zurecht.

Mein Fazit:

Wir alle erleben Kunst, Musik, Poesie, Fotografie sehr individuell. Unsere Wahrnehmung hängt von unseren eigenen Fähigkeiten zur Wahrnehmung, und wie wir über das Wahrgenommene denken, sehr stark ab. Dies ist die Grundlage unseres individuellen Verständnisses unserer Welt. Eine Unterscheidung in „richtig“ und „falsch“ funktioniert hier nicht.

Was bedeutet das für die Fotografie?

Einige von uns haben eine klassische Ausbildung zum Fotografen, andere Fotografen haben gar keine Ausbildung und andere Fotografen haben Fotografie studiert. Es gibt Fotografen in den USA, Großbritannien, Frankreich und überall auf dieser Welt.

Welche dieser Fotografen sollte deiner Meinung nach am meisten Recht haben, mit seinen Motiven?

Es gibt Fotografen, die sind völlig farbenblind. Natürlich werden sie im Bereich „Farbe“ andere Maßstäbe anlegen, als du. Dann haben wir Kurzsichtige oder Weitsichtige, oder wir haben die glücklichen, frisch verliebten Fotografen und die tief Depressiven, es existieren Fotografen mit arabischer Kultur, europäischer Kultur und amerikanischer Kultur. Welche Mischung ist nun die Richtige?

Die Pfeife als Fotografen

Eine Pfeife erwartet tatsächlich, dass alle Menschen auf dieser Welt ihre Motive geil finden. Peifen erwarten wegen ihrer Genialität, dass du ihre Aussagen als goldene Regeln oder Gesetze verstehst.

Nein… noch besser!

Peifen erheben einen absoluten Anspruch, aufgrund ihres speziellen „Wissens“ über die Fotografie, für alle Menschen auf dieser Erde sprechen zu können und andere Fotografen zurecht weisen zu dürfen.

Vermeide die Pfeifen

In Zukunft beschäftigst du dich, nicht mehr mit nutzlosen Erklärungen und blödsinnigen Diskussionen, über das „ob, wie, was, wann und überhaupt“.

Du kannst nicht beeinflussen, was andere Menschen über deine Fotografie denken, aber du kannst beeinflussen, ob es dich selbst interessiert, was andere denken.

Es ist unmöglich, dass alle Menschen gerade deine Fotografien mögen. Sehe es ein.

Gerade die Pfeifen in dieser Welt denken, dass alles für sie persönlich erschaffen wurde, damit sie darüber frei entscheiden können. Sie werden dir Egoismus vorwerfen, wenn du ihre selbstsüchtigen Vorgaben nicht einhältst. Möchtest du dich in deiner Fotografie weiterentwickeln, dann trenne dich vom Gedanken, dass du für jemand anderes eine Fotografie oder einen Fotoblog machst, du machst es in Zukunft für dich selbst.

Werde einfach ein „guter“ Fotograf!

Die mit großen Abstand leichteste Übung ein „schlechter“ Fotograf zu sein ist, wenn man nicht zu sich selbst und seiner eigenen Arbeit steht. Du musst aufhören, die nicht zu erreichenden Erwartungen und Maßstäbe anderer bedienen zu wollen. Vom schlechten Fotografen wird verlangt, günstige, schnelle und schöne Bilder zu liefern. Sie werden gerne für soziale Netzwerke verheizt, um dort dem Auftraggeber eine schnelle und wertlose Bewunderung durch „Likes“ zu ermöglichen. Gerne wird man den schlechten Fotografen weiter empfehlen, um Werbung für seine nutzlosen Fotografien zu machen. Kein einziges Bild ist für den Zweck einer langen Betrachtung erschaffen worden. Keines der Bilder wird es je schaffen, so wichtig zu sein, dass es nicht einfach gelöscht wird. Keines dieser Fotos wird als erhaltenswert angesehen und mindestens zu Hause an die Wand gehängt. Du fotografierst in diesem Falle für den Mülleimer. Was macht diese Erkenntnis mit dir? 

Der einzige Weg ein echter und guter Fotograf zu werden ist es, sich selber mit seinen Fotografien zu beeindrucken. Wenn du konsequent umschaltest und die Fotografie nur noch für dich betreibst, dann bist du die Pfeifen schnell los. Sie werden unter lauten prostest gehen, aber sie werden gehen.  Man wird dich angreifen und unter Druck setzen. Aber was hast du zu verlieren? Erwartungen, die du gar nicht erfüllen kannst? Maßstäbe, welche jeglicher realistischen Betrachtung widersprechen? 

Was kannst du Gewinnen?

Du gewinnst viele Stunden an Freizeit, für schöne Dinge, weil du keine Bilder mehr für eine Person bearbeiten musst, die dir niemals eine gerechte Wertschätzung zugutekommen lässt. Du gewinnst an Selbstsicherheit, weil du endlos ermüdende Diskussionen ausweichst, weil die Pfeifen dir deine Selbstsicherheit nicht gönnen. Du gewinnst an Freude in der Fotografie, weil es in Zukunft für anonyme, unwichtige Menschen nicht mehr möglich ist, eine völlig nutzlose Kritik abzusondern.

Mein Ratschlag bedeutet nicht, dass du gar nichts mehr in den Weiten des Internets veröffentlichen solltest. Nur solltest du sehr genau darauf achten, wer sich in Zukunft aus welchem Grund deine Werke ansehen kann, darf und soll. Die Mehrheit wird deine Arbeiten nicht in der Art kritisieren, dass es dir weiterhilft. Hänge deine Bilder bei dir zu Hause auf, beginne einen Blog zu schreiben, den nicht jeder Proll auf der Straße lesen kann. Mach Fotobücher. Sehe deine Leidenschaft, deine Tätigkeit als Fotograf als Teil deiner Lebenszeit, welche du nur noch exklusiv für Menschen zur Verfügung stellst, welche deine Fotografien wirklich sehen wollen. Deine Freunde sind auch mit dir befreundet, weil sie mit dir befreundet sein wollen. Sie finden deine Fotografie sogar wunderbar und unbeschreiblich gut. Dann hast du sogar schon deinen kleinen ersten exklusiven Kreis. 

Und jetzt los!

Mach ein paar schöne und exklusive Fotos für dich.

Herr Rausch